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Über das Label

Das Jahr 2014, in dem Blue Note seinen 75. Geburtstag feiert, begann für das traditionsreiche Label geradezu perfekt: Denn bei der Grammy-Verleihung im Januar wurden gleich zwei seiner aktuellen Künstler ausgezeichnet. Gregory Porter erhielt für sein Blue-Note-Debütalbum "Liquid Spirit" den Preis in der Kategorie "Bestes Jazzvokalalbum" und Wayne Shorter, der schon in den 1960er Jahren zu Blue Notes  kreativen Aushängeschildern gehört hatte und nach 43 Jahren mit dem Album "Without A Net" seine Rückkehr feierte, bekam den Grammy für das "Beste improvisierte Jazzsolo". Beide zierten auch in den Monaten davor schon die Cover zahlreicher internationaler Jazzpublikationen und anderer Medien. Porter, der in Deutschland für "Liquid Spirit" eine Goldene Schallplatte einstrich, wurde als der neue Star des Jazzgesangs bejubelt, und Shorter wurde 2013 das ganze Jahr über für seinen achtzigsten Geburtstag und seine unermüdliche Schaffenskraft gefeiert. Aber man sollte über Porter und Shorter nicht vergessen, dass letztes Jahr mit Robert Glasper schon eine anderer junger Blue-Note-Künstler Ähnliches erreicht hatte (er gewann mit "Black Radio" den Grammy für das "Beste R&B-Album"). Davon abgesehen hat Blue Note in den letzten zehn Jahren auch sonst reichlich Alben herausgebracht, die dem Label-Motto "The Finest in Jazz Since 1939" allemal zur Ehre gereichen. Man kann natürlich nicht alle naselang eine Künstlerin wie Norah Jones lancieren, die gleich mit ihrem ersten Werk acht Grammys abräumt.

 

Blue Note Records war 1939 von den beiden deutschstämmigen Einwanderern Alfred Lion (eigentlich Alfred Löw oder Loew) und Francis Wolff (Frank Wolff) zusammen mit dem amerikanischen Schriftsteller Max Margulis in New York gegründet worden. In den ersten Jahren konzentrierte man sich ganz auf die Veröffentlichung traditioneller Jazz- und Swingalben. Erst 1947 sprangen Lion und Wolff auf den Zug des modernen Jazz auf, in dem sie die Bebop-Pioniere Thelonious Monk und Bud Powell zu ihrem Label holten, aber auch andere innovative Musiker wie Tadd Dameron, Fats Navarro und J.J. Johnson. Ein stilistischer Schwerpunkt des Labels war in den 1950er Jahren der junge Hard-Bop. Pianist Horace Silver, Schlagzeuger Art Blakey und seine Jazz Messengers, Vibraphonist Milt Jackson und Trompeter Clifford Brown steuerten zum Blue-Note-Katalog in dieser Zeit etliche historisch wichtige Hard-Bop-Aufnahmen bei. Prägend waren zudem auch Einspielungen von Lee Morgan, Herbie Nichols, Sonny Clark, Kenny Dorham, Kenny Burrell, Jackie McLean, Donald Byrd, Cannonball Adderley, Sonny Rollins und John Coltrane. Sowie natürlich die Aufnahmen der jungen Musiker des legendären zweiten Quintetts von Miles Davis: Sowohl Pianist Herbie Hancock als auch Saxophonist Wayne Shorter und Schlagzeuger Tony Williams gelang es, mit ihren bei Blue Note herausgebrachten frühen Alben ihre erfolgreichen Karriere als Bandleader zu initiieren. Und auf vielen dieser Alben (aber auch auf denen anderer Blue-Note-Künstler) war als Sideman auch der Miles-Davis-Bassist Ron Carter dabei.

 

Als Blue Note Records 1965 von Liberty Records aufgekauft wurde, zog sich Lion zurück, während Wolff noch bis zu seinem Tod im Jahr 1971 als Produzent weitermachte. Mit dem Abgang der beiden Gründer hatte das Label, das 1979 in die Hände des EMI-Konzerns überging, vieles von seinem einstigen Glanz verloren. Seine Wiederauferstehung erlebte es erst ab 1985 unter dem Produzenten Bruce Lundvall. Lundvall sorgte dafür, dass arrivierte Größen, die teilweise schon in Blue Notes erster goldener Phase für das Label aufgenommen hatten, wieder verpflichtet wurden: etwa McCoy Tyner, Dexter Gordon, Tony Williams, Joe Henderson, Freddie Hubbard, Kenny Burrell, Charles Lloyd oder Stanley Turrentine. Zugleich gewährte er aber auch neuen jungen Talenten wie Cassandra Wilson, Wynton Marsalis, Terence Blanchard, Stanley Jordan, Michel Petrucciani, Joe Lovano, John Scofield, Greg Osby, Jason Moran und Norah Jones sehr viel kreative Freiheit. Es sollte nicht lange dauern, bis der Name Blue Note wieder ein Synonym  für innovativen, wegweisenden und stilbildenden Jazz war. Und auch beim Flirt des Jazz mit dem neuen Genre des HipHop setzte Blue Note mit Alben von u.a. Us3 und Madlib neue Standards.

