Arooj Aftab | News | Kollektive Kreativität - hypnotisierend, exotisch und doch irgendwie vertraut

Kollektive Kreativität – hypnotisierend, exotisch und doch irgendwie vertraut

Mit “Love In Exile” haben Sängerin Arooj Aftab, Pianist Vijay Iyer und Bassist Shahzad Ismaily gemeinsam ein Album erschaffen, dessen Reizen sich wohl kaum einer entziehen kann.
Arooj Aftabs / Vijay Iyer / Shahzad Ismaily
Arooj Aftabs / Vijay Iyer / Shahzad Ismaily © Ebru Yildiz
23.03.2023

Das Album “Love In Exile” auf LP und als exklusive Sonderedition in silbernem Vinyl und weiteres finden Sie in unserem JazzEcho-Store

In Arooj Aftab, Vijay Iyer und Shahzad Ismaily haben sich drei der profiliertesten und einflussreichsten musikalischen Stimmen der südasiatischen Diaspora für ein aufregendes Projekt zusammengeschlossen.
Mit den ungemein reizvollen und sich gemächlich entfaltenden Liedern von “Love In Exile” entführt das Trio abenteuerlustige Hörer/innen in weite Klangwelten, die zugleich exotisch und doch vertraut wirken. Das Zeitgefühl scheint hier auf wundersame Weise außer Kraft gesetzt zu werden, so sehr kann man sich in dieser größtenteils improvisierten und hypnotisierenden Musik verlieren. Die Üppigkeit der klanglichen und rhythmischen Palette steht dabei im krassen Widerspruch zur Bescheidenheit der eingesetzten Mittel. Nur mit Klavier, Fender Rhodes und Elektronik respektive E-Bass und Moog-Synthesizer erschaffen Vijay Iyer und Shahzad Ismaily einen luftig gewebten Sound-Teppich über dem vollkommen schwerelos Arooj Aftabs exquisit-himmlischer Urdu-Gesang schwebt. “Love In Exile” wurde live in einem New Yorker Studio aufgenommen und im Nachhinein nur noch minimal bearbeitet. Mit jedem Hören des Albums offenbaren sich einem andere Aspekte dieser vielschichtigen Klangwelt. Genre-Kategorien kristallisieren sich erst nach und nach heraus, bleiben aber flüchtig. Die Musik ist verblüffend präsent, stets elegant und emotional offen. Indem sie in Echtzeit und ohne große Vorbereitungen zur Sache gingen, schufen die drei Musiker einen kollektiven Moment für sich und das Publikum.
“Vijay und Shahzad waren so sehr eins, dass nicht klar war, ob sie mir folgten oder ob ich ihnen folgte”, erinnert sich Arooj Aftab an den ersten gemeinsamen Auftritt zurück. “Wir waren wie ein Schwarm Fische.” Nach der Premiere-Show, die 2018 in New York stattgefunden hatte, bat Shahzad Ismaily Arooj Aftab und Vijay Iyer, sich mit ihm hinter der Bühne zusammenzusetzen und über das eben Geschehene nachzudenken. “Wir haben es vom ersten Moment an gespürt”, erinnert sich Iyer. “Wir waren baff und schwiegen uns erst einmal an, bevor einer sagte: ‘Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist. Aber wir sollten das wiederholen.’” Für diesem ersten Auftritt hatten sie keinerlei Material vorbereitet gehabt; die starke Chemie, die sich gleich einstellte, überraschte sie selbst. Der gemeinsame Fokus auf das kollaborative Kreieren in Echtzeit hatte es ihnen ermöglicht, die Klänge von Bass, Klavier und Gesang zu einem atemberaubenden, einheitlichen Sound zu verweben. Es war Musik, die aus dem Moment heraus entstand. Worte konnten sie nicht definieren, aber das Publikum spürte sie und nahm an der emotionalen Reise teil. Diese Offenheit für spontanes, gemeinsames Musikmachen hat sich das Trio bis heute erhalten. Und es prägte auch das halbe Dutzend Konzerte, das sie vor der Aufnahme ihres Debütalbums gaben.
Das individuelle Renommee dieser drei Musiker, die sich hier zusammengefunden haben, ist beachtlich. Arooj Aftab - die 1985 als Tochter pakistanischer Auswanderer im saudi-arabischen Riad zur Welt kam und in Lahore/Pakistan aufwuchs – verzauberte mit ihrem jüngsten Soloalbum “Vulture Prince” die gesamte Musikwelt und wurde dafür vergangenes Jahr als erste pakistanische Künstlerin mit einem Grammy ausgezeichnet. Der mehrfach preisgekrönte Vijay Iyer, als Sohn indischer Tamilen in Albany/New York geboren, ist einer der einflussreichsten Pianisten der Gegenwart und einer der aktuellen Stars des Label ECM Records. Der ebenfalls pakistanischstämmige Shahzad Ismaily schließlich hat als einfühlsamer Sessionmusiker mit unzähligen Größen wie Lou Reed, Tom Waits, Laurie Anderson und John Zorn im Studio und auf der Bühne zusammengearbeitet. Gemeinsam haben die drei auf “Love In Exile” nun wirklich einzigartige Musik geschaffen, die sich jeder Kategorisierung entzieht.
In Deutschland ist das Trio am 13. Mai auf dem XJAZZ! Festival in Berlin und am 25. Mai in der Elbphilharmonie in Hamburg live zu hören.
 
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