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Über das Projekt

Re: ECM

Unser generelles Verständnis für Musik und die daraus resultierende, gemeinsame Arbeitsweise verkörpern genau das, was wir jetzt mit dem Projekt Re: ECM gefestigt und intensiviert haben: die Verbindung zweier Musikwelten. Wir pendeln kontinuierlich zwischen akustischen und elektronischen Wirkungsräumen, um die Erfahrungen, die wir auf diesen Reisen sammeln, auf allen weiteren musikalischen Exkursionen wirkungsvoll umsetzen zu können. Seit vielen Jahren in den Bereichen der elektronischen Musik aktiv, vornehmlich im Clubkontext, sind wir bestrebt, unsere Ausdrucksformen immer mehr zu verfeinern.

FREQUENZ

Gerade moderne Jazzproduktionen, ihre Arrangements, die Verteilung und Zuordnung der Frequenzen und die Art und Weise der Abmischung sind für unser elektronisches Arbeiten eine Referenz. Wir versuchen, im Rahmen unserer Mittel, an diese Qualität anzuknüpfen. Hier wird das Niveau vorgelegt, welches wir als Elektronikmusiker erreichen möchten. Das ist sehr schwierig, denn elektronische Produktionen weisen naturbedingt ein limitiertes, abstrakt erzeugtes Frequenzspektrum auf. Wenn man sich hingegen das Spektrum einer Jazz-Aufnahme anschaut, besetzt jedes einzelne Instrument einen charakteristischen Frequenzbereich, und im permanenten Wechsel sowie in der Ergänzung aller Bereiche ist die spannungsreiche Wirkung der Musik begründet. Beim Eintauchen in ECM-Produktionen lernt man sehr viel über das perfekte Klangerlebnis. Und auch unsere oberste Maxime ist, klanglich keine Kompromisse einzugehen. Bei unseren eigenen Produktionen versuchen wir daher, mit jedem elektronischen Klangerzeuger einen bestimmten Frequenzbereich zu repräsentieren, sodass idealerweise das gesamte Spektrum von 20-20.000 Hz genutzt wird.

RAUM

Ein weitere Einschränkung: In der elektronischen Musik hat man nicht den Raumeindruck einer Mikrophonie zur Verfügung und ist daher oft auf Simulationen angewiesen. Einen klanglichen Gesamtreichtum müsste man mittels Hall- und anderer Raumeffekte künstlich erzeugen, was aber nicht hinreichend anspruchsvoll umsetzbar ist. Der kalkulierbare Raum, der von der Mathematik dieser Reduktion in der Elektronik offen gelassen wird, fordert geradezu heraus, mit Strukturen aufgefüllt zu werden, die es ermöglichen, Gefühlsebenen einzuziehen. Die formelhafte elektronische Musik holt sich also die Atmosphäre von akustischen Aufnahmen. Das Bemerkenswerte an der ECM-Musik ist, dass sie auf eine sehr inoffensive Art und Weise an den Hörer herangeht, um ihn auf ihre sehr speziellen Gefühlsebenen einzustimmen. Das ist ja das Charakteristische, das Faszinierende an den ECM-Produktionen: der grosse Respekt für den Klang, die organische Entfaltung der Sounds, die Freiheit der Kommunikation der Instrumente untereinander, die Tiefe des Raums - ein Spielraum, in dem wir uns frei bewegen können, um die reichhaltige Klangfülle voll auszuschöpfen. Manfred Eicher hat erkannt, dass unsere Herangehensweise an seine Musik äusserst respektvoll ist, und vor Allem, dass sie tatsächlich funktioniert, deswegen hat er uns ermutigt, das Projekt voranzutreiben, und uns alle Freiheiten bei der Auswahl der Stücke gelassen. Wir glauben, dass wir das Ätherische, diese Raum nutzende Musik mit wenig Kompression, dass wir diese typische ECM-Ästhetik mit unseren Bearbeitungen auf den Punkt gebracht haben. Das Raumkonzept wird auf Re: ECM in eine neue, elastische, atmende, ja fast surreale Zeitlosigkeit transformiert. Mittels der Vereinigung unseres elektronischen Systems mit den akustischen Aufnahmen der Originalproduktionen, in denen die ganze Information der Raumatmosphären enthalten ist, findet eine Komplettierung dessen statt, was die elektronische Musik auf ihre ganz spezifische Weise nicht hat. 2011 - eine Odyssee im Klangraum, in dem man sich zwischen Hochspannung und Entspannung auf die Reise begibt, ohne je einen Gedanken daran zu verschwenden, an einem Ziel anzukommen.

