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30.01.2020

Blue-Note-Drummer-LPs - mit Sticks gegen das Stigma

Drei LP-Wiederveröffentlichungen von Art Blakey, Tony Williams und Pete La Roca beweisen, dass Schlagzeuger auch hervorragende Bandleader und Komponisten sein können.

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Obwohl sich Schlagzeuger bereits in der Swingära als kompetente Bandleader profilieren konnten (Chick Webb, Gene Krupa und Buddy Rich leiteten damals einige der populärsten Bands des Jazz), schlägt ihnen auch heute noch oft eine gewisse Skepsis entgegen. Dass diese in keinster Weise gerechtfertigt ist, verdeutlichen drei LP-Reissues der erfolgreichen Blue-Note-Vinyl-Serie. Im Fokus stehen hier großartige Musiker, die - hinter ihrem Schlagzeug sitzend - als treibende Kräfte ihre Bands anführten und oft auch den Löwenanteil zum gespielten Repertoire beisteuerten. Alle drei LPs wurden von den analogen Originalbändern neu gemastert und auf 180-Gramm-Vinyl gepresst.

 

Art Blakey & The Jazz Messengers - Buhaina's Delight (1963)

Über den Zeitraum von 35 Jahren änderte Schlagzeuger Art Blakey immer wieder die Besetzung seiner Jazz Messengers, um sie mit neuen Talenten zu spicken. Eine der aufregendsten Formationen stellte er 1961 zusammen, als er den Trompeter Lee Morgan durch Freddie Hubbard und den Pianisten Bobby Timmons durch Cedar Walton ersetzte sowie als sechsten Mann den Posaunisten Curtis Fuller dazuholte. Von der vorherigen (und keineswegs minder hochkarätigen) Besetzung blieben Tenorsaxophonist Wayne Shorter und Bassist Jymie Merritt erhalten. Das kraftvolle neue Sextett ging erstmals im Oktober 1961 ins Studio, um das Album "Mosaic" aufzunehmen. Nur einen Monat später begann die vor Ideen und Spielfreude sprudelnde Band schon mit den Aufnahmen für "Buhaina's Delight", über das Michael G. Nastos im All Music Guide meint: "Sie werden kein Album finden, das besser symbolisiert, wie moderner Mainstream-Jazz klingt." "Buhaina's Delight" (nach seiner Konvertierung zum Islam nannte sich Blakey Abdullah Ibn Buhaina oder kurz Bu) bietet drei Kompositionen von Shorter ("Backstage Sally", "Contemplation" und "Reincarnation Blues"), je eine von Fuller ("Bu's Delight") und Walton ("Shaky Jake") sowie zum Abschluss ein brillantes Arrangement von Henry Mancinis "Moon River".

 

Tony Williams - Foreign Intrigue (1985)

17 Jahre alt war Tony Williams, als ihn Miles Davis 1963 in sein zweites legendäres Quintett holte. Und schon ein Jahr später konnte er mit seinem ersten Album "Life Time", für das er auch sämtliche Stücke selbst geschrieben hatte, bei Blue Note selbst als Bandleader glänzen. Für das Label war er in den 1960er Jahren darüber hinaus an der Einspielung von Post-Bop-Klassikern wie Herbie Hancocks "Maiden Voyage", Kenny Dorhams "Una Mas", Eric Dolphys "Out To Lunch", Jackie McLeans "One Step Beyond" und Andrew Hills "Point Of Departure" beteiligt. Als Blue Note nach einer kreativen Pause 1984 von Bruce Lundvall wiederbelebt wurde, kehrte Williams zu dem Label zurück, bei dem er als 18-Jähriger seine Solokarriere begonnen hatte. Für das erste Album - "Foreign Intrigue" - bildete er mit Trompeter Wallace Roney, Altsaxophonist Donald Harrison, Vibraphonist Bobby Hutcherson, Pianist Mulgrew Miller und Bassist Ron Carter, seinem einstigen Rhythmusgruppen-Partner bei Miles, eine fulminante neue akustische Band, mit der er sieben frische Eigenkompositionen aufnahm. Zu einem modernen Standard entwickelte sich vor allem die wunderbare Nummer "Sister Cheryl" mit ihrem leichtfüßig tänzelnden Latin-Beat.

 

Pete La Roca - Basra (1965)

"Eines der wenigen Alben, die Schlagzeuger Pete La Roca als Leader gemacht hat - und ein Juwel durch und durch", heißt es bei Dusty Groove über "Basra". "La Roca hatte auf dem Schlagzeug einen unvergleichlichen Klang - frei, aber nie 'out'- und spielte in einem wallenden, progressiven Stil, der den Weg zum Sound des Jazz der 70er wies, aber immer noch fest im gefühlvollen Stil der 60er verwurzelt war." Max Roach hatte den 19-jährigen La Roca (der eigentlich Peter Sims hieß) 1957 bei einer Session im Birdland entdeckt. Als Roach Sonny Rollins bei einem Auftritt im Village Vanguard nicht zur Verfügung stand, empfahl er La Roca als seinen Ersatzmann (ein Konzertmitschnitt erschien auf dem Blue-Note-Album "A Night At The Village Vanguard"). Danach begleitete der aufstrebende Schlagzeuger bei Plattensessions und Live-Auftritten noch Größen wie Charles Lloyd, Sonny Clark, Joe Henderson, Freddie Hubbard, Paul Bley und Steve Kuhn. Unter eigenem Namen aber nahm Pete La Roca in seiner ganzen Karriere nur drei Alben auf. Das erste war 1965 "Basra". Zusammen mit dem sehr inspiriert wirkenden Tenorsaxophonisten Joe Henderson, Pianist Steve Kuhn und Steve Swallow am Kontrabass (!) spielte La Roca für das absolut fesselnde Album drei feine eigene Stücke, eine frühe Swallow-Komposition ("Eiderdown"), eine atemberaubende Version von Ernesto Lecuonas Klassiker "Malagueña" und die Ballade "Lazy Afternoon" ein.