Melanie Charles | Aktuelle News und Rezensionen

Rezensionen von Melanie Charles

Black Women, Black Vinyl – Melanie Charles auf dem Turntable
Die LP und weitere finden Sie in unserem JazzEcho-Store. “Kampfeslustig” nannte nicht nur eine Albumkritik Melanie Charles' erste Verve-Veröffentlichung “Y’all Don’t Really Care About Black Women”. “Faktisch korrekt”, “im Sinne der Anklage zutreffend” und “den Ernst der Lage realistisch einschätzend” könnte man es allerdings auch formulieren. Es zeugt von Zivilcourage, dass die Sängerin sich diesen Titel von keiner Marketing-Abteilung hat ausreden lassen. Was er darüber hinaus aber auch ist: in einem Teekesselchen-Sinne mehrdeutig. Denn zeitgleich mit der Feststellung, dass es weiblich gelesenen People of Colour sowohl an öffentlicher Aufmerksamkeit und massenmedialem Zuspruch sowie der damit einhergehenden Anteilnahme mangelt, präsentiert die Künstlerin aus Brooklyn berühmte Werke starker Schwarzer Musikerinnen denen es selbstverständlich kaum anders erging. Auch ihre Leistungen und Errungenschaften mussten meist die Extra-Meile gehen, um Dolly-Parton-Status zu erreichen – wenn überhaupt… Mit großer Zielsicherheit hat Melanie Charles für ihr Projekt nicht nur Künstlerinnen wie Billie Holiday, Dinah Washington, Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Marlena Shaw und Betty Carter ausgewählt. Weil sie als Produzentin und Interpretin in Personalunion aber auch entschied, dass “Y’all Don’t Really Care About Black Women” Originale nicht nur interpretieren sondern auch inkorporieren sollte, kam es aber neben den richtigen Personen auch auf die richtigen Songs an. Im Englischen existiert für einen solchen Treffer aus Körper und Klang der Begriff “Signature Tune”. Und genau solche hat sich Melanie Charles geschnappt, um den großartigen Künstlerinnen mit ihrer persönliche Hommage zu huldigen und ganz nebenbei auf deren Verdienste aufmerksam zu machen. “Y’all Don’t Really Care About Black Women” ist nicht nur ein couragierter Albumtitel. “Y’all Don’t Really Care About Black Women” ist ein mutiges Album. Als Sängerin und Multiinstrumentalistin hat Charles bei der Umsetzung ihrer Sound-Ideen auf ein kleines, dafür aber umso feineres Team gesetzt. Marcus Gilmore am Schlagzeug, Rogerst Charles an allen Blasinstrumenten, die Melanie nicht selber spielt, sowie Dezron Douglas und Tony Garnier, die für die tiefen Töne verantwortlich zeichnen. Dass “Y’all Don’t Really Care About Black Women” dennoch bisweilen nach großem Orchester oder zumindest nach Big Band klingt, hat mit den Fähigkeiten der “Tausendsissi” Melanie Charles zu tun, die dem Album nicht nur Gesicht und Stimme, sondern als Produzentin auch Klangcharakter verleiht. Sample-Heavy, alles andere als “gemainstreamt”, teilweise verstörend, mit großer Lust am Experiment, aber immer faszinierend, immer im sprichwörtlichen Sinne “unerhört.” Für Vinylfreunde von Wichtigkeit: beim Verve-Debüt hat sich das Label nicht lumpen lassen. Superdicke Gatefold-Pappe, eine stabile und bunt bedruckte Innenhülle, schweres schwarzes Gold. Und die Portraitfotos im Klappcover zeigen: wer sich “Jazz” aufs Handgelenk und einen Violinschlüssel auf den Nacken tätowieren lässt, kann danach so viel gar nicht mehr falsch machen.  
vor 10 Monaten
Melanie Charles
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