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Album Tracklisting
Kayhan Kalhor, Ghazal - The Rain, 00044006662725
Ghazal - The Rain
Shujaat Husain Khan, Ghazal, Kayhan Kalhor, Sandeep Das
Format:
CD
Label:
ECM Records
VÖ:
22.04.2003
Bestellnr.:
00044006662725
Produktinformation:

Dieses Konzert, das 2001 vom Schweizer Radiosender DRS in Bern aufgezeichnet wurde, ist das ECM-Debütalbum des indisch-iranischen Ensembles Ghazal. Das Trio hat in den sechs Jahren, die es mittlerweile besteht, mit seiner engagierten, leidenschaftlichen Musik bereits Hörer in der ganzen Welt begeistert und verblüfft.

Shujaat Husain Khan und Kayhan Kalhor gründeten Ghazal 1997, um in der Musik des Ensembles die Verbindungen herauszukristallisieren, die zwischen den klassischen Musiktraditionen Indiens und Irans bestehen. Während westliche Hörer sich mit den Klängen der klassischen indischen Musik bereits seit den 60er Jahren vertraut machen konnten, ist die iranische Musiktradition nach wie vor eine weitgehend unbekannte Größe. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die diversen iranischen Regime, sowohl vor als auch nach der islamischen Revolution, nahezu alle künstlerischen Ausdrucksformen einer strengen Zensur unterwarfen. Erst in den letzten Jahren wurden die Beschränkungen etwas gelockert, so daß man einige der herausragenden iranischen Musiker endlich auch im Ausland erleben konnte. Der Kemansche-Spieler Kayhan Kalhor (die Kemansche ist eine viersaitige Knie- oder Spießgeige) gehört zum Zirkel der Künstler, die versuchen, die iranische Musik behutsam zu öffnen und zu modernisieren.

Im Rahmen ihres transkulturellen Projekts Ghazal konstruieren bzw. rekonstruieren Kayhan Kalhor und Shujaat Husain Khan (Sohn des bahnbrechenden Sitar-Innovators Ustad Vilayat Khan) Brücken zwischen der iranischen und der indischen Kultur. Tatsächlich gibt es bei den Tonleitern, Tonarten, Stimmungen, Rhythmen und Improvisationsansätzen beider Kulturen zahlreiche Ähnlichkeiten. Musikwissenschaftler führen diese auf die Epoche im 16./17. Jahrhundert zurück, als islamische Mogule in Nordindien herrschten und der Kultur der gesamten Region ihren Stempel aufdrückten. Die hindustanische Musik wurde damals tiefgreifend vom islamischen Mystizismus, seiner Poesie, seiner Sprache und auch seiner Musik beeinflußt. Obwohl die beiden Kulturen in den Jahrhunderten danach getrennte Wege gingen, entdeckt man in ihren Wurzeln noch heute viele Gemeinsamkeiten. Und genau diese versuchen Kayhan Kalhor und Shujaat Husain Khan in ihrer Musik deutlich zu machen.

"Es spielt keine Rolle, ob man mit dieser Musik bereits vertraut ist oder nicht", meinte der amerikanische Kritiker John Schaeffer, "Kayhan Kalhor und Shujaat Husain Khan kommunizieren miteinander so geschickt über die Grenzen hinweg, die ihr kulturelles Erbe trennen, daß es ihnen auch mühelos gelingt, sich uns mitzuteilen." Schließlich betreiben sie ihre musikalischen Erkundungen nicht auf akademisch-analytische Weise, sondern mit Herz und Seele.

Kayhan Kalhor kam 1963 in Teheran zur Welt. Mit sieben Jahren wurde Kalhor Schüler des Meisters Ahmad Mohajer und entwickelte sich unter dessen Fittichen zu einem der besten Kemansche-Spieler des Iran. 1976 wurde das dreizehnjährige Wunderkind Mitglied des iranischen nationalen Radio- und Fernsehorchesters, dem es fünf Jahre lang angehörte.

