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Biografie von TaxiWars

Man kann es fühlen. Das klebrige Kunstleder der Rückbank. Man kann sie riechen. Die Dunstwolke aus Alkohol, vermischt mit dem Eau de Cologne des Fahrers. Und man kann sie fast schon schmecken: die Angst, übers Ohr gehauen zu werden, die Furcht, mit dem rasenden Taxi in die Leitplanken zu schliddern, das Versprechen, dass hinter der nächsten Kurve Spannung lauert. Taxifahrten können einem all dies bieten.

 

Tom Barman liebt sie: “Es ist wie Indoor-Reisen”, sagt er. “Es ist kosmopolitisch. Es ist der Rausch, nicht genau zu wissen, wo man landet. Es ist ein Teil der Kunst fern von Zuhause zu leben.” Das klingt ,wie eine fast schon perfekte Definition von Jazz.

 

Und TaxiWars ist Jazz. Aber man sollte jetzt nicht erwarten, dass der Rocksänger Tom Barman sich hier als Crooner versucht. Das verhindert allein schon das von dem Saxophonisten Robin Verheyen geleitete Jazztrio. Es handelt sich um ein Jazzensemble, das die Geschichte dieser Musik in- und auswendig kennt und eine spezielle Vorliebe für den treibenden Jazz pflegt, der in den frühen 1960er Jahren auf dem Impulse!-Label erschien.  Die Musik von Pharoah Sanders, Archie Shepp und Charles Mingus - schwungvolle, impulsive Musik, gespielt mit dem Verlangen, aus den Schranken des Genres auszubrechen. 

 

Barman ist mit Mingus gut vertraut - ein Sample von “Far Wells, Mill Valley”, einer Komposition des Bassisten, prägte den dEUS-Klassiker “Theme From Turnpike”. Und wie Mingus selbst klingt TaxiWars in einem Moment warm und einnehmend - wie etwa in dem hypnotisierenden Track “Pearlescent” -, doch im nächsten schon angriffslustig und  bedrohlich. Man höre sich nur “Let’s Get Killed” (“Bangkok war wie Selbstmord!”) an und versuche, sich von Barmans effekttriefendem Gesang nicht beunruhigen zu lassen. “Zuhause höre ich fast ausschließlich Jazz und versuche den altbewährten Popstrukturen zu entkommen”, meint Barman, “bei TaxiWars gibt es keine Refrains. Und diese Plattenhüllen passen gut zu meinem Impulse!-orangefarbenen Mobiliar.”

 

TaxiWars legen hohe Energie und Einfühlungsvermögen an den Tag, Stolz und Ambition, sowie eine Punkiness, die die Band von der plüschigen Jazzszene abhebt. All dies verdankt sie den ausdrucksstarken Melodielinien des belgischen Saxophonisten Robin Verheyen und Tom Barmans eindringlichen Texten. “Die Idee zu dieser Band hatten wir vor vier Jahren, als ich Robin kennenlernte”, sagt Barman. “Ich wusste, dass er meine Erwartungen erfüllen würde. Wir hatten bei Magnus [einem Gemeinschaftprojekt von Barman und dem belgischen Electronic-Music-Produzenten CJ Bolland] zusammengearbeitet. Ich wollte, dass TaxiWars scharf, pointiert, punky und trashy klingt. Lange Soli waren absolut tabu.” 

 

Der Sänger gab dem in New York lebenden Saxophonisten ein paar Anhaltspunkte: “Stell dir Art Blakey, Morphine, Max Roach und Prince vor!” Und es dauerte nicht lange, da hatte Verheyen über ein Dutzend Kompositionen geschrieben. “Ich fragte den Bassist Nicolas Thys und Drummer Antoine Pierre, ob sie mitmachen wollten”, erzählt Verheyen. “Nicolas ist einer der besten Bassisten Belgiens; er fühlt sich im Jazz genauso wohl wie im Rock , und hat viele Jahre in New York gelebt. Tom bestand auf einen sehr jungen Schlagzeuger, um der Band den Pep und die frische Perspektive zu geben, die uns vorschwebten. Antoine hat genau das getan. Bei der ersten Probe hatten wir innerhalb von nur fünf Minuten eine Art Aha-Erlebnis: das war nicht ‘dEUS goes retro’. Das war etwas ganz, ganz Anderes.”

 

Sänger Tom Barman ist seit 1989 Kopf der Indie-Band dEUS, die seitdem über eine Millionen Alben verkauft hat. Er führte 2003 bei dem Film “Any Way The Wind Blows” Regie und stellte zwei gefeierte Jazz-Compilations zusammen: “That’s Blue! + Painters Talking” (Blue Note, 2006) und “Living On Impulse” (Impulse!, 2012). Saxophonist Robin Verheyen zog vor neun Jahren nach New York, wo er heute die Reputation genießt, eines der großen jungen Talente in der Welt des Jazz und der klassischen Musik zu sein. Er veröffentlichte zwei Alben mit dem Robin Verheyen NY Quartet und trat mit Künstlern wie  Marc Copland, Ravi Coltrane, Narcissus, Gary Peacock und Joey Baron auf. Bassist Nicolas Thys hatte sich schon in der belgischen und niederländischen Jazzszene einen Namen gemacht, bevor er 1999 nach New York ging. Er machte Tourneen und/oder Aufnahmen mit Legenden wie Lee Konitz, Mal Waldron, Toots Thielemans und Zap Mama. Schlagzeuger Antoine Pierre tourte mit dem bekannten belgischen Jazzgitarristen Philip Catherine und Trompeter Jean-Paul Estiévenart. Pierre zog 2014 nach New York, um ein Studium an der New York School of Jazz and Contemporary Music zu beginnen.

 

September 2015