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14.02.2013

Mel Tormeé - Swingende Hommagen an Ellington, Basie und den Broadway

Mel Tormé, Mel Tormeé - Swingende Hommagen an Ellington, Basie und den Broadway © Universal Music "I Dig The Duke, I Dig The Count"

Mit seiner sanften, geschmeidigen Baritonstimme erwarb sich Mel Tormé den Spitznamen “Velvet Fog” (samtiger Nebelschleier). Doch laut dem bekannten Jazzkritiker Will Friedwald besaß Tormé (1925-1999) nicht nur die “schönste Stimme, die ein Mann haben kann” und einen “unfehlbaren Sinn für Intonation”, sondern stellte “als Improvisierer bis auf zwei oder drei Ausnahmen alle Scat-Sänger und darüber hinaus auch noch so manchen Bläser in den Schatten.”
Mit erstaunlicher Eleganz und Raffinesse wechselte er stilistisch zwischen Jazz und Pop oder verschmolz gleich beides miteinander. So wie auf den beiden Verve-Alben “I Dig The Duke, I Dig The Count” und “Mel Tormé Swings Shubert Alley”, auf denen der Sänger auch Kostproben seiner Schlagzeugkünste gab. In der “JAZZPLUS”-Reihe sind sie nun zusammen auf einer CD wiederveröffentlicht worden.

Als der Kinderstar Mel Tormé in den 1930er Jahren in Chicago aufwuchs, hatte er zwei musikalische Idole: Duke Ellington und Count Basie. Sie waren in seinen Augen der Inbegriff des Bigband-Jazz. Und auf dem 1960 entstandenen Album “I Dig The Duke, I Dig The Count” zollte er beiden Tribut: Zunächst mit sechs Songs aus dem Repertoire Ellingtons (u.a. “Don’t Get Around Much Anymore”, “Take The ‘A’ Train” und “Just A-Sittin’ And A-Rockin’”) und dann mit noch einmal sechs Nummern aus dem Programm Basies (u.a. “I’m Gonna Move To The Outskirts Of Town”, “Blue And Sentimental” und “Oh, What A Night For Love”). Für fulminant swingende Begleitung sorgte ein von Johnny Mandel geleitetes Orchester mit Solisten wie Tenorsaxophonist Teddy Edwards, Trompeter Jack Sheldon, Posaunist Frank Rosolino, Pianist Jimmy Rowles sowie den dynamischen Schlagzeugern Mel Lewis und Shelly Manne.

Die Shubert Alley, die Mel Tormé auf dem zweiten Album besingt, gilt als das geographische Herz des New Yorker Broadway. Und aus Broadway-Aufführungen stammen folglich auch die Standards, die der Sänger auf “Mel Tormé Swings Shubert Alley” mit viel Verve, Swing und auch Gewitztheit intoniert: von “Too Close For Comfort” über “Too Darn Hot” bis “Surrey With The Fringe On Top”. Gelassener läßt er es hingegen in Stücken wie “A Sleepin’ Bee” und “Old Devil Moon” angehen. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten und Arrangeur Marty Paich und seinem glänzend besetzten Orchester mit u.a. Altsaxophonist Art Pepper, Tenorsaxophonist Bill Perkins, Trompeter Al Porcino, Posaunist Frank Rosolino und Dummer Mel Lewis.

Die CDs der “JAZZPLUS”-Serie bieten jeweils zwei Originalalben eines Künstlers auf einer CD. Aber auch die anderen Aspekte der preiswerten Edition, die Einspielungen für legendäre Jazzlabels wie Verve, Mercury, Prestige, Riverside u.v.a. präsentiert, können sich sehen und hören lassen: Alle Aufnahmen wurden neu digital von den Originalbändern remastert, viele Alben erscheinen hier erstmals auf CD oder waren lange nicht mehr erhältlich. Außerdem beinhalten die Booklets komplette Faksimiles der beiden Original-LP-Artworks, sowie natürlich alle diskographischen Angaben zu den Aufnahmen.