Danach begann Kalhor mit dem Shayda-Ensemble des Chavosh-Kulturzentrums zu arbeiten, damals eine der renommiertesten Kunstorganisationen des Iran. Während er mit dem Shayda-Ensemble spielte, setzte er sein Studium des klassischen iranischen Repertoires mit verschiedenen Meistern des Genres fort. Bei seinen Reisen durch den Iran lernte er auch das Repertoire diverser regionaler Stile kennen, etwa das des nordöstlichen Khorasan und das des westlichen Kurdistan. In Rom und an der Carleton University im kanadischen Ottawa studierte Kayhan Kalhor später auch noch mit Erfolg klassische westliche Musik.

Die von Kalhor komponierten Werke wurden mitlerweile von einigen der bedeutendsten iranischen Vokalisten wie etwa Mohammad Reza Shajarian oder Shahram Nazeri aufgeführt. Kalhor selbst begleitete mit seiner Kemansche schon iranischen Koryphäen wie Faramarz Payvar und Hossein Alizadeh. Bevor er 1997 mit Shujaat Husain Khan Ghazal ins Leben rief, war Kalhor 1991 Mitbegründer des bekannten klassischen iranischen Ensembles Dastan. Anfang diesen Jahres wurde Kayhan Kalhor von BBC 3 für deren World Music Award nominiert.

Der 1960 geborene Shujaat Husain Khan repräsentiert bereits die siebente Generation einer ungemein musikalischen Familie, die zahlreiche Meister der indischen Klassik hervorgebracht hat: u.a. Shujaat Husain Khans Vater Ustad Vilayat Khan, seinen Großvater Ustad Inayat Khan, seinen Urgroßvater Ustad Imdad Khan und seinen Ururgroßvater Ustad Sahebdad Khan. Shujaat Husain Khan ist ein Vertreter der nach seinem Urgroßvater benannten Imdad Khan-Sitar-Tradition, deren stilistische Besonderheit die Imitation der menschliche Stimme ist.

Schon als Dreijähriger übte er auf einer eigens für ihn angefertigten kleinen Sitar. Mit sechs Jahren hatte er es schon zu solcher Meisterschaft auf seinem Instrument gebracht, daß er öffentlich auftreten durfte. Seither ist er auf allen großen Musikfestivals in Indien und nicht wenigen im Rest der Welt zu Gast gewesen.

Da er bereits in sehr jungen Jahren begann Musik zu machen, konnte ihm das reiche musikalische Erbe seiner Kultur noch durch viele mittlerweile längst verstorbene Meister der klassischen indischen Musik aus erster Hand vermittelt werden. So eignete er sich ein einzigartiges Wissen an und lernte Hunderte weniger bekannte Ragas des klassischen indischen Repertoires kennen.

Heute gibt Shujaat Husain Khan dieses Wissen als Lehrer an Schüler in Indien und im Ausland weiter. Zur Zeit ist er u.a. Gastprofessor an der Kunstschule der University of California in Los Angeles. 2001 wurde er in seiner Heimat mit dem Rashtriya Kumar Gandharva Sammaan-Preis ausgezeichnet, der höchsten indischen Ehrung für einen klassischen Musiker mit weniger als 45 Jahren.

Der 1970 geborene Sandeep Das ist einer der meistversprechenden Tabla-Virtuosen seiner Generation. Er begann mit acht Jahren als Schüler von Pandit Kishan Maharaj, dem Doyen der Benares-Schule. In seiner Heimat und im Ausland begleitete er zahlreiche namhafte indische Künstler. Gemeinsam mit Kayhan Kalhor trat er auch schon mit dem Silk Road Project des Cellisten Yo-Yo Ma auf.

Ghazal ist nicht das erste transkulturelle Projekt des ECM-Labels. Geschichte schrieben zuvor u.a. schon Shankars "Song For Everyone", Zakir Hussains "Making Music", Jan Garbareks "Ragas and Sagas" und Anouar Brahems "Thimar". Ghazals "The Rain" dürfte beim europäisch-amerikanischen Publikum ähnliches Interesse wecken. Besonders interessant ist an diesem Projekt, daß es hier zur Abwechslung einmal nicht um einen Austausch zwischen westlicher und östlicher Kultur geht, sondern zwischen zwei miteinander verwandten östlichen Kulturen.