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03.05.2018

Jazz-At-The-Philharmonic-LP - Lester Young hat den Carnegie Blues

Zwischen 1944 und 1957 waren die von Norman Granz organisierten JATP-Konzerte eine Institution. Legendäre Aufnahmen des Saxophonisten Lester Young werden nun erstmals auf LP veröffentlicht.

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Die von Produzent Norman Granz veranstalteten Jazz-At-The-Philharmonic-Konzerte gelten noch heute als wegweisend. Mehr als 30 Jahre nach ihrer posthumen CD-Erstveröffentlichung 1985 werden jetzt ausgewählte Mitschnitte erstmals auch auf LP aufgelegt.

 

Die Bedeutung der JATP-Konzert- und Tourneereihe, die in Amerika vor allem zwischen 1944 und 1957 stattfand, lässt sich nur schwer überbewerten. Nicht nur, dass Norman Granz die angeblichen Grenzen zwischen E- und U-Musik verschob, sein fairer und respektvoller Umgang mit Musikern, die er nach künstlerischen und weniger kommerziellen Gesichtspunkten auswählte; sein vehementes Insistieren auf eine gemischt-rassige Normalität sowohl auf als auch vor der Bühne; und die schlichte Tatsache, dass industriell verwertbare Aufnahmen bzw. Mitschnitte von Live-Konzerten eigentlich eine Idee von Granz selbst war, sind die wohl offensichtlichsten, längst aber nicht einzigen Gründe dafür, dass Jazz At The Philharmonic zu dem Vermächtnis werden konnte, das es heute darstellt.

 

Ohne "seine" Künstler allerdings, wäre JATP über den Status eines von Granz erdachten Luftschlosses kaum hinausgekommen. Ihre Prominenz und ihr Image waren die Pfunde, mit denen Granz geschickt wucherte. Einige von ihnen entpuppten sich dabei als - heute würde man sagen - systemrelevanter als andere. Zu ihnen gehörten neben Ella Fitzgerald, Ray Brown, Illinois Jacquet und Oscar Peterson auch Lester "Pres" Young, dessen "Carnegie Blues"-Aufnahmen 1985 erstmalig auf CD veröffentlicht wurden. Die Mitschnitte stammen von JATP-Konzerten zwischen 1946 und 1957. Auf allen acht Aufnahmen präsentiert sich das ehemalige Vorzeigemitglied des Count-Basie-Orchesters als für und mit kleineren Ensembles ebenso kompatibel. 

 

Während die vier Stücke auf der A-Seite allesamt mit einer Rhythmusgruppe bestehend aus Kenny Kersey am Klavier, Al McKibbon am Bass und J.C. Heard (großartige Soli auf "Tea for Two" und "Lester Gambols") als Trommler eingespielt worden, sind es auf der zweiten Seite Ray Brown und Oscar Peterson an Bass und Klavier respektive, die mit J.C. Heard den rhythmischen Boden bestellen. Letzterer wird nur auf dem "Medley" von Jo Jones ersetzt - in Verbindung mit "I Cover The Waterfront" die einzigen beiden Titel gemäßigteren Tempos auf dem Album. Insbesondere "Lester Gambols" scheint hier Geschwindigkeitsrekorde brechen zu wollen, was Youngs Performance aber in keiner Weise anficht. Die seiner famosen Mitstreiter übrigens auch nicht. Apropos famose Mitstreiter - dass auch Coleman Hawkins und Illinois Jacquet auf dem Cover namentlich genannt werden, haben sie ausschließlich dem Umstand zu verdanken, dass sie sich auf dem gut 11-minütigen Titelstück präsentieren dürfen - im Anschluss an das Solo vom "Pres".

 

Dass Verve diese als historisch zu bewertenden Dokumente noch einmal neu auflegt, wunderbarerweise als 180gr-LP mit Download-Code, wurde Zeit. Nicht nur, dass die zuletzt 1985 veröffentlichten Aufnahmen akustisch über den beeindruckenden Stand und die konsequente Weiterentwicklung noch heute gültiger Live-Jazz-Formate Zeugnis ablegen, sie sind eine inspirierende Quelle für den auf Interpretation und Improvisation basierenden Jungbrunnen, der auf immer und ewig im Herzen des Jazz sprudelt.