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24.01.2019

Blood Siren - Debüt einer Unvergleichlichen

Über Sängerin Sarah McCoy konnte man schon lesen, sie klänge wie Bessie Smith. Jetzt ist ihr Debütalbum erschienen und macht vor allen Dingen klar: diese Künstlerin ist unvergleichlich.

Sarah McCoy, Blood Siren - Debüt einer Unvergleichlichen God Save The Screen Sarah MocCoy

Die Fans, die die Konzerte von Sängerin, Pianistin und Songwriterin Sarah McCoy bevölkern, nennen die Songs ihrer Künstlerin "Film-Noir-Pop" oder "Unterwelt-Jazz". Vielsagende Begriffe, bei denen man gleich eine Idee hat, wie die Lieder der Amerikanerin wohl klingen, in denen es um Liebe und Tod geht, um Schönheit und Schrecken, und die die Sängerin mit einer Gänsehaut-Stimme ohnegleichen präsentiert.

 

Man könnte aber auch behaupten, mit ihrem gerade erschienenen Debütalbum liefert die Sängerin den Soundtrack zum kalten, gefühlt noch ewig andauernden Winter. Ihre mal dunkel hauchende, mal voluminös strahlende Stimme lässt frösteln, macht Gänsehaut. Düster und schön zugleich. Ihre autobiografischen Texte erinnern an die Prosa von Jack Kerouac und Allen Ginsberg, ihr gothic-romantisches Piano schwelgt in dunkelblauer Mitternachtsatmosphäre. Coole elektronische Klänge und viel Raum zwischen den Noten schaffen eine klirrende, wehmütige Stimmung.

 

Auch Pianist, Produzent und Multitalent Chilly Gonzales gehört zu den Fans der Sängerin. Jetzt ließ er es sich nicht nehmen, ihr Debütalbum für Blue Note Records zu produzieren. Entdeckt hat er sie auf der Bühne eines eleganten Pariser Clubs und war sofort begeistert von ihrer exzentrischen Show und den gleichzeitig finsteren wie herzzerreißend schönen Songs. Noch am selben Abend lud er sie zu Testaufnahmen mit Co-Produzent Renaud Letang (Feist, Manu Chao, Charlotte Gainsbourg, Mocky, Jamie Lidell) ein. Die fielen großartig aus und kulminierten jetzt in einem Album, das einen vom ersten Song an mit seiner Atmosphäre gefangen hält. Es ist das musikalische Statement einer unerschrockenen Einzelgängerin, Grenzüberschreiterin, Überlebenden. Musik-Connaisseure allerorts jubeln bereits: she's the real McCoy!

Schon vor einigen Jahren stieg die Mittdreißigerin mit der üppigen Kontra-Altstimme zum Fixstern in der Live-Musikszene von New Orleans empor. Die Presse meinte, sie klinge wie die uneheliche Tochter der Blues-Königin Bessie Smith aus einer Affäre mit dem Reibeisen-Barden Tom Waits. Davor war McCoy von ihrer Heimatstadt in South Carolina nach Kalifornien getrampt, pleite und ohne Lebensplan, im Gepäck nur eine Gitarre, im Kopf das ultimative Nomadenlied "Me & Bobby McGee". Sie übernachtete abwechselnd auf den Sofas von Bekannten und in verlassenen Gebäuden, spielte Klavier in einer Bar. Als Gage gab es Quesadillas. Sie schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, wohnte in einem Lieferwagen. 2013 entdeckte sie der französische Filmemacher Bruno Moynie, drehte eine enthusiastische Filmdokumentation über sie und überredete sie schließlich zu einer Konzertreise quer durch Frankreich. 2017 trat sie dann im Vorprogramm von Chilly Gonzales auf und das Schicksal nahm seinen Lauf.

 

Mit Gonzales ist ihr sicherlich der passendste Produzent für ihre musikalischen Visionen über den Weg gelaufen. Seine Karriere vom Bösewicht-Rapper zum Neo-Chopin und Liebling der Pariser Chanson-Szene birgt womöglich so manche menschliche Schnittstelle mit der von Sarah McCoy. Wer außer ihm hätte sich überhaupt getraut, sie anzusprechen? Wer hätte sich so empathisch in McCoys achterbahnartigen Werdegang zwischen frühem klassischen Piano-Unterricht und ungefiltertem Beatnik-Wahnsinn einfühlen können, um genau dieses haltlose Feeling ihrer Songs für die Ewigkeit festzuhalten? Welcher Andere hätte sie mit einem Spielzeug-Klavier aufgenommen, dessen Klang voller kindlicher Verzweiflung ist? Den Rest übernehmen Renaud Letangs minutiöse elektronische Zwischentöne. Dass McCoys Debütalbum beim renommierten Blue-Note-Label erscheint, ist vielleicht überraschend, aber mehr als verdient. 

 

Heute muss Sarah McCoy nicht mehr für Quesadillas in Bars spielen. "Ich habe sehr lange meine eigene Stimme nur von innen gehört", sagte sie dem US-Musikmagazin Offbeat. "Wenn ich singe, vibriert mein ganzer Körper, ich schließe die Augen und sehe Farben, lasse Landschaften entstehen. Für mich sind sie ganz real. Es gibt eine Menge talentierter Leute, die ihr Talent für sich behalten. Beinahe wäre auch ich eine von ihnen geworden." Sarah McCoys innere Stimme war stärker, zum Glück!

Tourdaten: 

27.03.19       Hamburg, Kampnagel

28.03.19       Berlin, The Liberate

29.03.19       Bremen, Women In (E)motion Festival

03.04.19       Bern, Bee-Flat

05.04.19       Cully, Festival De Jazz De Cully