IMPROVISATION

Unser Set-up besteht aus einem Live-Mischpultsystem mit Modularsynthesizer. Da wir nicht auf Einzelspuren der Originalaufnahmen zurückgreifen konnten, haben wir die ECM-Produktionen nach dem Kriterium ausgesucht, dass Instrumente, Stimmen/ Chöre, Atmosphären alleine im Raum stehen. Auch Pausen, Lücken und den mikrophonischen Raumeindruck selbst nutzten wir als Ausgangsmaterial. Diese sparsam instrumentierten Parts haben wir zunächst zu Schleifen verarbeitet. Dann organisierten wir unsere Maschinen im Studio so, dass wir die vorgegebenen Loop-Elemente als Impuls und Initialzündung für alle elektronisch erzeugten Klänge nutzen konnten. Die klangliche Aufbereitung wurde also immer von den ursprünglichen Parts der Originalaufnahmen gesteuert. Das Interessante hierbei: Auf der Bühne oder im Studio nehmen Musiker aufeinander Bezug, während wir auf einer musikalischen Meta-Ebene wiederum einzelne Parts dieser instrumentalen Kommunikation zueinander in Beziehung setzen. Es gibt keine strengen Arrangements, Spontaneität war unsere oberste Prämisse, aus der Intuition speisten sich die Vorgänge im Studio. Das bedingt sich schon aus der Tatsache, dass wir praktisch keine Tracks in den Maschinen speichern können, also Mehrspuraufnahmen nicht möglich sind. Schaltet man das ganze Studio nach einem Arbeitstag ab und am nächsten Tag wieder ein, dann ist nichts mehr wie es vorher war. Daher haben wir die strikte Regel, alles aufzunehmen, was dort passiert. Das Arrangement des Equipments ist nahezu vergleichbar mit einer Bandsituation, da die einzelnen Komponenten des Systems aufeinander reagieren und schon mal in einen Improvisationsmodus einsteigen. Es kommt also vor, dass man die Maschinen so einstellt, dass sie mittels kommunizierender Algorithmen von selbst anfangen zu komponieren. Natürlich ist das kein reiner Zufall, wir müssen die Patches vorher stricken, aber wenn man das auf die richtige Art und Weise macht, kreiert das Instrument aus eigenem Antrieb neue, phänomenale Muster und Klanggeflechte.

SCHNITTMENGE

Auf Re: ECM findet ein mehrfacher Brückenschlag zwischen dem Wirkungsraum der Original-Interpreten und unserem Wirkungsraum statt. Die Relation von Entspannung zu Aufgewühltsein wird über die Regeln der Dynamik zweier Bezugssysteme permanent verschoben. Auf diese Weise taucht der Hörer immer wieder auf unterschiedliche Weise in den Flow unserer Produktion ein, was ihn – das wünschen wir uns - im Idealfall in ein sinnlich berauschendes Abenteuer mitreisst.

CLUB

Der Ursprung der Idee: Die Rhythmusformel repräsentiert die reine Energie und ist das, was die Menschen am schnellsten miteinander verbindet. Was aber im Clubkontext oft vermisst wird, ist eine emotionale Sensation, wie sie etwa den bewussten Hörer von Musik zu überwältigen vermag. Vom Verständnis her sind Melodien meist mit einer kulturellen Vorgeschichte belastet und daher prinzipiell etwas schwerer zugänglich als die rhythmisch treibende Kraft. Aber durch die Vermischung der Bezugssysteme wird die Grundhaltung zur Melodie verändert, sodass ein umfassenderes kulturelles Verständnis erzeugt wird. Es ist das, wofür wir als Musiker mit all unseren Fähigkeiten und unserer Überzeugung einstehen. Kombiniert man also auf der Tanzfläche den Funktionalismus reduzierter elektronischer Strukturen mit den lebendigen Texturen von ECM-Produktionen, werden auf einer unterschwelligen Ebene bei den Tänzern neue Leidenschaften entfacht. Es ist interessant, in diesen Momenten Menschen mit aufgeklappten Köpfen vor sich zu haben, die man mit neuen, überraschenden emotionalen Impulsen füllen kann - mit einer melodischen, kulturbehafteten Musik, die Clubgänger möglicherweise von sich aus nicht hören würden. Die Kombination aus beiden Welten schafft viele neue Adressen, bei denen diese Musik ankommen kann.

EINKLANG

Das Wichtigste ist, dass die beiden Welten in Einklang gebracht werden, ohne dass sie sich gegenseitig auszuschalten trachten, dass man beide - die organische und die elektronische - in der Waage hält. Darum wird es in der Zukunft gehen.


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