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10.11.2017

Dizzy Gillespie - 100 Jahre dicke Backen

Zum 100. Geburtstag des Trompeters Dizzy Gillespie versammelt das eAlbum "Dizzy 100" einhundert Tracks eines der innovativsten und zugleich unterhaltsamsten Musiker des Jazz.

1937 ging der Altsaxophonist Benny Carter mit dem Orchester des Bandleaders Teddy Hill für eine Aufnahmesession ins Studio. Mit von der Partie war auch ein junger Trompeter namens John Birks Gillespie, der auf Carter (der selber auch Trompete spielte) sofort einen ungeheuren Eindruck machte. Denn der erst 19-jährige konnte seine sehr viel erfahreneren Mitmusiker nicht nur schwindelig spielen, sondern offenbarte dabei zudem noch eine für sein Alter wirklich außergewöhnliche musikalische Reife. "Der Erfinder der Trompete wusste, dass es Dinge gibt, die man auf diesem Instrument nicht spielen kann", sollte Benny Carter später sagen. "Aber er vergaß, Dizzy darüber zu informieren. Denn der legte einfach los und spielte sie." Zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie am 21. Oktober 2017 ist nun das eAlbum "Dizzy 100" erschienen, es enthält 100 Aufnahmen, anhand derer man sich ein recht umfassendes Bild von der Virtuosität, dem musikalischen Ideenreichtum und einzigartigen Spielwitz des 1993 gestorbenen Trompeters, Bandleaders und Komponisten machen kann.

Seine Laufbahn begann Gillespie in den Orchestern von Teddy Hill, Lucky Millinder, Duke Ellington, Cab Calloway und Earl Hines. Das Lehrgeld, das er in den Trompeten-Sektionen dieser Orchester gezahlt hatte, half ihm später auch bei der Gründung seiner ersten eigenen Bigband, die zugleich packend und innovativ war. Ab 1941 gehörte Dizzy mit Charlie Parker, Thelonious Monk, Bud Powell, Oscar Pettiford und Kenny Clarke zum engsten Zirkel der Musiker, die den neuen virtuosen Bebop-Stil kreierten, den er später auch als erster für seine Bigband aufbereitete. Früh arbeitete er außerdem mit kubanischen Musikern wie Chano Pozo, Mario Bauzá und Mongo Santamaria zusammen, wobei eine Variante entstand, der man das Etikett Cubop verpasste.

Im Auftrag des US-Außenministerium unternahm Dizzy mit seiner Bigband 1956 eine Goodwill-Tournee durch verschiedene Kontinente und wurde so zum ersten Jazzmusiker, der die USA als kultureller Botschafter repräsentieren durfte. Was Dizzy, der 1964 für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidieren sollte, dann den inoffiziellen Titel "The Ambassador of Jazz" einbrachte. Als Komponist schuf der Trompeter, der bis zu seinem Tod unermüdlich aktiv war, solch zeitlose Klassiker und Ohrwümer wie "Manteca", "Tin Tin Deo", "A Night In Tunisia", "Salt Peanuts", "Groovin' High" und "Woody 'n' You", mit denen er den Jazz harmonisch und rhythmisch erneuerte. Und die man natürlich auch alle auf "Dizzy 100" wiederfindet.

"Sein Spiel zeigt wie wichtig Intelligenz ist", meinte Wynton Marsalis 2008 über Dizzy Gillespie. "Seine rhythmische Raffinesse war unerreicht. Er war ein Meister der Harmonie - und fasziniert davon, sie zu studieren. Er saugte die ganze Musik seiner Jugend auf - von Roy Eldridge bis Duke Ellington - und entwickelte einen einzigartigen Stil, der auf komplexen Rhythmen und Harmonien basierte, zu denen sein Witz ein Gegengewicht schuf. Dizzy war so schlagfertig, dass er in ungewöhnlich rasanten Tempi einen endlosen Fluss von Ideen generieren konnte. Niemand hatte jemals daran gedacht, auf diese Weise Trompete zu spielen, geschweige denn es tatsächlich versucht. Aber alle Musiker respektierten ihn, nicht nur weil er sie an die Wand spielen konnte, sondern auch weil er so viel wusste und mit diesem Wissen großzügig umging."

Die digital remasterte Compilation "Dizzy 100" gibt es als Download u.a. bei iTunes, Amazon Digital und Google Play sowie als Stream bei allen Streaming-Diensten.