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Various Artists, Jazz Special - Vom Jive Talk zum HipHop

10.07.2020 22:05 RADIO NDR Info
Jazz Special - Vom Jive Talk zum HipHop



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In den Medien am : 22:05 NDR Info, Jazz Special - Vom Jive Talk zum HipHop

Various Artists, Jazz Special - Vom Jive Talk zum HipHop

Gegenwärtig verschmelzen Jazz und HipHop immer mehr zu einem gemeinsamen Idiom. So folgerichtig diese Entwicklung gerade vor dem aktuellen sozialen und politischen Hintergrund im Mutterland von Jazz und Rap sein mag, so wenig neu ist sie doch. Als Miles Davis dem Jazz in seiner Autobiografie eine Zukunft im HipHop prophezeite, konnte er bereits auf eine lange gemeinsame Geschichte beider Kulturen zurückschauen. Gerappt – das belegen historische Berichte – wurde im Jazz schon gegen 1900. Auch das im HipHop so beliebte Dissen war damals schon so populär, dass das Vokabular der so genannten Dirty Dozens sich bis in die heutige Zeit gerettet hat. Jelly Roll Morton lieferte 1938 mit seinem viele Jahre unter Verschluss gehaltenen Song „The Dirty Dozen“ ein lebhaftes Beispiel dafür. Der Jazz-Entertainer Cab Calloway kanonisierte mit seinem „Hepster’s Dictionary“ den Slang der schwarzen Musiker, und der populäre Radio-DJ Dr. Hepcat unterlegte seine Jive Talks nicht nur ab 1948 mit einem griffigen Boogie Piano, sondern schuf mit seinem Wörterbuch „The Jives of Dr. Hepcat“ auch ein bis heute stilprägendes Glossar des rhythmischen Sprechgesangs. Mit dem Civil Rights Movement nahm die Verbindung von rhythmisiertem Wort und improvisiertem Jazz Fahrt auf. „Driva Man“ von Max Roach und Abby Lincoln von ihrem Album „We Insist! The Freedom Now Suite“ (1959) ist bereits eine Art Proto-HipHop. Im selben Jahr nahm der Radiomoderator und Jazzsänger Oscar Brown Jr. auf dem Album „Sin & Soul“ den ersten freistehenden Rap auf. Durch die gesellschaftliche Zuspitzung der späten 1960er Jahre gewann die musikalische Spoken Word Performance noch mehr an Bedeutung. Gil Scott Heron, Jayne Cortez oder die Last Poets sind nur einige von vielen Beispielen einer Musik, die allen Kriterien von HipHop gerecht wurde, ohne diese Bezeichnung zu tragen. Zur selben Zeit experimentierte auch Jimi Hendrix gemeinsam mit Lighting Rod von den Last Poets an einer Zündstufe zum HipHop. In den 1970er Jahren bewegten sich nicht nur Herbie Hancock und Weather Report auf eine instrumentale HipHop-Variante zu, sondern der damals populäre Keyboarder Weldon Irvine nahm die endgültige Initialzündung des HipHop bereits ein Jahr vor der Sugarhill Gang auf seinem Album „The Sisters“ vorweg. Auch im frühen HipHop der 1980er Jahre lassen sich zahllose Beispiele für eine Fusion finden, die kurze Zeit darauf durch A Tribe Called Quest oder Gang Starr als Jazz Rap zum Markenartikel wurde. Miles Davis’ posthumes HipHop-Album „Doo Bop“ von 1992 (von dem der Meister selbst vermutlich nichts gewusst hat) war jedenfalls nicht der Beginn einer neuen musikalischen Epoche, sondern bestenfalls eine Zäsur.