 

Unbestreitbar ist, dass bei Blue Note seit rund zwei Jahren ein neuer frischer Wind bläst. Und der dafür Verantwortliche ist der Produzent und Musiker Don Was, der Anfang 2012 als Präsident des Labels das Erbe des legendären Bruce Lundvall antrat. Don Was (der eigentlich Donald Fagenson heißt) ist ein Mann mit Visionen, Humor und Risikofreudigkeit, aber auch einem Händchen für kommerzielle Erfolge (dies bewies er zum beispiel 1987, als er mit seiner Band Was (Not Was) und der Hit-Single "Walk The Dinosaur" bereits den Gangnam-Style vorwegnahm). Er verfolgt die Linie weiter, die Lundvall vorgezeichnet hat: Mit der Produktion von aufregenden Crossover- und hochkarätigen Jazzkünstlern. Zum einen investiert er in junge aufstrebende Musiker wie Robert Glasper, José James, Gregory Porter, Derrick Hodge, Lionel Liouke und Ambrose Akinmusire. Zum anderen wahrt er aber auch die Tradition des Labels, in dem er etwa Wayne Shorter und Terence Blanchard in den Roster zurückholte und weiterhin neue Alben von alten Künstlern wie McCoy Tyner und Mose Allison herausbringt. Dass Don Was dem Label seinen unverkennbar eigenen Stempel aufdrücken wird, steht außer Frage. Ein erster Beleg dafür war die Veröffentlichung des sensationellen Albums von Elvis Costello & The Roots. Zur Erinnerung: Costello und Was hatten 1987 auf dem Was (Not Was)-Album "What Up, Dog?" zusammengearbeitet, das die Single "Walk The Dinosaur" hervorbrachte.

 

Das Jubiläumsjahr 2014 wird für Blue Note ein hyperaktives Jahr werden. Für die audiophilen Liebhaber der immerjungen Klassiker des Labels werden, beginnend im März, jeden Monat fünf neugemasterte Alben im Vinyl-Format wieder aufgelegt. Der erste Schub dieser insgesamt 100 LPs umfasst Art Blakeys "Free For All", John Coltranes "Blue Trane", Eric Dolphys "Out To Lunch", Wayne Shorters "Speak No Evil" und Larry Youngs "Unity". Später folgen auch modernere Klassiker wie Joe Lovanos "Live At The Village Vanguard", Jason Morans "Soundtrack To Human Motion", Terence Blanchards "Flow", Combustication" von Medeski Martin & Wood sowie Cassandra Wilsons "Traveling Miles". Außerdem gibt es aus Anlass des amerikanischen Record Store Day im April in einer limitierten 12"-Vinyl-Edition eine Wiederveröffentlichung der beiden historischen ersten Blue-Note-Aufnahmen von Meade "Lux" Lewis ("Melancholy"/"Solitude") und Albert Ammons ("Boogie Woogie Stomp"/"Boogie Woogie Blues"). Robert Glasper und Jason Moran zollten den beiden Boogie-Woogie-Legenden im Januar bei einem gemeinsamen Auftrittt in der New Yorker Town Hall Tribut.

 

Mit der Doppel-CD "Best Of Blue Note ICONS" erhält man im März einen kurzen musikalischen Abriss der Geschichte des Labels: mit 22 sorgfältig ausgewählten Tracks von ikonischen Blue-Note-Künstlern wie Sidney Bechet, Thelonious Monk, John Coltrane, Sonny Clark,  Lee Morgan, Wayne Shorter und Norah Jones.

 

Aber es geht 2014 natürlich nicht nur darum, die Vergangenheit des Labels zu feiern. Dafür ist seine Gegenwart viel zu spannend. Belegt wird dies durch die bereits veröffentlichten oder in Kürze erscheinenden neuen Alben von u.a. Takuya Kuroda ("Rising Son"), Ambrose Akinmusire ("the imagined savior is far easier to paint"), Brian Blade & The Fellowship Band ("Landmarks"), Rosanne Cash ("The River & The Thread") und Benmont Tench ("You Should Be So Lucky"). Auf dem Release-Plan stehen auch neue Produktionen mit Pianist Jason Moran, Sänger José James sowie dem Soundprints Quintet von Joe Lovano und Dave Douglas. Und nach Wayne Shorter findet auch eine weitere Blue-Note-Legende wieder "nach Hause": der Vibraphonist Bobby Hutcherson, der sich in einem neuen Quartett mit Altsaxophonist David Sanborn, Hammond-Organist Joey DeFrancesco und Drummer Billy Hart zusammentat. Sie alle werden dafür sorgen, dass das Label-Motto "The Finest In Jazz Since 1939" auch in Zukunft keine leere Marketing-Phrase sein wird.