Aktuelles Album

Termine
Marcus Miller, Konzert
01.11.2017 Zürich (CH), Jazznojazz Festival
Konzert

weitere Highlights
05.11.2017 Hamburg, Fabrik
Marcus Miller
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06.11.2017 Berlin, HUXLEY'S NEUE WELT
Marcus Miller
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07.11.2017 Dresden, Erlwein Capitol
Jazztage Dresden 2017 - Marcus Miller
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08.11.2017 Leverkusen, Leverkusener Jazztage
Konzert

28.03.2018 Genf, Théâtre du Léman
Konzert

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Biografie von Marcus Miller

Marcus Miller gehörte zum Kreis der größtenteils relativ unbekannten, aber exzellenten jungen Musiker, die der legendäre Trompeter Miles Davis um sich scharte, als er 1980 sein Comeback-Album "The Man With The Horn" aufnahm. Zehn Jahre lang wirkte Miller in dieser Band als Bassist, Komponist und Arrangeur (für das mit einem Grammy prämierte Album "Tutu" schrieb er z.B. nahezu alle Stücke allein). War er vor seinem Engagement bei Miles ein anonymer Studiomusiker gewesen, so war Miller ab da ein gefragter Mann.

In den folgenden Jahrzehnten spielte er auf über 500 Alben mit und arbeitete dabei u.a. mit Stars wie Michael Jackson, Herbie Hancock, Wayne Shorter, McCoy Tyner, Frank Sinatra, George Benson, Dr. John, Aretha Franklin, Eric Clapton, David Sanborn, Grover Washington Jr. und LL Cool J. Seit 1983 nimmt Marcus Miller auch Alben unter eigenem Namen auf, zuletzt 2012 das gefeierte Album "Renaissance". "'Renaissance' ist vielleicht das emotionalste Album, das Miller bisher gemacht hat", schrieb Thom Jurek damals im All Music Guide. "Groove und Feuerkraft sind hier nahezu Konstanten. Die stilistisch breitgefächerte Kollektion, die sehr fokussiert ist und professionell zusammengestellt wurde, umfasst Jazz-Funk, Rhythm'n'Blues, Rock, Post-Bop, Club-Jazz und mehr."

Heute kann man auch sagen, dass "Renaissance" nur eine Art Prolog zu Millers neuem Album "Afrodeezia" war. Denn mit der Komposition "Gorée" enthielt "Renaissance" ein Stück, das Miller zu seinem neuesten Projekt "Afrodeezia" inspirierte und stilistisch noch schillernder ist. Auf "Afrodeezia" zollt Miller seinen afrikanischen Vorfahren Tribut. Er hat sich für das Album auf musikalische Spurensuche begeben und ist dabei der alten Sklavenroute gefolgt. Sie führte ihn nicht nur von Westafrika in die USA, sondern über Umwege auch nach Europa, Südamerika und in die Karibik. Die Aufnahmen entstanden u.a. in Marokko, Rio de Janeiro, Paris, Louisiana, Kalifornien, Detroit und New York.

Begleitet wurde Miller bei seinen Reisen von den Musikern seiner festen Band (Trompeter Lee Hogans, Saxophonist Alex Han, Pianist Brett Williams, Gitarrist Adam Agati und Schlagzeuger Louis Cato), zu denen sich vor Ort lokale Stars als Gäste gesellten: darunter die Trompeter Ambrose Akinmusire, Etienne Charles und Patches Stewart, Keyboarder Robert Glasper, der senegalesische Sänger Alune Wade, der brasilianische Songwriter Djavan, Rapper Chuck D, die Gitarristen Keb' Mo' und Wah Wah Watson, der malische Koraspieler Cherif Soumano und die Soulsängerin Lalah Hathaway.

