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26.05.2020

Coole Sounds in coolen Covers – Blue Note für Twerker, Bopper und Swinger

Unter der Headline "Great Reid Miles Covers" präsentiert Blue Note einmal mehr klassische LPs, die hippen Jazz mit ebensolchen Artworks von Reid Miles kombinieren.

JazzEcho-Plattenteller, Coole Sounds in coolen Covers – Blue Note für Twerker, Bopper und Swinger Blue Note Great Reid Miles Covers: Dexter Gordon - A Swingin’ Affair / Lee Morgan - The Rumproller / Jackie McLean - A Fickle Sonance

Mit seinen kultisch verehrten Arbeiten schuf Grafiker, Designer und Fotograf Reid Miles in den 1950er und 1960er Jahren das perfekte optische Äquivalent zu den innovativen Aufnahmen von Blue Note Records. Innerhalb der fortlaufenden Blue-Note-Vinyl-Serie ist die Edition "Great Reid Miles Covers" eine Hommage an den 1993 verstorbenen Künstler, dessen Werke sich viele Jazzfans rahmen ließen, um mit ihnen die Wände zu schmücken. Wie immer wurden die LPs neu von den analogen Originalbändern gemastert und in 180-Gramm-Vinyl gepresst.

 

 

 

Dexter Gordon - A Swingin' Affair

Nur zwei Tage nachdem Tenorsaxophonist Dexter Gordon im August 1962 sein klassisches Album "Go!" aufgenommen hatte, kehrte er mit denselben Musikern (Pianist Sonny Clark, Bassist Butch Warren und Schlagzeuger Billy Higgins) in Rudy Van Gelders Studio zurück, um das nicht weniger grandiose Album "A Swingin' Affair" einzuspielen. Während das Repertoire von "Go!" lediglich ein Original enthalten hatte, gibt es auf "A Swingin' Affair" davon gleich drei: zwei großartige neue Kompositionen des Tenoristen (das afro-kubanisch angehauchte "Soy Califa" und das bluesig swingende "McSplivens") und eine des Bassisten Butch Warren ("The Backbone"). Das restliche Programm besteht aus den Standards "You Stepped Out Of A Dream", "Don't Explain" und "Until The Real Thing Comes Along". Die glühende Atmosphäre der Musik spiegelt sich perfekt im meisterhaften Coverdesign wider, für das Reid Miles das von Francis Wolff geschossene wunderbare Porträtfoto Dexter Gordons in orangerote Töne getaucht hat.

 

 

 

Lee Morgan - The Rumproller

55 Jahre hat dieser Boogaloo-Klassiker nun schon auf dem Buckel, aber bis heute weiß niemand so recht, was ein "Rumproller" sein soll. Selbst Muttersprachler tun sich mit einer Antwort schwer. Wörtlich übersetzt wäre es wohl ein "Arschrotierer", also jemand, der im heutigen Jargon vielleicht "Twerker" genannt werden würde. Und genau dafür - den Hintern zu bewegen - waren mitreißende Nummern wie das von Andrew Hill komponierte Titelstück und Lee Morgans eigener Calypso "Eclipso" damals eigentlich auch gedacht. Mit dem rasanten Erfolg seiner Soul-Jazz-Hitsingle "The Sidewinder" hatte der Trompeter 1964 die Musikwelt aus den Angeln gehoben und das Boogaloo-Fieber entfacht. Wie Pilze schossen gleich darauf Nachahmer aus dem Boden. Morgan selbst versuchte an seinen Überraschungserfolg anzuknüpfen, indem er "The Rumproller" nachschob. Das Album entfaltete beim Publikum zwar nicht ganz dieselbe Zugkraft, ist aber alles andere als ein matter Zweitaufguss. Mit von der Partie waren bei der Session wieder der glänzend aufgelegte Tenorsaxophonist Joe Henderson und Schlagzeuger Billy Higgins, die an der Seite von Lee Morgan auch schon auf "The Sidewinder" brilliert hatten. Das geniale Design des Albumcovers ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie es Reid Miles verstand, die Musik eines Albums typographisch umzusetzen.

 

 

 

Jackie McLean - A Fickle Sonance

Die Aufnahmen, die Jackie McLean in den frühen 1960ern für Blue Note machte, besitzen eine ganz besondere Qualität. Denn auf ihnen hat der Altsaxophonist avantgardistische Neugier und exploratorische Leidenschaft mit hippen Elementen wie rhythmischem Draufgängertum und selbstbewusster Aggressivität kombiniert. Auf subtile Weise untergrub er dabei fast alle Konventionen und schuf so eine wirklich eigenständige Musiksprache. Damals integrierte McLean in seine Musik modale Formen, die seinen vom Blues geprägten, mit Schärfe und Intensität gespielten Soli strukturelle Geschlossenheit verliehen. "A Fickle Sonance" nahm er im Oktober 1961 mit einem fantastischen Quintett auf, aus dem zwei oft unterbewertete Musiker besonders hervorstachen: Tommy Turrentine, ein Trompeter der Clifford-Brown-Schule, und Sonny Clark, der in den späten 50ern und bis zu seinem vorzeitigen Tod 1963 einer der Haus-Pianisten von Blue Note war. Bassist Butch Warren und Schlagzeuger Billy Higgins schienen einen geradezu telepathischen Draht zu einander und zu den übrigen Musikern zu haben und sorgten dafür, dass das Ensemble nie die Bodenhaftung verlor. Für das schwarzweiße Cover mit dem giftgrünen Titelschriftzug verwendete Reid Miles den kecken Bildausschnitt eines Fotos, das Francis Wolff von Jackie McLean gemacht hatte.