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26.02.2016

Zwei Alben auf einer CD - Yusef Lateef, der spirituelle Klangsucher

Impulse 2-on-1, Zwei Alben auf einer CD - Yusef Lateef, der spirituelle Klangsucher Impulse 2-on-1 Yusef Lateef

Innerhalb der erfolgreichen Impulse 2-On-1-Serie erscheinen jeweils zwei Alben eines Impulse-Künstlers auf einer CD. Einige davon gibt es hier zum ersten Mal in diesem Format, sämtliche Aufnahmen wurden für die Wiederveröffentlichungen digital remastert, die kompletten LP-Artworks werden in den Farbbooklets originalgetreu reproduziert. Jeweils eine der zwölf aktuellen Folgen stellen wir hier wöchentlich vor.

Sollte der 2013 verstorbene Yusef Lateef in seinem Grab einen Internetanschluss haben und nach Zitaten googlen, die ihm zugeschrieben werden, dürfte er aus dem Rotieren kaum noch herauskommen. Denn so ziemlich das erste (und häufigste), auf das man stößt, ist der Satz: "Meine Musik ist Jazz." Dabei hat Lateef sich schon sehr früh von dieser Bezeichnung distanziert, die er für obszön und pejorativ hielt, und kreierte stattdessen den Begriff "autophysiopsychische Musik". Damit meinte er Musik, die aus dem physischen, geistigen und spirituellen Ich eines Musikers entsteht. "Lateefs Persönlichkeit - seine Neigung zum Spirituellen und seine umfassende musikalische Neugier - brachte ihn mit einer wachsenden Zahl von Jazzmusikern, darunter insbesondere John Coltrane, in Verbindung und führte zu einem Plattenvertrag [bei Impulse Records]", merkte Ashley Kahn in seinem Buch "Impulse - Das Label, das Coltrane erschuf" an. 

Bob Thiele sei Dank konnte Lateef in den 1960er Jahren bei Impulse Records seine Vorstellungen uneingeschränkt umsetzen. "Es stand mir frei aufzunehmen, was ich wollte", sagte er später einmal. "Das war für mich ein starkes Argument. Wenn man einer Person ihre Freiheit lässt, gibt sie dir alles. Ich denke, Bob Thiele hatte das begriffen." Zwischen 1963 und 1966 nahm Lateef für das Label sechs Alben auf, die als wegweisend gelten. Zwei davon, "1984" und "The Golden Flute", werden nun zusammen auf einer CD wiederveröffentlicht. 

Das Live-Album "1984" (dessen Titel übrigens nichts mit Orwells Roman zu tun hatte, sondern schlicht eine Anspielung auf die ursprüngliche Katalognummer des Albums war) entstand 1965 mit Pianist Mike Nock, Bassist Reggie Workman und Schlagzeuger James Black. Laut dem im All Music Guide "erreichte Yusef Lateefs Experimentalismus hier die Stratosphäre". Auf seinem letzten Impulse-Album "The Golden Flute" setzte sich der Saxophonist, Flötist und Oboespieler, diesmal begleitet von Pianist Hugh Lawson, Bassist Herman Wright und Drummer Roy Brooks Jr., wiederum vor allem mit älteren Stücken (darunter Nat King Coles "Straighten Up And Fly Right" und Bing Crosbys "I Don't Stand A Ghost Of A Chance With You" !) und Stilen auseinander. 

Hier geht's zur kompletten Übersicht der Impulse 2-On-1-Serie.