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Biografie von Kendrick Scott

"Kendrick Scott ist zum Art Blakey, Elvin Jones und Tony Williams seiner Generation geworden", behauptet der Trompeter Terence Blanchard, in dessen Band der Schlagzeuger lange spielte. "Er ist ein brillanter Kopf, der nicht nur die Musik erneuert, sondern in seiner eigenen Band auch jungen Talenten Gelegenheit gibt, sich zu entwickeln und zu wachsen." Nun hat Kendrick Scott mit seiner Band Oracle unter dem Titel "We Are The Drum" sein erstes bemerkenswertes Album für das Label Blue Note eingespielt, auf dem einst auch die eingangs zitierten Schlagzeuger und Bandleader mit ihren Alben Jazzgeschichte schrieben.

Wie wichtig solche musikalischen Lehrjahre für junge Jazzkünster sind, weiß Blanchard aus eigener Erfahrung. Er begann seine Karriere Anfang der 1980er im Lionel Hampton Orchestra und bei Art Blakeys Jazz Messengers. Was er damals dort lernte, gibt er längst an die jungen Musiker seiner eigenen Band weiter. Kendrick Scott gehörte dieser Band zehn Jahre lang an und war an der Einspielung der Alben "Flow" (2005), "A Tale Of God's Will (A Requiem For Katrina)" (2007) und "Choices" (2009) beteiligt. Blanchard ermunterte ihn in diesen Jahren immer wieder, seine eigene Stimme als Instrumentalist und Komponist zu finden. Heute leitet der Schlagzeuger seine 2006 gegründete Band Oracle nach denselben Prinzipien.

Die derzeitige Besetzung ist ein erstklassiges Kollektiv junger Musiker, denen eine breite Palette musikalischer Ausdrucksmittel zur Verfügung steht: es besteht aus Saxophonist John Ellis, Keyboarder Taylor Eigsti, Gitarrist Mike Moreno und Bassist Joe Sanders. Nach Gitarrist Lionel Loueke, Pianist Aaron Parks und Bassist Derrick Hodge (der übrigens "We Are The Drum" produzierte) ist Kendrick Scott nun schon der vierte Alumni von Blanchards Band, der einen Vertrag bei Blue Note erhalten hat.

"Dies ist keine Aufnahme, bei der sich alles um Perkussion dreht", macht Scott klar, auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lassen könnte. "Jeder Einzelne ist auf eine andere Art und Weise in die Musik eingebettet. Jeder trug etwas Eigenes zu den Aufnahmen bei. Die Betonung liegt im Titel auf dem 'wir'. Beim Schreiben der Stücke und beim Zusammenspiel denken wir stets zuerst an die Bandgemeinschaft. Und es gibt viel Raum für jeden einzelnen Musiker, etwas zu sagen."

Für sechs der zehn Originalkompositionen des Albums zeichnete Kendrick Scott verantwortlich, ein Stück ("This Song In Me") steuerten Produzent Derrick Hodge und Gastsängerin Lizz Wright bei. Darüber hinaus präsentiert die Band eine inspirierte Überarbeitung des Flying-Lotus-Songs "Never Catch Me".

Das Album beginnt mit dem Titelstück "We Are The Drum", das von der gesamten Band geschrieben wurde. "Es handelt davon, dass jeder von uns zur Erkenntnis gelangen muss, dass die Kraft einer einzelnen Person in der Welt, in der wir leben, einen Unterschied machen kann", erläutert Scott. Das Stück begann ursprünglich als eine Art Chant. In einem Strudel von Klängen wird zunächst eine ungeheuere Spannung aufgebaut, die in einem weitläufigegn Tenorsaxsolo von Ellis mündet, bevor das Stück seinen Klimax erreicht. "John Ellis' Bandbreite ist erstaunlich", meint Scott. "Er spielt extrem gefühlvoll und modern."

