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Carla Bley – The Lost Chords Find Paolo Fresu

24.10.2007
Carla Bleys Sinn für alles Skurrile ist in der Jazzszene bestens bekannt. Ihr 2003 gegründetes Quartett mit Saxophonist Andy Sheppard, Bassist Steve Swallow und Schlagzeuger Billy Drummond taufte sie nach einem Stück, das sie in ihrer Kindheit gelernt hatte, The Lost Chords. Für das schrieb sie Songs, die auf “verloren klingenden Akkorden” basierten. Und es kam, wie es kommen mußte: Bevor die Band das Material aufnehmen konnte, gingen die Notenskizzen verloren und Carla mußte sie aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
Um die passenden Musiker für das Quartett zu finden, mußte Carla damals nicht lange suchen. Den Bassisten Steve Swallow kennt sie bereits seit einer halben Ewigkeit. Er war Mitglied des brillanten Jimmy Giuffre 3, für das Carla 1961- mit 25 Jahren! – einige Kompositionen schrieb. Sechs Jahre später spielten die beiden zusammen auf Gary Burtons Album “A Genuine Tong Funeral”, das Carlas erstes größeres Kompositionswerk präsentierte. Seit dem 1978 aufgenommenen WATT-Album “Musique Mecanique” war Steve Swallow dann als Bassist oder Komponist an jeder Aufnahme von Carla Bley beteiligt. Auch privat verstehen die beiden sich seit Jahren bestens.
 
Der britische Saxophonist Andy Sheppard ging erstmals 1988 mit Carla Bley auf Tournee, um das Live-Album “Fleur Carnivore” (WATT 21) mit ihr aufzunehmen. Seit nunmehr zwanzig Jahren gehört er zum Kreis ihrer regelmäßigen Mitarbeiter. Steve Swallow wiederum produzierte Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre die ersten vier Soloalben, die Sheppard für das Label Antilles einspielte. Auf einem präsentierte der Brite damals ein Stück namens “Carla, Carla, Carla, Carla”.
 
Im Trio mit Steve Swallow und Andy Sheppard nahm Carla Bley 1994 zunächst das Album “Songs With Legs” auf.
 
Der Schlagzeuger Billy Drummond stieß 2002 zur Carla Bley Big Band und verstärkte ein Jahr später auch das Trio, das sich daraufhin den Bandnamen The Lost Chords zulegte. Drummond, der auch schon mit Carlas erstem Ehemann Paul Bley gespielt hatte, trat darüber hinaus bereits mit Jazzgrößen wie Sonny Rollins, Pat Metheny, Joe Henderson, Freddie Hubbard, Horace Silver und Steve Kuhn auf.
 
Nun haben die Lost Chords weitere Verstärkung gefunden, die ihnen zukünftig beim Suchen nach verlorenen Akkorden oder Notenblättern helfen kann: Paolo Fresu, den neben Enrico Rava wichtigsten Trompeter der italienischen Jazzszene. Mit dem neuen Mann wurde der Sound kompakter und druckvoller. Neben der Überarbeitung einer älteren Komposition (“Ad Infinitum”) bietet Carla  eine Reihe neuer Songs: das packende “Liver Of Life” und das Christopher Reeve gewidmete “Death Of Superman”. Den Höhepunkt bildet allerdings das fünfteilig geplante, aber aus reiner Schusseligkeit sechsteilige geratene “Banana Quintet”.