"Die Kraft der Musik ist grenzenlos", meint Marcus Miller. "Durch Spirituals, Jazz und Soul konnten wir unsere Geschichte überliefern, weil alle anderen Erinnerungen ausgelöscht worden waren. Ich recherchierte viel, bevor ich mit den Aufnahmen für 'Afrodeezia' begann und machte während der Sessions mindestens ebenso viele Entdeckungen! Was mir am meisten am Herzen lag, war zu den Quellen der Rhythmen, die unser musikalisches Erbe so reich machen, zurückzugehen, ihnen wie Fußspuren zu folgen, von ihren Ursprüngen in Afrika den ganzen Weg bis in die USA. Die Reise führte uns von Mali nach Paris, von New Orleans nach São Paulo und durch die Karibik. Ich hatte großes Glück, dabei mit Musikern aus u.a. Mali, Burkina Faso, Brasilien und Trinidad zusammenzuarbeiten..."

"Nachdem ich das Sklavenhaus auf Gorée, einer Insel vor der Küste Senegals, besucht hatte, komponierte ich für mein letztes Album 'Renaissance' das Stück 'Gorée'. Als ich es bei Konzerten spielte, verspürte ich schnell das Verlangen, zu erzählen, was ich im Senegal gefühlt hatte. Ich wollte den Leuten verständlich machen, dass es bei diesem Stück nicht nur um die Sklaventragödie ging, sondern auch darum, dass diese Menschen, die plötzlich im Frachtraum eines Schiffs gefangen waren, einen Weg fanden zu überleben und ihre Verzweiflung in Freude zu verwandeln. Und dabei spielte die Musik eine wichtige Rolle. Kurze Zeit später ernannte mich die UNESCO zum 'Künstler für den Frieden' und machte mich zum Sprecher für ihr Sklavenrouten-Projekt. Und das brachte mich dann auf die Idee zu 'Afrodeezia'."

"Als ich in São Paulo mit lokalen Perkussionisten Samba spielte, stellte ich fest, dass ich diesen Rhythmus schon kannte. Ich hatte ihn in Marokko von Gnawa-Musiker gehört! Diese Verbindungen finde ich faszinierend. Aber wie sagte schon Taj Mahal: 'New Orleans ist bloß der nördlichste Teil der Karibik...'. Wir spielten dort in einem Studio die ganze Nacht hindurch. Es war wunderbar. Es passierte so vieles, mit dem ich nicht gerechnet hatte, als wir das Projekt begannen... Bei einem Jazzfestival in Polen traf ich Alune Wade, einen Bassisten aus dem Senegal; so kam eins zum anderen und führte dazu, dass er als Sänger an 'Afrodeezia' mitwirkte..."

"Es ist meine Musik, die man auf 'Afrodeezia' hören kann, sie reflektiert, wer ich heute bin: ein Musiker, der allem gegenüber offen und stets wachsam ist und der seine wahre Persönlichkeit vor ungefähr zehn Jahren entdeckte. Aber ich muss mich immer noch entwickeln. Ich bin auf die jungen Musiker meiner Band stolz: auf den Saxophonisten Alex Han, den Gitarristen Adam Agati, Keyboarder Brett Williams und Drummer Louis Cato. Sie bilden den Nukleus von 'Afrodeezia'. Um sie herum kreisen Solisten aus all den Ländern, die wir gekreuzt haben. All das, was sie eingebracht haben, verhalf meiner Musik zu einer neuen Dynamik. Es gibt Klänge, die man dort noch nie zuvor gehört hat: von einer Kora, einer Gimbri und jeder Menge Perkussionsinstrumente..."

"Für schwarze Amerikaner hat eine neue Ära begonnen. Es gibt immer bessere DNA-Tests, die uns  heute erlauben zu sagen, dass wir unsere Wurzeln nicht in North Carolina oder Virginia oder bestenfalls in der Karibik haben. Dank dieser Tests weiß ich, dass nigerianisches Blut durch meine Adern fließt. Diese Verbindungen sind spürbar, sind sind in meinem Blut. 'Afrodeezia' ist die exakteste Reflektion der Person, die ich heute bin. Mit diesem neuen Repertoire wird es keine Unterschiede mehr geben zwischen der Person, die ich im wirklichen Leben bin, und dem Musiker, den man auf der Bühne sieht. Und das ändert einfach alles."

Februar 2015