Termine
Jan Garbarek, Jan Garbarek Group
21.10.2019 Köln, Kölner Philharmonie
Jan Garbarek Group
Tickets kaufen

weitere Highlights
29.10.2019 Wien, Wiener Konzerthaus
Jan Garbarek Group feat. Trilok Gurtu
Tickets kaufen

11.11.2019 Hamburg, Elbphilharmonie - Großer Saal
Jan Garbarek Group feat. Trilok Gurtu
Tickets kaufen

18.03.2020 Luzern, KKL Luzern - Konzertsaal
Jan Garbarek Group feat. Trilok Gurtu - Jazz Classics Luzern 2019/20
Tickets kaufen

Facebook

Artikel

08.11.2012

Neu miteinander verwoben - Eberhard Weber mit "Résumé"

Auf dem Album “Résumé” zieht der Bassist Eberhard Weber auf ungewöhnliche Art Bilanz seiner Jahre als Mitglied und Solist in der Jan Garbarek Group.

Jan Garbarek, Neu miteinander verwoben © Nadia F. Romanini / ECM Records Eberhard Weber

“Résumé” ist ein etwas anderes “Live-Album”. Aufnahmen, die bei zwölf Konzerten zwischen Amsterdam und Santiago de Chile mitgeschnitten wurden, lieferten Eberhard Weber das Quellenmaterial, aus dem er für dieses Album etwas ganz Neues formte. Der innovative Bassist absolvierte in den Jahren, in denen er Mitglied der Jan Garbarek Group war, über Tausend Auftritte. Und bei jedem räumte ihm der Bandleader Raum für ein ausgiebiges Solo-Feature ein, bei dem sich Weber in für ihn typischer Weise über die Definition eines jazzigen Basssolos hinwegsetzte. Für “Résumé” hat Eberhard Weber auf diese aufgezeichneten Solo-Sequenzen zurückgegriffen und sie zu einem einzigartigen Album mit einem ganz eigenen Sinn für musikalischen Fluss verarbeitet.

Aphorismen, Überraschungen und neue Klangfarben

Webers unbegleitete Soli hatten ursprünglich eine doppelte Funktion. “Zum einen waren sie als Überleitung gedacht, um im laufenden Programm der Gruppe zwei Kompositionsblöcke unterschiedlicher Tonarten, Couleurs und Tempi zu verbinden”, erläutert der Bassist in den Linernotes zu “Résumé”. “Zum anderen, um zu den sehr vielfältigen Farben des Programms eine weitere hinzuzufügen, quasi eine persönliche, eine eigene. Die Vorgabe war, nach Verlassen der Tonart des Ausgangsstücks, erfinderisch zu sein, um nach einer ausgedehnten, mit eigenen Ideen angereicherten Minutenzahl an die nächste Komposition heranzuführen.” Für “Résumé” verzichtete Weber auf die zweckgebundenen “überleitenden” Elemente und ersetzte sie durch “Aphorismen, kleine Überraschungen und Farben zur Hinzufügung anderer Instrumente”.

Gastauftritte von Jan Garbarek und Michael DiPasqua

Als Gäste lud er zwei alte Freunde zur Mitwirkung ein. Jan Garbarek ist in “Bath” mit einer Selje-Obertonflöte zu hören und bereichert “Amsterdam” und “Bochum” (die Stücke wurden allesamt nach den ursprünglichen Aufnahmeorten benannt) mit zeitgenössischen Saxophon-Overdubs. Michael DiPasqua (der mit dem Bassisten in den frühen 80ern in der Garbarek Group zusammengespielte hatte - u.a. auf den Alben “Wayfarer” und “It’s OK To Listen To The Gray Voice” - und auch auf Webers Soloalben “Later That Evening” und “Endless Days”mitspielte) beteiligte sich als Schlagzeuger und Perkussionist an der Vollendung von “Bochum” und “Lazise”. Hauptsächlich aber hört man auf diesem Album den unverwechselbaren Sound des eigens für Weber angefertigten Elektrobasses.

Verwischung zwischen Originalaufnahme und Überarbeitung

“Wer meine Aktivitäten über viele Jahre verfolgt hat, weiß dass ich zum Erhalt einer größeren Farbigkeit des Solobass-Spiels ein Delay, also ein Echogerät einsetzte, mit dem ich die Klänge meines Basses live aufnehmen konnte, sie vervielfältigte, mir sozusagen ein eigenes spontanes Playback herstellte, über das ich nun Solistisches improvisieren konnte. Diese Playback-Loops waren in meinem Effektgerät nicht speicherbar, konnten also nur für dieses spontane Solo, an diesem Abend, für diese wenigen Minute gelten. Mein Spezialinstrument, ein 5-saitiger Elektro-Kontrabass, hat frappierende Klangmöglichkeiten, die erfreulicherweise durch diese zusätzlichen Vervielfältigungen weiter angereichert werden konnten. Nur so konnte ich auch lange Soloabende erfolgreich füllen. Es ist für mich unerheblich, ob jetzt noch erkennbar ist, was original gespielt war. Denn durch das Verwenden dieses Delay-Effekts entstanden bereits per se verblüffende Überlagerungen. Jetzt, nach Fertigstellung der einzelnen Soloausschnitte, ist es selbst mir nicht immer möglich, spontan herauszuhören, was ich damals im Original spielte und was ich erst nachträglich hinzufügte. Das Kopfzerbrechen, in welche (Jazz-)Schublade diese Art von Musikumsetzung passt, ist mir seit je fremd."