Termine
Ella Fitzgerald, Jazz Classics - Ella Fitzgerald im Berliner Sportpalast (1962) The Lost Berlin Tapes

11.12.2020 22:30 RADIO HR 2 Kultur
Jazz Classics - Ella Fitzgerald im Berliner Sportpalast (1962) "The Lost Berlin Tapes"



Facebook

Artikel

06.10.2020

Ella wieder in Berlin - aller guten Kultalben sind drei

Nachdem "Mack The Knife: Ella in Berlin" und "Ella Returns To Berlin" schon längst Kultstatus erlangt haben, erscheint jetzt auf "The Lost Berlin Tapes" eine bislang unbekannte Live-Aufnahme, die 1962 in Berlin mitgeschnitten wurde.

Ella Fitzgerald, Ella wieder in Berlin - aller guten Kultalben sind drei Ella Fitzgerald - The Lost Berlin Tapes

Die Berliner Luft schien Ella Fitzgerald in den frühen 1960er Jahren auf ganz besondere Weise beflügelt zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, das sie dort in dieser Zeit einige ihre denkwürdigsten Live-Aufnahmen einsang. Erst gab sie am 13. Februar 1960 in der Deutschlandhalle das Konzert, aus dem der Klassiker "Mack The Knife: Ella In Berlin" hervorging, dann wurde fast auf den Tag genau ein Jahr später ein weiterer Auftritt mitgeschnitten, der allerdings erst 1991 unter dem Titel "Ella Returns To Berlin" veröffentlicht wurde. Und nun tauchen plötzlich auch noch Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1962 auf, die fast ein halbes Jahrhundert lang im Privatarchiv von Norman Granz auf ihre Entdeckung warteten. Jetzt erblicken sie als "The Lost Berlin Tapes" endlich das Licht der Öffentlichkeit. Und sie sind schlichtweg atemberaubend.

Der ungemein fesselnde Auftritt, der auf "The Lost Berlin Tapes" dokumentiert ist, fand am Abend des 25. März 1962 im Berliner Sportpalast statt. Begleitet von Pianist Paul Smith und Bassist Wilfred Middlebrooks (beide waren schon bei Ellas erstem Berlin-Abenteuer, letzterer auch beim zweiten dabei gewesen) sowie Schlagzeuger Stan Levey präsentierte sich Ella in absoluter Höchstform. Auf dem Programm standen neben einer Reihe von Hits auch weniger bekannte Song-Juwelen. Norman Granz, ihr langjähriger Manager und der Gründer von Verve Records, nahm die Konzerte seines berühmten Schützlings regelmäßig auf. Entweder um sie auf seinem Label zu veröffentlichen, sie für Radiosendungen zur Verfügung zu stellen oder, wie in diesem Fall, einfach nur, um sie seiner Privatkollektion mit Ella-Aufnahmen einzuverleiben.

Gut zwei Jahre zuvor, am 13. Februar 1960, hatte die First Lady of Song in der Berliner Deutschlandhalle einen zur Legende gewordenen Auftritt hingelegt. Der Mitschnitt dieses Konzerts, noch im selben Jahr unter dem Titel "Mack The Knife: Ella In Berlin" veröffentlicht, sollte schnell zu einer ihrer bestverkauften Platten avancieren. Das Album brachte Ella nicht nur zwei Grammy Awards ein, sondern wurde 1999 auch in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

 

Bei dem 1960er Auftritt hatte Fitzgerald bekanntlich den Text von "Mack The Knife" verduselt, sich mit ihrem phänomenalen Improvisationstalent dann aber glänzend aus der Affäre gezogen. Bei der nun entdeckten Konzertaufnahme - die während der umfangreichsten Europatournee ihrer Karriere entstand - leistete sie sich bei den Lyrics nicht den geringsten Ausrutscher. Dafür hatte sie nun aber den Namen der Stadt vergessen, in der sie an diesem Abend auf der Bühne stand. "Meine Damen und Herren, es ist mir so peinlich", kann man sie in der Aufnahme mit all ihrem Charme sagen hören. " Hier habe ich zum ersten Mal 'Mack The Knife' gesungen. Aber als ich in diesen Teil der Stadt kam, fiel mir ihr Name nicht ein." Der Begeisterung des Publikums tat dies indes keinen Abbruch.

 

Ellas einzigartiges Charisma und ihre mitreißende Energie, die schon "Mack The Knife: Ella In Berlin" und "Ella Returns To Berlin" ausgezeichnet hatten, sind auch auf "The Lost Berlin Tapes" vom ersten bis zum letzten Ton spürbar. Ihre erstaunliche Vielseitigkeit beweist Ella hier nicht zuletzt dadurch, dass sie in ihrem Repertoire nur noch drei Songs von ihren beiden vorausgegangenen Berlin-Auftritten hat: "Mack The Knife", "Cheek To Cheek" und "Summertime". Dafür präsentiert sie seltener zu hörende Nummern wie "He’s My Kind Of Boy" und "Jersey Bounce" sowie den Ray-Charles-Hit "Hallelujah, I Love Him So".