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29.08.2018

Tord Gustavsen Trio - eine Art paradoxe Virtuosität

Mit "The Other Side" kehrt der norwegische Pianist Tord Gustavsen nach elf Jahren wieder zum Trio-Format zurück, mit dem er seine ersten großen Erfolge feierte.

Tord Gustavsen, Tord Gustavsen Trio - eine Art paradoxe Virtuosität Hans Frederik Asbjørnsen / ECM Records Jarle Vespestad, Tord Gustavsen, Sigurd Hole

Pianist Tord Gustavsen begann seine ECM-Laufbahn mit drei Trio-Alben, die zwischen 2003 und 2007 veröffentlicht wurden und beim Publikum genauso gut ankamen wie bei der Kritik. Die JazzTimes meinte, diese Trilogie besäße die Kraft "destillierter Magie", während der Guardian schrieb: "Gustavsens Melodien sind hypnotisierend stark, und Bass und Schlagzeug sind in seinem regulären Trio total integriert." In den vier Aufnahmen, die danach für ECM folgten, lotete Gustavsen sowohl das Quartettformat aus als auch die Arbeit mit einem erweiterten Ensemble sowie dem alternativen Trio mit Simin Tander und Jarle Vespestad. Auf "The Other Side" kehrt der norwegische Pianist nun wieder zum klassischen Piano-Trio zurück.

Mit von der Partie ist einmal mehr der treue Schlagzeuger Jarle Vespestad, der Gustavsen schon seit rund zwanzig Jahren wie ein Schatten folgt. Die Position des Bassisten übernahm Sigurd Hole, der bereits 2014 Mats Eilertsen im Tord Gustavsen Quartet ersetzt hatte. Holes eklektischer Ansatz - der sowohl Einflüsse von Folk als auch modernem Jazz aufweist - passt perfekt zu Gustavsens sich ruhig entwickelnden, zutiefst melodischen Stücken.

Auf "The Other Side" bringt Gustavsen seine in der Jugend erworbene Liebe zur Kirchenmusik zum Ausdruck, aber auch seine erst in jüngerer Zeit entdeckte Leidenschaft für alte norwegische Volksweisen. Das Stimmungsspektrum dieser Mischung aus Eigenkompositionen und Arrangements von Chorälen reicht von ernster Schönheit bis hin zu fließender Dynamik. Durchweg geprägt ist diese Musik aber von dem scheinbar telepathischen Verständnis des Trios. 

Nicht nur sind seit der Veröffentlichung von Gustavsens letztem Trio-Album elf Jahre verstrichen, auch der tragisch frühe Tod von Harald Johnsen, dem ursprünglichen Bassisten des Trios, liegt nun schon sieben Jahre zurück. "Ich wollte das Trio nicht einfach mit einem anderen Bassisten fortsetzen", erklärt Gustavsen. "Das Quartett, das ich mit Jarle, Saxophonist Tore Brunborg und Bassist Mats Eilertsen hatte, schien mir auch so stark, dass es seine eigenen Aufnahme- und Tourneezyklen erforderte. Danach entwickelte ich das Projekt mit Simin Tander und Jarle Vespestad für das Album „What was said". Daraus entstand eine eigenständige Band mit speziellem Repertoire und einer starken Identität. In diesem Projekt arbeitete ich zum ersten Mal mit elektronischen Instrumenten und erweiterte den akustischen Klang des Klaviers durch Bass Synthesizer und Drones. Das Zusammenspiel mit Simin und Jarle wird sich weiterentwickeln und wir werden auch in Zukunft gemeinsam spielen. Dennoch schien es mir an der Zeit, eine neues Kapitel mit dem Klavier-Trio aufzuschlagen und ein Album aufzunehmen, auf dem das Klavier die Hauptstimme übernimmt.

Diese neue Version des Trios scheint auf einer Linie mit der ursprünglichen Gruppe zu liegen, auch wenn sie auf einer anderen Wellenlänge existiert - das sollte sie aber auch, da sie irgendwie auf alles zurückgreift, was zwischen diesen ersten Platten und jetzt passiert ist. Und das Trio steht für Tords Leidenschaft für die paradoxe Verbindung von Klarheit und Freiheit.

Der Titel "The Other Side" spiegelt eine Vielzahl von Ideen wider, ist aber auch eine Anspielung darauf, dass das Trio eine andere Seite von Gustavsens musikalischem Schaffen darstellt als das Quartett oder die Gesangsexperimente jüngerer Zeit, von seinen diversen Nebenprojekten mit Chören, Fiddle-Spielern und sogar iranischen Musikern ganz zu schweigen.

"Dann steckt in dem Titel auch noch die Idee von der anderen Seite der Virtuosität des Trios, eine Art paradoxe Virtuosität, bei der man nicht alle Töne spielt, die man spielen kann, sondern nur die Töne, die wirklich gebraucht werden", sagt er. "Es geht darum, sein Ego dem Fluss der Musik unterzuordnen - und das erfordert eine Art 'radikales Zuhören' -, mehr zuhören als spielen. Das ist eine Leidenschaft, die wir drei teilen."

 Für das Album arrangierte Tord Gustavsen drei Choräle von Johann Sebastian Bach sowie einen von dem dänischen Komponisten, Organisten und Volksliedsammler Ludvig Mathias Lindeman (1812-1887). Bachs "Schlafes Bruder" verpasste Vespestad einen tiefen Groove, während Lindemans "Kirken, den er et gammelt hus" abwechselnd nachdenklich und rhapsodisch wirkt und mit einer elektronisch unterlegten Bass-Intro aufwartet. "Wir interpretieren die Kirchenmusik, mit der ich aufgewachsen bin, auf abstrakte Art", erklärt der Pianist. 

Das groovende "Re-Melt" und den eindringlichen "Leftover Lullaby No. 4" komponierte Gustavsen als divergierende Antworten auf die Choralarrangements. Das Gospel-gefärbte Stück "Tunnel" und das melodische Highlight "Taste And See" schrieb er ursprünglich für ein Literaturfestival in den Bergen im Nordwesten Norwegens, wo die Stücke in Verbindung mit Lesungen gespielt wurden; mit dem Trio hat er sie inzwischen weiterentwickelt. Der bluesig-hymnische Titelstück und das hinreißende "Curves" sind Originale, die Gustavsen auf Tourneen mit dem Quartett während der Soundchecks komponierte. Inspiration lieferten ihm dabei die musikalischen Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder auf seine Ideen. Auf dieselbe Weise entstand im Grunde auch das ruhig-atmosphärische "Duality", das im Studio dann aber als weitgehend freie Improvisation aufgenommen wurde.