Artikel

03.01.2013

Quincy Jones - Wandel vom Jazzer zum Hipster

Quincy Jones, Quincy Jones - Wandel vom Jazzer zum Hipster © Universal Music Quincy Jones

Niemand vermag zu sagen, ob Quincy Jones ohne seinen mehrjährigen Frankreich-Aufenthalt denselben Karriereweg eingeschlagen und den Status erreicht hätte, den er heute in der ganzen Musikwelt genießt. Fakt ist, dass die Nebentätigkeit, die er von 1957 bis 1960 als Produzent beim französischen Label Barclay ausübte, seinen musikalischen Horizont immens erweiterte. War er bis dahin als Bandleader, Arrangeur und Trompeter vornehmlich im Jazzbereich tätig gewesen, so schnupperte er in diesen Jahren durch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Jacques Brel, Henri Salvador und Charles Aznavour ganz andere musikalische Luft. Dem trug er nach seiner Rückkehr in die USA auch auf eigenen Alben wie “Quincy Jones Plays The Hip Hits “ und “Golden Boy” Rechnung. In der “JAZZPLUS”-Reihe werden diese beiden Alben nun zusammen auf einer CD wiederveröffentlicht.

Auf dem 1963 erschienenen Album “Quincy Jones Plays Hip Hits” verlieh Jones einer Reihe von seinerzeit sehr populären Jazznummern einen eigenen, betont zeitgemäßen Touch. Zu diesem Zweck schrieb er für seine Band straffe Arrangements von “hippen Hits” wie “Take Five”, “Desafinado”, “A Taste Of Honey”, “Jive Samba” und “Watermelon Man” und beschränkte die durchschnittliche Laufzeit der Stücke auf drei Minuten, damit sie in gängigen Radioformaten gespielt werden konnten. Hochkarätige Instrumentalisten wie Trompeter Joe Newman, Gitarrist Jim Hall, Altsaxophonist Phil Woods oder die Tenoristen Zoot Sims und Rahsaan Roland Kirk veredelten die Aufnahmen mit kurzen und besonders prägnanten Soli.

Nach demselben Muster entstand 1964 auch das Album “Golden Boy”, auf dem Quincy Jones neben beliebten Jazzstandards wie John Lewis’ “Django” und Lee Morgans “The Sidewinder” aber auch “A Hard Day’s Night” von den Beatles und die Titelnummer des damals gerade sehr erfolgreichen Broadway-Musicals “Golden Boy” neu interpretierte. Wie auf “Quincy Jones Plays Hip Hits” setzten sich auch hier wieder exzellente Solisten mit knappen Statements in Szene: darunter die Trompeter Freddie Hubbard und Joe Newman, Altsaxophonist Phil Woods, Gitarrist Jim Hall und Tenorsaxophonist Eddie “Lockjaw” Davis.

Die CDs der “JAZZPLUS”-Serie bieten jeweils zwei Originalalben eines Künstlers auf einer CD.  Aber auch die anderen Aspekte der preiswerten Edition, die Einspielungen für legendäre Jazzlabels wie  Verve, Mercury, Prestige, Riverside u.v.a. präsentiert, können sich sehen und hören lassen: Alle Aufnahmen wurden neu digital von den Originalbändern remastert, viele Alben erscheinen hier erstmals auf CD oder waren lange nicht mehr erhältlich. Außerdem beinhalten die Booklets komplette Faksimiles der beiden Original-LP-Artworks, sowie natürlich alle diskographischen Angaben zu den Aufnahmen.