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19.08.2011

Horst Jankowski - Eine Schwarzwaldfahrt in die Hitparade

Anfang der Sechziger Jahre galt Pianist Horst Jankowski noch als „Jazz-Wunderkind“, dann gelang ihm durch Zufall ein Hit, der alles verändern sollte. Zwei neue CDs der JAZZ CLUB-Reihe präsentieren ihn und seinen Welthit.

Jazz Club, Horst Jankowski - Eine Schwarzwaldfahrt in die Hitparade Horst Jankowski

Horst Jankowskis „Schwarzwaldfahrt“ kennen Sie, wetten? Selbst wenn Ihnen dieser alles andere als jazzige Songtitel kein Begriff sein sollte, werden Sie beim Erklingen der Melodie „Ach so!“ ausrufen. Es ist einer dieser verteufelt vergnügten Ohrwürmer vom Schlage „Baby Elephant Walk“ (Mancini) oder „Tijuana Taxi“ (Alpert). Eigentlich war Horst Jankowski zu jener Zeit mit Haut und Haaren dem Cool Jazz verschrieben, die „eigentlich ziemlich kitschige“ (Jankowskis Selbsteinschätzung) Schwarzwald-Nummer wurde fast zum Schrecken des Pianisten selber zum Welthit uns sollte fortan seine Visitenkarte werden.

Schon als knapp Zwanzigjähriger hatte Jankowski 1955 den begehrten Klavierstuhl der SDR-Bigband von Erwin Lehn erklommen und kurz darauf Jazz-Stars wie Miles Davis, Tony Scott und Ella Fitzgerald begleitet. In dieser Zeit als Pianist bei der Bigband des Süddeutschen Rundfunks hatte Jankowski auch die „Jankowski Singers“ gegründet, ein Vokalensemble mit dem er einen Schallplattenvertrag bei der Philips ergatterte und unter anderem LPs mit swingenden Versionen von Songs aus dem Hit-Musical „My Fair Lady“ und Operettenschlagern aufnahm. Auf eine darauf folgende LP schmuggelte Jankowski dann einen Titel, den er eigentlich lediglich für einen Tourismus-Werbefilm komponiert hatte, die „Schwarzwaldfahrt“.

Nachdem einige deutsche Radiostationen „Eine Schwarzwaldfahrt“ in ihr Programm aufgenommen hatten, stieg bundesweit die Nachfrage nach diesem Ohrwurm derartig, dass die Philips sich genötigt sah, eine Single davon zu veröffentlichen. Doch damit nicht genug, unter dem Titel „A Walk In The Black Forest“ entwickelte sich der Titel auch international zu einem Riesen-Hit. In den USA wurde er mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet, Coverversionen entstanden unter anderem von Quincy Jones, Ray Conniff, Herb Alpert, Salena Jones und Floyd Cramer. Für den ehemaligen Jazz-Pianisten wurde der Welthit zu Segen und Fluch gleichzeitig. Jankowskis folgende Schallplatten wurden aufgrund seines bekannten Namens zwar zu Verkaufserfolgen (obwohl ihm ein ebenso großer Hit wie die „Schwarzwaldfahrt“ nicht mehr gelingen sollte), in den Augen des Publikums war er aber nun für immer auf den fröhlich swingenden „Schwarzwald-Sound“ festgenagelt. Obwohl Jankowski immer wieder versuchte, auch als Jazz-Pianist ernst genommen zu werden (z.B. mit seinem hoch gelobten Quartett-Album „Jankowskinetik“), galt er für die „Jazz-Polizei“ als für immer an die Unterhaltungsmusik verloren. Nach der Phase seiner vielen Easy-Listening-LPs arbeitete Jankowski dann später verstärkt als Film- und TV-Komponist und übernahm die Leitung der Rias-Bigband.

Hört man als Jazz-Freund heute Horst Jankowskis „Schwarzwaldfahrt“ und seine anderen Aufnahmen aus den Sechziger Jahren, so sollte man dem „Jazzer“ Jankowski eine Chance geben. Unter dem Zucker der süßen Melodien und den beschwingten Arrangements ist auch immer der grandiose Pianist Jankowski zu erkennen, der swingt, improvisiert und diese längst vergangene Art der Unterhaltungsmusik zum Fliegen bringt.