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24.09.2020

"Tone Poet"-Serie - Pioniere des Soul-Jazz in Höchstform

In seiner audiophilen "Tone Poet"-Vinyl-Reihe legt Blue Note diesmal Klassiker von Horace Silver, Stanley Turrentine und Jimmy Smith neu auf.

JazzEcho-Plattenteller, Tone Poet-Serie - Pioniere des Soul-Jazz in Höchstform JazzEcho-Plattenteller: Tone Poet Vinyl Series - Jimmy Smith "Prayer Meetin'" / Horace Silver "Further Explorations" / Stanley Turrentine "That's Where It's At"

Die Vinyl-Wiederveröffentlichungen der "Tone Poet"-Reihe präsentieren Klangpoeten, die ihren eigenen Weg gegangen sind, um einige wirklich originelle Sounds zu erzeugen. Inspiriert wurde Blue-Note-Präsident Don Was zu dieser Kollektion durch die außergewöhnlichen audiophilen Vinyl-Wiederveröffentlichungen, die Joe Harley seit Jahren bei dem von ihm mitgegründeten Label Music Matters herausbringt. Der Saxophonist Charles Lloyd verlieh ihm für sein außerordentliches Gespür für die Klangästhetik des LP-Formats den Ehrentitel "Tone Poet", den Harley heute mit Stolz trägt. Die LPs der Reihe werden mit viel Liebe zum Detail gefertigt, angefangen bei der rein analogen Produktionskette von Mastering bis 180-Gramm-Pressung bis hin zur Fertigung der schweren, laminierten Gatefold-Sleeves.

 

Horace Silver Quintet - Further Explorations (1958)

Horace Silver war als Gründungsmitglied der legendären Jazz Messengers nicht nur ein Hard-Bopper der ersten Stunde, sondern mit seinem stets funky klingenden Klavierstil auch einer der führenden Pioniere des Soul-Jazz. Das im Januar 1958 entstandene Album "Further Explorations" präsentiert ihn im Quintett mit dem Trompeter Art Farmer, dem Tenorsaxophonisten Clifford Jordan (der später viel mit Charles Mingus und Eric Dolphy spielte), Bassist Teddy Kotick und Schlagzeuger Louis Hayes. Neben dem Standard "Ill Wind" interpretieren die Musiker hier fünf weniger bekannte Nummern von Silver, darunter die quirlige, mit einem Latin-Einschlag versehene Hard-Bop-Nummer "The Outlaw" und die swingende Ballade "Moon Rays". "Der lyrische Farmer und der aufstrebende Jordan warten mit vielen schönen Soli auf", meint Scott Yanow im All Music Guide, "ebenso wie der richtungsweisende Silver, dessen funkiger, geistreicher Stil sich von dem in dieser Epoche vorherrschenden Bud-Powell-Einfluss abhebt."

 

 

Stanley Turrentine - That’s Where It's At (1962)

Der Soul-Jazz steckte noch in den Kinderschuhen, als sich Stanley Turrentine und Les McCann im Januar 1962 das erste Mal zusammentaten, um für Blue Note "That’s Where It’s At" einzuspielen. Die beiden Mittzwanziger standen damals noch ziemlich am Anfang ihrer Solokarrieren, besaßen aber bereits sehr charakteristische Stimmen. Und Turrentines bluesdurchtränktes Tenorsaxophon harmonierte perfekt mit dem funkigen Klavierstil von McCann. "That’s Where It’s At" trug maßgeblich zum populären Höhenflug bei, den der Soul-Jazz in der zweiten Hälfte der 1960er erlebte. Eingespielt wurde das Album von Turrentine und McCann mit dem Bassisten Herbie Lewis (der damals auch zu McCanns Band gehörte) und dem Schlagzeuger Otis "Candy" Finch (der ansonsten mit Turrentines damaliger Frau Shirley Scott spielte). Obwohl "That’s Where It’s At" unter Turrentines Namen erschien, schrieb McCann vier der sechs hier zu hörende Originale, während Stanley und sein Bruder Tommy Turrentine jeweils eine Nummer beisteuerten. "Eine exzellente (und aufregende) Soul-Jazz-Session mit einem großartig aufspielenden Turrentine", meint Ron Wynn im All Music Guide. Zu einer Reunion der beiden Protagonisten sollte es 22 Jahre später auf Turrentines wiederum bei Blue Note veröffentlichtem Album "Straight Ahead" kommen.

 

 

Jimmy Smith with Stanley Turrentine - Prayer Meetin’ (1963)

Nachdem Jimmy Smith Mitte der 1950er Jahre das Spiel auf der Hammond-B-3-Orgel revolutioniert hatte, zementierte er in den wilden 60er Jahren mit einem Strom hochkarätiger Aufnahmen für Blue Note und Verve seinen Ruf als unbändige Naturgewalt auf dem komplexen Instrument. Einen besonders inspirierenden Spielpartner fand er in dieser Zeit in dem Tenorsaxophonisten Stanley Turrentine, der - wie Smith selbst - tiefe Wurzeln im Blues und Rhythm'nlues hatte. Erstmals zusammengearbeitet hatten die beiden Giganten 1960, als sie mit dem Gitarristen Kenny Burrell und Schlagzeuger Donald Bailey die Erfolgsalben "Midnight Special" und "Back At The Chicken Shack" einspielten. Im Februar 1963 kam es zu einer erneuten Begegnung, bei der sich beide wieder in Top-Form präsentierten."Prayer Meetin'" war der krönende Abschluß einer wahren Aufnahmesession-Orgie war, die in nur neun Tagen vier Jimmy-Smith-Alben hervorbrachte. Exzellenten Rückhalt gaben Smith und Turrentine diesmal der Gitarrist Quentin Warren und erneut Donald Bailey, die schon seit 1961 fest zum Jimmy Smith Trio gehörten. Die Session geriet zu einer regelrechten Lehrstunde in Sachen Soul-Jazz. Im All Music Guide befindet Steve Leggett: "‘Prayer Meetin’‘ ist von Anfang bis Ende ein reines Vergnügen."