Biografie von Shabaka Hutchings

Shabaka Hutchings konnte sich in den vergangenen fünf Jahren als eine der zentralen Figuren in der Londoner Jazzszene etablieren. Angetrieben von einem rastlos kreativen und erfrischend aufgeschlossenen Geist, wirbelt der Saxophonist und Klarinettist derzeit mit gleich drei Bands - Sons Of Kemet, The Comet Is Coming und Shabaka And The Ancestors - jede Menge Staub auf. Jedes dieser Ensembles schöpft dabei auf unterschiedliche Weise aus dem Klangreichtum der quirligen Londoner Clubkultur, indem es Jazz und Improvisationsmusik etwa mit House, Grime, Jungle und Dub sowie karibischen und afrikanischen Einflüssen kombiniert. Ein außergewöhnlicher Coup gelang Hutchings dieses Jahr, als er mit allen drei Bands einen Plattenvertrag bei dem legendären Coltrane-Label Impulse! abschließen konnte.

 

Zum Auftakt brachte er dort das explosive dritte Sons-Of-Kemet-Album "Your Queen Is A Reptile" heraus, über dessen Titel das britische Königshaus nicht sonderlich erfreut gewesen sein dürfte. Im Rest der Welt erntete das Album aber hymnische Kritiken. "...eine abgespeckte Alternative zu den manchmal überlangen und überspannten kosmischen Darbietungen von Künstlern wie Kamasi Washington", meinte zum Beispiel All About Jazz. "Die neun Tracks von 'Your Queen Is A Reptile' sind Vorbilder für Präzision und Schärfe." Kein Wunder, dass dieses Album gerade für einen Mercury Prize nominiert wurde.

 

"In meiner Karriere als Jazzmusiker habe ich mich immer wieder gefragt, ob das, was ich tue, auch das ist, was ich tun sollte", sagt Hutchings, der an der renommierten Londoner Guildhall School of Music & Drama klassische Klarinette studiert hat. "Ich erlernte Jazz nach der Trial-and-Error-Methode. Aber zuletzt habe ich einen Punkt erreicht, ab dem ich mich nicht mehr fragte, ob das, was ich tue, überhaupt zulässig oder ein Teil der Jazztradition ist. Ich betrachte mich einfach nur noch als Musiker."

 

Erste Aufmerksamkeit erregte Hutchings, der 1984 in London geboren wurde, aber in Barbados aufwuchs, als Mitglied von Melt Yourself Down, der "nubischen Party-Punk-Band" seines Saxophonkollegen Peter Wareham. Mit seiner ersten eigenen Band Sons Of Kemet ("Kemet" spricht man den altägyptischen Namen für Ägypten aus) legte er bei dem britischen Label Naim die beiden Alben "Burn" (2013) und "Lest We Forget What We Came Here To Do" (2015) vor, die sofort großen Anklang fanden. Auch der britische Jazz-DJ-Papst Gilles Peterson erteilte der Band schnell seinen Segen. Das mit Tenorsax/Klarinette, Tuba und zwei Schlagzeugen ungewöhnlich besetzte Quartett verstärkte Hutchings für "Your Queen Is A Reptile" noch um den Jungle-Pionier Congo Natty (a.k.a. Rebel MC), die Saxophonistin Nubya Garcia und den Poeten Joshua Idehen. Mit dem Trio The Comet Is Coming, das Jazz mit Elementen von Electronica, Funk und psychedelischem Rock vermischt, war Hutchings 2015 für einen Mercury Prize nominiert. Shabaka And The Ancestors schließlich ist ein 2015 gestartetes Projekt mit südfafrikanischen Musikern.

 

Laut Hutchings unterscheiden sich die Bands voneinander weniger durch die stilistische Ausrichtung als vielmehr durch die Kombination von unterschiedlichen Persönlichkeiten. Bei The Comet Is Coming sucht er mit Schlagzeuger Maxwell Hallett und Keyboarder Dan Leavers einen eher "anarchistischen Zugang" zur Musik.  "Weil wir nicht darüber reden, was die anderen tun soll, spielen wir alle nur das, was wir für richtig halten", erläutert Shabaka. Ganz anders sieht es bei den Sons Of Kemet aus, für die Hutchings als alleiniger Komponist verantwortlich zeichnet. "In gewisser Weise ist das meine Gruppe", meint er. "Ich kann sagen: 'Nein, halt, stopp, hier sollte ein Break sein.' Aber tatsächlich vertraue ich auch in diesem Rahmen den Musikern. Wenn sie eine bessere Idee haben, probieren wir die aus und sehen, wie es läuft." Für sein drittes Projekt Shabaka And The Ancestors tat sich der Saxophonist mit einer Gruppe südafrikanischer Musiker um den Trompeter Mandla Mlangeni zusammen, um Afro-Futurismus mit Einflüssen von Sun Ra, Jazz und dem südafrikanischen Musikerbe zu vermischen.

 

Stand: 29.08.2018