Madison Cunningham | News | Eine wunderbare musikalische Offenbarung - Getrieben von kindlicher Neugier

Eine wunderbare musikalische Offenbarung – Getrieben von kindlicher Neugier

Auf “Revealer”, ihrem zweiten Album für Verve Forecast, lässt Madison Cunningham keinen Zweifel daran, dass sie eine der begnadetsten Songschreiberinnen ihrer Generation ist.
Madison Cunningham
Madison Cunningham(c) Claire Vogel
08.09.2022
Das Album “Revealer” auf LP und weiteres finden Sie in unserem JazzEcho-Store
Der Titel des neuen Albums von Madison Cunningham ist Programm. Denn auf “Revealer” offenbart die junge Südkalifornierin tatsächlich eine ganze Menge. Über sich selbst und ihr komplexes Innenleben. Aber auch über ihre erstaunlich vielseitigen Fähigkeiten als Sängerin, Gitarristin, Multiinstrumentalistin, Komponistin und Wortschmiedin. “Revealer” ist das ungeschminkte Selbstporträt einer erst 25-jährigen Künstlerin, die noch voller Zweifel und Unsicherheiten ist, aber vor lauter aufregenden musikalischen Ideen schier zu bersten scheint. Für ihr Verve-Forecast-Debüt “Who Are You Now” (2019) und die darauf folgende EP “Wednesday” (2020) hatte sie zwei Grammy-Nominierungen erhalten. Aber Madison hat trotzdem das Gefühl, dass noch ein weiter Weg vor ihr liegt. Und ihre Zweifel verwandelt sie in Songs, die durch ihre persönliche Eigenart wiederum von Selbstbewusstsein zeugen.
Schon auf “Who Are You Now” verblüffte Madison Cunningham mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem außergewöhnlichen Gitarrenspiel, das einfallsreich, flinkfingrig und rhythmisch bestechend ist. Auf “Revealer” ist die stilistische Bandbreite des Repertoires nun noch größer, reicht von fast schon klassischem West-Coast-Folk über jazzig angehauchten Singer/Songwriter-Pop und Indie-Rock bis hin zu gewitzten Einflüssen von moderner afrikanischer und karibischer Musik. Als ihre Vorbilder zitiert Cunningham gerne Joni Mitchell, Bob Dylan, die Beatles, Led Zeppelin, Radiohead, Fiona Apple oder Jeff Buckley. Aber obwohl diese Inspirationen in ihrer Musik hier und da aufblitzen, bleibt Madison, und das ist wirklich erstaunlich für eine derart junge Musikerin, künstlerisch immer ganz sie selbst.
“Die besten Ideen entstehen aus kindlicher Neugier heraus”, sagt sie selbstbewusst. Und so hat sie im Studio herumexperimentiert, um vertrauten Instrumenten ungewöhnliche Klänge zu entlocken. Neben akustischen und elektrischen Gitarren spielt sie hier u.a. noch Ukulele, Mandoloncello, Bass, Schlagzeug, Perkussion und diverse Keyboards. Um die Ungeschliffenheit und Eindringlichkeit ihrer Emotionen besser einfangen zu können, nahm sie die Songs in Etappen auf. Jedesmal, wenn sie einen fertigstellt hatte, ging sie kurz darauf ins Studio, um ihn gleich aufzunehmen. Dabei arbeitete sie erneut mit Tyler Chester zusammen, der bereits “Who Are You Now” und “Wednesday” produziert hatte, und holte außerdem die Produzenten Mike Elizondo (Fiona Apple, Regina Spektor, Mastodon) und Tucker Martine (Neko Case, Sufjan Stevens) hinzu. Mit von der Partie waren auch einige der besten Musiker von Los Angeles, darunter Schlagzeuger Matt Chamberlin, Keyboarder Rob Burger sowie der Holzbläser Jesse Chandler, und ein Streichquartett.
“Es gibt einen alten Simpsons-Witz darüber, unterschwelligen Bedeutungsebenen ungewollt eine Stimme zu verleihen”, schreibt Andrew Gulden im Magazin Americana Highways über “Revealer”, “und auf Madison Cunninghams neuestem Album geht es darum, das Gedachte laut auszusprechen. In Cunninghams Fall ist die Enthüllung persönlicher, verborgener Wahrheiten jedoch durchaus beabsichtigt. Und während ihre gitarristischen Hexenkünste und ihre stark unterschätzte Stimme stets präsent sind, ist ‘Revealer’, das jede Menge kleiner Einblicke und Beobachtungen bietet, thematisch und lyrisch ihr bisher tiefgründigstes Album.”
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