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Shabaka Hutchings, Shabaka & The Ancestors
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Shabaka & The Ancestors

Artikel

12.03.2020

Brückenschlag zwischen Afrika und der Karibik - neues Shabaka-Album erschienen

Mit "We Are Sent Here By History" wollen Shabaka And The Ancestors die Griot-Tradition in einem transatlantischen, modernen Kontext weiterführen.

Shabaka Hutchings, Brückenschlag zwischen Afrika und der Karibik - neues Shabaka-Album erschienen Tjaša Gnezda Shabaka And The Ancestors

Seit Shabaka Hutchings 2018 seinen Plattenvertrag mit dem legendären Coltrane-Label Impulse! Records abschloss, scheint der Londoner Saxophonist und Komponist vor kreativer Energie schier zu explodieren. Mit seiner gefeierten Band Sons Of Kemet brachte er noch im selben Jahr das Aufsehen erregende Album "Your Queen Is A Reptile" heraus, um dann 2019 auf "Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery" und "The Afterlife " gleich zweimal mit dem Trio The Comet Is Coming in space-jazzige Gefilde vorzudringen. Nun legt er mit "We Are Sent Here By History" das zweite Album mit der Formation Shabaka And The Ancestors vor.

Das achtköpfige Ensemble bildete er 2016 mit südafrikanischen Jazzmusikern. Zur aktuellen Besetzung gehört neben dem Poeten und Vokalisten Siyabonga Mthembu auch Pianist Nduduzo Makhathini, der kürzlich als erster südafrikanischer Künstler von Blue Note unter Vertrag genommen wurde. Shabaka And The Ancestors schlagen auf "We Are Sent Here By History" eine kunstvolle Brücke zwischen spirituellem Jazz, westafrikanischer Griot-Kultur, südafrikanischen Party-Klängen und afrokaribischem Calypso.

Das Album wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg in Kapstadt und Johannesburg aufgenommen und setzt sich mit der Funktion des Griots in der westafrikanischen Kultur auseinander. Griots sind die Bewahrer der Geschichte, oralen Literatur und Musik ihrer Völker und so etwas wie lebende Archive der lokalen Geschichte. Eine Art Pendant der Griots sind in der afro-karibischen Kultur die Calypsonians, die gesellschaftsbewusste Texte mit fröhlichen Partyliedern verweben und auf diese Weise ein größeres Publikum mit ihren Botschaften erreichen.

"Dieses Album", schreibt Shabaka Hutchings im Manifest der Band, "ist ein Versuch, diese Griot-Tradition in einem transatlantischen, modernen Kontext weiterzuführen." Es ist zugleich aber auch ein episches Klangpoem, das sich über das gesamte Album erstreckt und mit der Gegenwart und Zukunft auseinandersetzt: "Jedes Lied soll in Verbindung mit dem zu ihm gehörenden Gedicht gehört werden. Denn nur so kann der Hörer die genaue Bedeutung des ganzen Werkes erfassen."

Siyabonga Mthembu ließ sich beim Schreiben seiner Texte von der Stimmung der Instrumentalstücke und den Gefühlen, die sie in ihm auslösten, leiten. Shabaka entwarf ein Narrativ und schrieb Gedichte, die auf Zeilen aus Mthembus Texten basierten. Die Gedichte sollen den Hörern den Zugang dazu öffnen, ihre eigene Erzählung zu entwickeln oder eingehender über die Themen nachzudenken, die ihnen das Album präsentiert. "Im Idealfall macht jeder eine andere Erfahrung, je nachdem, wie er auf die Gedichte reagiert", sagt Shabaka. "In Zeiten wie diesen, in denen wir den Zusammenbruch vieler Institutionen erleben, von denen wir dachten, dass sie noch sehr lange Bestand haben würden, müssen wir anfangen zu überdenken, was es bedeutet, zu leben, was es bedeutet, zu helfen, welche Bedeutung das Konzept des Fortschritts hat."