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25.08.2011

Discosound von der Waterkant - Kai Warner

Eigentlich wollte er ja immer eine Symphonie schreiben. Doch stattdessen entwickelte Kai Warner in Hamburg über Jahrzehnte einen Bigband-Sound, der seinen Höhepunkt während der Discowelle erreichte.

Jazz Club, Discosound von der Waterkant - Kai Warner © Universal Music Kai Warner c Universal Music

Disco-Fieber gefällig? Zwanzig musikalische Perlen aus den kontroversen Siebziger Jahren lassen sich jetzt in der preisgünstigen JAZZ CLUB-Serie wieder neu entdecken. Kai Warner, bürgerlich Werner Last und älterer Bruder von Hans 'James' Last, hatte sich seit Mitte der Sechziger Jahre beim Hamburger Polydor-Label einen exzellenten Ruf erspielt. Er hatte mit der „Go In“-Serie seine eigene erfolgreiche Schallplattenreihe, entdeckte und produzierte Gesangsstars wie Renate Kern und lieferte mithin einen der swingendsten und ausgefeiltesten Orchestersounds Westeuropas.

Doch Mitte der Siebziger Jahre veränderten sich Popkultur und Musikgeschmack - statt Partysound war nun Discosound angesagt. Doch nichts leichter als das: auch Kai Warner veränderte seinen Sound radikal, adaptierte den damals populären Stil von Barry White und Rhythm Heritage mit deutscher Perfektion, würzte mit vielschichtigen Instrumentierungen und veredelte zuweilen mit eigenen, zeitlosen Melodien. Bereits seine ersten beiden LPs nach dem ‚Imagewechsel’ - „On The Road To Philadelphia" und "Salsoul Explosion" - gerieten zu Klassikern und klangen so, als hätte Warner nie etwas anderes geschrieben. Hier entstand zeitloser Discosound in Perfektion, hergestellt ohne technische Spielereien und handgemacht von den besten Musikern, die Hamburg im U-Musik-Bereich zu bieten hatte.

Die jetzt erschienene Compilation „Warner’s Disco Party“ präsentiert erstmals auf CD Warners Versionen von unzerstörbaren Philly-Klassikern wie "Can't Get Enough Of Your Love, Babe" und "T.S.O.P." oder aufgepeppte Arrangements von Evergreens wie "Candy", "Caravan", "Cherokee" oder "Eight Days A Week". Witzig auch die beiden Bearbeitungen nach Tschaikowsky ("Slavonic March") und Mozart ("A Little Disco Music"). Vereinzelt öffnete Warner damals auch seine eigene 'Melodientruhe', so zu vernehmen bei "Shish-Kebab", "Margie's Hustle" und dem finalen Titel "Surrender"; hier beweist er, dass gut gemachte Discomusik die Melodie nicht 'zukleistert', dass weitläufiger Sound in engen Hamburger Tonstudios produziert werden konnte, dass zeitlose Gebrauchsmusik nur ein Geschäft für echte Könner ist.

Kai Warner hat die Wiederentdeckung seiner Musik im neuen Jahrtausend leider nicht mehr erlebt; bereits 1982 schloss er für immer sein Notenheft. Seine Symphonie hat er leider nie geschrieben, dafür hinterließ er den hier zu hörenden, geradezu schwelgerischen Discosound, der die Zeiten überdauern wird.