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08.01.2020

NKC 100 - die dunkle Seite des weißen Showgeschäfts

Im vierten Teil unserer Biografie zum Nat-King-Cole-Jubiläum geht es um die bitteren Erfahrungen des Sängers zu einer Zeit, die noch nicht reif für Künstler wie ihn war.

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Goldene Schallplatten und ausverkaufte Konzerte - Nat King Coles Karriere stand Ende der Vierzigerjahre im Zenit. Aber selbst seine immense Popularität und der damit einhergehende kommerzielle Erfolg schützten Cole nicht vor der alltäglichen Stigmatisierung, der damals in den USA alle Schwarzen ausgesetzt waren.

 

Nachdem er mit "Nature Boy" seinen bis dahin größten Hit gelandet hatte, erstand Cole 1948 ein Haus in der schicken und rein weißen Wohngegend von Hancock Park in Los Angeles, in der damals u.a. der Business-Tycoon Howard Hughes und Hollywood-Stars wie Katharine Hepburn und Mae West ihre Residenzen hatten. Als die zukünftigen Nachbarn davon Wind bekamen, versuchten einige seinen Einzug mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern. Die Eigentümergemeinschaft teilte Cole mit, dass sie nicht wollte, dass "unerwünschte Personen" in die Gegend ziehen. Der Sänger soll darauf ironisch erwidert haben: "Ich auch nicht. Und wenn ich irgendeine unerwünschte Person hier reinkommen sehe, werde ich der Erste sein, der sich beschwert."

 

Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Mitglieder des lokalen Ku Klux Klans errichteten vor dem Haus ein brennendes Kreuz. In den Rasen des Vorgartens wurde das Schimpfwort "Nigger" gebrannt. Und der Hund der Familie wurde mit vergifteten Fleischködern getötet, die jemand über den Zaun geworfen hatte. In dem bedrückenden Dokumentarfilm "Nat King Cole: Afraid Of The Dark" wurde dieses tiefdunkle Kapitel von Coles Lebensgeschichte 2014 erstmals näher beleuchtet.

 

Zu einem Eklat, der auch im fernen Europa für Schlagzeilen sorgte, kam es 1956 in Alabama. Bei einem Auftritt stürmten weiße Rassisten die Bühne und verletzten Nat King Cole so schwer, dass er das Konzert abbrechen musste. Die englischen Musiker des Ted Heath Orchestra, das am selben Abend auftrat, erinnerten sich später mit Entsetzen an die Szenen: "Wir waren gebucht, um in Birmingham/Alabama zu spielen", zitierte Sheila Tracy den Saxophonisten Ronnie Chamberlain in ihrem Buch "Talking Swing: British Big Bands", "und die Jungs von Nats Trio waren stockstarr vor Angst und sagten: ‘Wir wollen dort nicht hin, Mann.’" An den Angriff auf Cole zurückdenkend, meinte Chamberlain: "Mir wurde wirklich schlecht und ich musste rausgehen und mich übergeben. Mir war übel vor Angst. Und der arme Nat war in einem schrecklichen Zustand."

 

Nicht immer äußerte sich der Rassismus auf solch brutale und offene Weise. Manchmal kam er auch etwas subtiler daher. Dass die "Nat King Cole Show" (die erste Fernsehshow eines schwarzen Künstlers) trotz guter Einschaltquoten nach etwas mehr als einem Jahr Ende 1957 schon wieder eingestellt wurde, lag schlicht daran, dass der Sender keine Werbepartner finden konnte. Die Firmen hielten die schwarze Zielgruppe, die Nat King Cole mit seiner Sendung vor allem ansprach, nicht für kaufkräftig genug.

 

Doch auch unter Schwarzen hatte Nat King Cole nicht immer einen leichten Stand. Da er über viele Jahre hinweg gute Miene zum bösen Spiel der Rassentrennung im Publikum machte, warfen ihm Bürgerrechtler wie Thurgood Marshall offen eine "Onkel Tom"-Mentalität vor. In der New York Amsterdam News, der ältesten afroamerikanischen Zeitung des Landes, wurde Cole gar als eine "Schande für seine Rasse" bezeichnet. Solche Anschuldigungen trafen den Künstler, der sich lange aus politischen Fragen rausgehalten hatte, zutiefst und führten letztendlich dazu, dass er forthin deutlicher Stellung bezog.