Aus der Feder des Saxophonisten stammt die träumerische Nummer "Make Believe", in der Ellis' Sopransaxlinien die Richtung vorgeben, bevor sie sich mit Morenos Gitarrenlinien verschlingen. Fast nahtlos schließt sich der Titel "This Song In Me" an, in dem Lizz Wright ihren wunderbaren Gastauftritt hat. "Lizz' Sound ist so organisch und von einer unglaublich kraftvollen Transparenz", schwärmt Scott. "Ich liebe ihre Stimme schon seit langem und war total begeistert, dass sie etwas zu diesem Projekt beitragen konnte."

"'Mantra' ist eines meiner älteren Stücke. Wir spielen es schon seit geraumer Zeit", verrät Scott über die nächste Nummer. "Es entwickelte sich über die Jahre. Es ist heute sehr viel umfangreicher. Dabei muss ich an Wayne Shorter denken, der mir einmal sagte: 'Alles, was du schreibst, sollte niemals fertig sein."

Zur Entstehung des nachdenklichen Stücks "The Long Shadow" liefert Scott folgende Erklärung: "Ich sah eine Dokumentation über Charles Lloyd, in der er sagte: ´Je mehr du dich dem Licht näherst, desto länger wird dein Schatten.' Dies ist der lange Schatten der Rassengeschichte. Die Trommel deutet Schritte in einer Marschformation an. Die Schatten sind Dinge in unserem Kielwasser, die wir nicht ändern können."

"Never Catch Me" ist eine vertrackte Neuinterpretation des gleichnamigen Flying-Lotus-Songs, der ursprünglich Kendrick Lamar featurete. "Wir haben dafür Lamars Rap transkribiert, folgen seinem Flow und Rhythmus", sagt Scott. "Raps sind eine Erweiterung dessen, was wir als Schlagzeuger tun. Die Melodie wurde in ihrer Essenz wie ein Rap komponiert, mit unterschiedlichen Tonhöhen. Wir haben versucht, eine neue Form zu finden."

Maya Angelous Gedicht "Touched By An Angel" inspirierte Scott ein Stück gleichen Titels zu schreiben. Auf "We Are The Drum" stellt er gleich zwei unterschiedliche Versionen dieser Nummer vor.

Der Respekt, den er der letztes Jahr verstorbenen Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin entgegenbringt, spiegelt sich in der der besonders einfühlsamen Performance wider. "Es geht darum, wie uns Isolation einsam macht. Wir können nur in der Gesellschaft anderer Menschen glücklich sein. Eine Mahnung, dass 'wir' die Trommel sind, und nicht nur 'ich'."

John Ellis' einprägsames Stück "Milton" ist dem großartigen brasilianischen Songwriter Milton Nascimento gewidmet. "Es gibt in dieser Band so viele Texturen. Jede Textur ist anders", sagt Scott. Nach einer delikaten Intro von Eigsti und Moreno stellt Sanders auf seinem mit einem Bogen gespielten Kontrabass das leidenschaftliche Hauptthema des Stücks vor.

Dann übernehmen das Klavier und die Gitarre mit einer beharrlichen rhythmischen Figur wieder das Ruder, um das Stück voranzutreiben. "Milton Nascimentos Musik ist zutiefst spirituell", sagt Scott. "Die Spannung wird in diesem Song nie ganz aufgelöst, aber ein Großteil von ihr in zyklischer Art."

Morenos verträumtes "Lotus" ist, in Scotts Worten, "struktureller als alles andere. Die Lotusblume sät und blüht zur gleichen Zeit, eine schöne Synchronität." Das folgende "Synchrony" ist wiederum ein Tribut an das Miles Davis Quintett der 1960er Jahre. "Eine meiner Lieblingsbands", erklärt Scott.

"Die Melodie ist überschattet, sie ist irgendwie da und nicht da." Angetrieben von Kendricks Schlagzeug und Sanders Walking-Bass läuft die ganze Band hier zu Hochform auf. Beendet wird das Album mit einer wunderschönen Piano-Solo-Version von "Touched By An Angel". "Er lässt hier in seinem Spiel sehr viel Raum", sagt Kendrick Scott über seinen Pianisten Taylor Eigsti. "Und er steuert ein himmlisches Element bei, das dieses Album auf einer ruhigen Note ausklingen lässt."