Brandee Younger | News | Flirrende Grooves - nur keine falsche Bescheidenheit!

Flirrende Grooves – nur keine falsche Bescheidenheit!

Bisher hatte sich die Harfenistin Brandee Younger auf ihren Soloalben stets Zurückhaltung auferlegt. Für ihr Impulse!-Debüt “Somewhere Different” ist sie nun erstmals so richtig aus sich herausgegangen.
Brandee Younger - Somewhere Different
Brandee Younger - Somewhere Different
12.08.2021
Diese LP und weitere von Impulse! Records finden Sie in unserem JazzEcho-Store.
Für jemanden, der ein so exotisches Instrument wie die Harfe spielt, ist Brandee Younger in den vergangenen fünfzehn Jahren ziemlich weit in der Musikszene herumgekommen. Und dabei hat sich die 38-Jährige keineswegs auf Auftritte mit Jazzkollegen wie Pharoah Sanders, Charlie Haden, Ravi Coltrane, Christian McBride und Robert Glasper oder Sinfonieorchestern und kammermusikalischen Ensembles beschränkt. Mindestens genauso oft glänzte sie schon an der Seite von Rhythm’n’Blues-Größen (u.a. John Legend, Maxwell, Laura Mvula und Lauryn Hill) oder Rappern (Common, Drake und Pete Rock). Ihren Facettenreichtum offenbarte sie bislang auch auf ihrer 2011 erschienenen Debüt-EP, vier eigenen Alben und den beiden aufregenden Samplern “Supreme Sonacy” (Blue Note/Revive Music) und “A Day In The Life: Impressions Of Pepper” (Impulse!).
Doch erst auf “Somewhere Different”, ihrem ersten Soloalbum für Impulse! Records, wagt sie sich so wirklich aus ihrem Kokon heraus und breitet ihre Flügel aus. Bisher, das gibt sie freimütig zu, hatte sie sich selbst immer etwas zurückgenommen und oft ihren Mitspielern den Platz im Scheinwerferlicht überlassen. Nun aber stellt sie endlich ihr eigenes künstlerisches Schaffen und ihr Instrument in den Vordergrund. “Es war mir wichtig, mit der Harfe in eine nicht-traditionelle Umgebung vorzustoßen”, sagt Younger über “Somewhere Different”. “Ich habe mich bewusst darum bemüht, dass die Harfe in dieser Aufnahme ein wenig präsenter ist. Das ist wichtig für das Instrument.”
Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie zum einen sechs der acht Kompositionen von “Somewhere Different” selbst komponiert; je eine stammt von dem Produzenten und Bassisten Dezron Douglas und Gastvokalistin Tarriona Ball von der Band Tank and the Bangas. Zum anderen legte Brandee den Grundstein sämtlicher Nummern im Trio mit dem Schlagzeuger Allan Mednard und dem Bassisten Rashaan Carter, wobei letzterer gelegentlich durch den legendären Ron Carter oder Dezron Douglas ersetzt wurde. Zum Zuge kommen bei einigen Tracks außerdem noch Trompeter Maurice Brown, Tenorsaxofonistin Chelsea Baratz, Flötistin Anne Drummond und Drummer Marcus Gilmore.
Seit Brandee Younger Musik macht, versucht sie, die Grenzen zwischen Klassik, Jazz und zeitgenössischen Formen von R&B, Hip-Hop und Funk zu überwinden. Auf “Somewhere Different” zieht sie gewissermaßen ein Resümee ihrer bisherigen Karriere und betritt gleichzeitig Neuland. “Ich habe 2006 damit begonnen, Musik aufzunehmen, die für Harfe unüblich ist”, sagt sie. “Für dieses Album wollte ich nun auf meine Art all die musikalischen Welten, in denen ich mich bewege, in einer vereinen. Ich mache hier endlich mein ganz eigenes Ding.”
Mehr von Brandee Younger