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Acoustic Sounds Vinyl Serie: Charles Mingus’ musikalisches Selbstbildnis

Mit der sechsteiligen Suite “The Black Saint And The Sinner Lady” schuf der geniale Bassist und Komponist Charles Mingus 1963 eines der besten und originellsten Jazzwerke aller Zeiten.
JazzEcho-Plattenteller: Charles Mingus "The Black Saint And The Sinner Lady" (Verve Acoustic Sounds Series)
JazzEcho-Plattenteller: Charles Mingus "The Black Saint And The Sinner Lady" (Verve Acoustic Sounds Series)
18.11.2021
Diese LP und weitere Folgen aus der Acoustic Sounds-Serie finden Sie in unserem JazzEcho-Store.  
Für die Reihe “Acoustic Sounds Vinyl” ist das Beste gerade gut genug. Präsentiert werden in dieser Serie ausschließlich Bestseller aus den Katalogen von Verve Impulse! und anderen klassischen Jazzlabels, die über viele Jahrzehnte hinweg nichts von ihrer ursprünglichen Faszinationskraft eingebüßt haben. Dass hier nicht nur musikalisch das Beste geboten wird, garantiert Verve Records dabei durch die enge Zusammenarbeit mit dem renommierten Team von Acoustic Sounds. Unter der Supervision von Firmengründer Chad Kassem mastern dort erfahrene Toningenieure die Aufnahmen von den originalen Analog-Tonbändern neu, bevor sie bei Quality Record Pressings auf 180-Gramm-Vinyl gepresst werden. Die fertigen Scheiben werden dann in von Stoughton Printing Co. produzierte hochwertige Klapphüllen mit sogenannten Tip-On-Jackets gesteckt, die dem Album ein besonders edles Aussehen verleihen.
Charles Mingus – The Black Saint And The Sinner Lady
“Genie und Wahnsinn liegen oft nah beieinander”, heißt es im Volksmund. Und es gibt nur wenige Musiker, die die dunklen Seiten der Kreativität so verkörpert haben wie der Bassist, Pianist, Komponist und Bandleader Charles Mingus. Wegen seines aufbrausenden Temperaments wurde Mingus der “zornige Mann des Jazz” genannt, er litt öfter unter Schüben klinischer Depression (etwa nach dem Tod seines Freundes und Kollegen Eric Dolphy), explodierte dann aber auch immer wieder vor schier unbändiger Kreativität. Eine solche kreative Hochphase erreichte Mingus 1963, als ihn der Produzent Bob Thiele zu Impulse! Records holte. Gleich das erste Album, das er für das Label aufnahm, erwies sich als purer Geniestreich und gilt noch heute als eines der besten und originellsten Jazzalben aller Zeiten. “‘The Black Saint And The Sinner Lady’”, notierte Ashley Kahn in seinem Buch “Impulse! Das Label, das Coltrane erschuf”, “war ein kunstvoll arrangiertes Selbstporträt,  das die unterschiedlichen Facetten einer komplexen, glühenden Seele im formalen Rahmen einer Suite präsentierte. Das Album war für eine elfköpfige Band angelegt und zeugte von Mingus’ Wertschätzung der Klangfarben und Texturen Ellingtons…”
Eingespielt wurde dieses Meisterwerk bei einer einzigen Session am 20. Januar 1963, bei der gleich auch noch ein paar Aufnahmen für Mingus’ zweites Impulse!-Album “Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus” entstanden. Die britische Zeitschrift Q beschrieb die Musik des Albums als “eine Mischung aus eindringlicher Bluesigkeit, tänzerischer Lebhaftigkeit und Momenten andalusischer Hitze....”, Charles Mingus selbst bezeichnete sie als “ethnische Volkstanzmusik”. Zur Seite stand dem Komponisten und Bassisten ein sehr agiles Ensemble, aus dem vor allem Altsaxophonist Charlie Mariano, Jay Berliner an der klassischen Gitarre (!), Pianist Jaki Byard und Schlagzeuger Danny Richmond hervorstachen. Für die Arrangements zeichnete Bob Hammer verantwortlich, den Mingus damals als seinen “Beethoven” pries.
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