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12.08.2011

Aus Schlager-Star wird Gangsterbraut - Connie Francis im Jazz Club

„Schöner fremder Mann“, „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ und so weiter - in Deutschland wird Connie Francis wohl für immer als Schlagersängerin festgenagelt bleiben. Dabei bewies sie sich auch immer wieder als grandiose Interpretin swingender Songs.

Jazz Club, Aus Schlager-Star wird Gangsterbraut - Connie Francis im Jazz Club © MGM Records Connie Francis UMGready c MGM Records

Der Film "Bonnie & Clyde", am 13.August 1967 in New York uraufgeführt, war einer der größten Kassenschlager der 1960er Jahre. Unter der Regie von Arthur Penn spielten Faye Dunaway und Warren Beatty das Gangsterpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow, die in den USA der 1930er Jahre Autos stehlen, Geschäfte und Banken überfallen, Leute an- und erschießen und zum Schluss, nachdem sie ein neues Leben ohne Verbrechen anfangen wollen, von einem Spezialkommando aus dem Hinterhalt erschossen werden.

Offensichtlich war der Film auch Gesprächsthema bei einer Besprechung des Vorstands von MGM Records im März 1968 mit der wichtigsten Interpretin des Labels, Connie Francis. Die Sängerin, deren Karriere 1958 mit dem Revival eines Songs aus 1923, „Who’s Sorry Now?“ begann, war in atemberaubend kurzer Zeit zur weltweit erfolgreichsten Sängerin avanciert, mit einer Bandbreite von Pop, Rock’n‘Roll, Standards, Jazz, Country & Western, Film- und Musical-Songs bis hin zu Weihnachts- und Kinderliedern. Die Vielseitigkeit zahlte sich für Connie Francis aus: mit über 300 Millionen verkaufter Tonträger ist sie bis heute eine der erfolgreichsten Interpretinnen aller Zeiten.

Ob es einem plötzlichen Einfall, wieder einmal etwas Neues auszuprobieren oder einem simplen Wortspiel mit den Vornamen Bonnie/Connie geschuldet war, steht nicht fest, wohl aber, dass in der erwähnten Besprechung Connie Francis beschloss, ein Album mit den swingenden Songs der 1930er Jahre aufzunehmen. Die „Königin von MGM“  war aufgrund ihres Vertrages in einer in der Plattenindustrie wohl einmaligen Lage: sie konnte selbst darüber bestimmen, was sie wo und mit wem aufnehmen wollte und was davon veröffentlicht wurde.

Für die Arrangements konnte Connie den großartigen Don Costa verpflichten, der auch für Künstler wie Frank Sinatra und Dean Martin tätig war. In der für heutige Musikaufnahmen undenkbar kurzen Zeit  von nur drei Tagen wurde die komplette LP aufgenommen und bereits Ende Mai 1968 veröffentlicht. Die Aufnahmen fanden live mit Orchester statt, und Connie erinnert sich noch heute gerne an die kreativen Aufnahmen, an den Enthusiasmus aller Beteiligten und an das Gefühl, etwas Besonders geleistet zu haben. In der Tat entstand in den New Yorker Columbia Recording Studios ein ungewöhnliches Album voller Power und von hohem künstlerischen Kaliber. „Connie & Clyde“ is nicht nur der Sängerin eigene Lieblings-LP, sondern auch ein Meilenstein der Pop-Geschichte, heutzutage fast vergessen, aber umso mehr wert, jetzt neu entdeckt zu werden. Die von Francis-Fans lang erwartete CD-Veröffentlichung beinhaltet zusätzliche acht jazzige Bonustracks aus den hochgelobten LPs „A New Kind Of Connie“ (1964) und „Happiness“ (1967).