5 Original Albums | News | Stimmbandkünstler und Gesangsrevolutionär - Bobby McFerrin in 5er-Box

Stimmbandkünstler und Gesangsrevolutionär – Bobby McFerrin in 5er-Box

Die CD-Box “5 Original Albums” versammelt erstmals fünf legendäre Alben, die der Vokalakrobat BobbyMcFerrin zwischen 1986 und 2002 für Blue Note aufnahm.
Bobby McFerrin - 5 Original Albums
Bobby McFerrin - 5 Original Albums
18.04.2018
Bobby McFerrin singen zu hören, könnte Ihre Vorurteile gefährden”, heißt es in einer augenzwinkernden Warnung auf der Website des Sängers. “Nebenwirkungen können unvergleichliche Freude, eine neue Betrachtungsweise von Kreativität, Ablehnung des Vorhersehbaren und ein plötzlicher, unumkehrbarer Drang zu einer spontaneren Lebensführung sein.” Das mag auf den ersten Blick ein wenig dick aufgetragen klingen, doch Abermillionen eingefleischte McFerrin-Fans in aller Welt können all dies bestätigen. Denn die Konzerte und Alben des Sängers sind für sie unvergessliche Ereignisse.
Bevor Bobby McFerrin auf der Szene auftauchte, hatte ein anderes Stimmwunder, Al Jarreau, den männlichen Jazzgesang nach Belieben dominiert. Doch Bobby (ähnlich wie Jarreau ein relativer Spätaufblüher) war anders: noch experimentierfreudiger und improvisationslustiger als Al, weniger dem Rhythm’n'Blues verhaftet und nicht so kommerziell ausgerichtet. Mit seinem “multiinstrumentalen” Gesangsstil, mehrstimmigem Obertongesang und seiner virtuosen Body- und Vocal-Percussion erobert er schnell scharenweise Kritiker und Fans. “Es ist, als ob man einem ganzen Orchester zuhört, das durch den Körper eines einzelnen Mannes brodelt”, bemerkte NPR Music. Und in der Chicago Tribune brachte Howard Reich McFerrins Einzigartigkeit folgendermaßen auf den Punkt: “Es gibt im Grunde zwei Kategorien von Sängern in dieser Welt: Bobby McFerrin und alle anderen.”
Nachdem Bobby McFerrin sich 1982 auf seinem titellosen Debütalbum noch etwas verhalten vorgestellt hatte, zeigte er sich auf dem Nachfolger “The Voice” schon völlig losgelöst. Zwischen 1986 und 2002 nahm der zehnfache Grammy-Gewinner dann für Blue Note ingesamt sechs Alben auf, von denen nun fünf erstmals zusammen in der preiswerten Box “5 Original Albums” erscheinen. Ausgestattet ist die Box mit Original-Artwork, Stecktaschen-CDs und einem attraktiven Schuber.
Spontaneous Inventions (1986)
Wie das Vorgängeralbum “The Voice” (erschienen bei Elektra/Warner), das bei in Deutschland gegebenen Solokonzerten aufgenommen worden war, stand auch “Spontaneous Inventions” weitgehend im Zeichen von McFerrins spontanem Live-Erfindungsreichtum. Doch diesmal arbeitete der Sänger bei einigen Stücken mit prominenten Gästen wie Pianist Herbie Hancock, Saxophonist Wayne Shorter und  Komiker Robin Williams zusammen. “Spontaneous Inventions” enthielt darüber hinaus eine atemberaubende A-capella-Version von “Another Night In Tunisia”, die Bobby an der Seite von Manhattan Transfer und Jon Hendricks präsentierte. Die Aufnahme, für die McFerrin ein Jahr zuvor seine ersten beiden Grammys gewonnen hatte, stammte ursprünglich vom Manhattan-Transfer-Album “Vocalese”.
Simple Pleasures (1988)
Manchmal kann ein einzelner Song sich für einen Künstler zugleich als Segen und Fluch erwiesen. So wie “Don’t Worry, Be Happy” für Bobby McFerrin. Der fröhliche Ohrwurm machte den Sänger auf einen Schlag weltbekannt und brachte ihm drei Grammys ein. Trotzdem verbannte er ihn schon bald aus seinem Live-Repertoire. “Es ist nicht so, dass ich den Song nicht liebe”, erklärte er die Entscheidung später, “aber es macht mich ein wenig verrückt, dass viele Leute mich nur mit diesem Lied assoziieren.” Dabei hatte das im Alleingang aufgenommene Album “Simple Pleasures”, das in den USA dreifach Platin erntete, so viel mehr zu bieten: neben vier weiteren Originalen u.a. Evergreens von den Beatles, Cream und den Young Rascals sowie den Rockabilly-Klassiker “Suzie Q.”.
Medicine Music (1990)
Den Kopfschmerz, den ihm ironischerweise der Erfolg von “Don’t Worry, Be Happy” bereitet hatte, kurierte McFerrin zwei Jahre später mit “Medicine Music”. Das abwechslungsreiche und sehr spirituelle Album weist Einflüsse von Jazz über Gospel und Rhythm’n'Blues bis hin zu afrikanischen Chants, indischen Ragas und Weltmusik auf. Meist multipliziert McFerrin seine Stimme im Overdub-Verfahren. In zwei Nummern ist er aber erstmals mit seinem bereits 1986 gegründeten Voicestra zu hören, einem zwölfköpfigen Gesangsensemble. Einen Gastauftritt absolviert außerdem sein Vater Robert McFerrin Sr., ein Opernbariton, der 1955 als erster afro-amerikanischer Sänger in der Metropolitan Opera in New York aufgetreten war.
Bang!Zoom (1995)
Sein musikalisch mit Abstand kommerziellstes Album nahm Bobby McFerrin 1995 mit “Bang!Zoom” auf, auf dem er mit “Friends”“Freedom Is A Voice”, “Heaven’s Design” und “My Better Half” einige Nummern sang, die auch hervorragend ins Repertoire von Al Jarreau gepasst hätten. Das Album entstand in enger Kooperation mit der Fusionband Yellowjackets (Keyboarder Russell Ferrante, Saxophonist Bob Mintzer, Bassist Jimmy Haslip und Drummer Will Kennedy) und den fetzigen Tower of Power Horns.
Beyond Words (2002)
Nachdem er einen Großteil der 1990er Jahre damit verbracht hatte, als Vokalist und Dirigent klassische Projekte zu verfolgen, kehrte McFerrin 2002 mit “Beyond Words” endlich wieder zum Jazz und den Improvisationen zurück. Exzellenten Rückhalt gab ihm dabei eine All-Star-Band, bestehend aus Pianist Chick Corea, Bassist Richard Bona, Schlagzeuger Omar Hakim und Perkussionist Cyro Baptista. Als Gäste wirkten an den Aufnahmen u.a noch der Akkordeonspieler Gil Goldstein und Bobbys Sohn Taylor McFerrin als Beatboxer mit.