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22.01.2016

Zwei Alben auf einer CD - Keith Jarrett "frei und bisweilen ausgeflippt"

Impulse 2-on-1, Zwei Alben auf einer CD - Keith Jarrett frei und bisweilen ausgeflippt Keith Jarrett - Death And The Flower / Backhand - 2016

Innerhalb der erfolgreichen Impulse 2-On-1-Serie erscheinen jeweils zwei Alben eines Impulse-Künstlers auf einer CD. Einige davon gibt es hier zum ersten Mal in diesem Format, sämtliche Aufnahmen wurden für die Wiederveröffentlichungen digital remastert, die kompletten LP-Artworks werden in den Farbbooklets originalgetreu reproduziert. Jeweils eine der zwölf aktuellen Folgen stellen wir hier wöchentlich vor.

Die ersten vier Platten, die Keith Jarrett mit seinem amerikanischen Quartett für Impulse einspielte, gelten, wie Ashley Kahn in seinem Buch "Impulse - Das Label, das Coltrane erschuf" schrieb, "als der schlüssigste und einflussreichste experimentelle akustische Jazz jenes Jahrzehnts." Nach "Fort Yawuh" und "Treasure Island" folgen in der Impulse 2-on-1-Serie nun auch die anderen beiden Alben, "Death And The Flower" und "Backhand", die bei einer zweitägigen Aufnahmesession im Oktober 1974 entstanden, nur wenige Monate, bevor der Pianist in Köln jenes sagenumwobene Solokonzert gab, das für ihn zugleich ein Segen und Fluch war. Zum eigentlichen Quartett mit Dewey Redman, Charlie Haden und Paul Motian stieß bei diesen Sessions der brasilianische Perkussionist Guilherme Franco.

"Ich bin nicht an Leuten interessiert, die an genau das gleiche glauben wie ich. Mich interessiert allein, wie viel sie hören, während sie spielen," erklärte Jarrett die Grundmaxime seiner Band. "Wir wissen alle, dass wir uns immer noch verändern, solange wir imstande sind, zusammen zu spielen." Auf den Studioalben "Death And The Flower" und "Backhand" durften sich Jarrett und seine Mitmusiker Freiheiten herausnehmen, die normalerweise nur Live-Aufnahmen vorbehalten waren. Bestes Beispiel dafür ist das beinahe 23-minütige "Death And The Flower", das mit atmosphärischen Klängen beginnt, sich dann zu einer intensiven Gruppenimprovisation entwickelt, um schließlich wieder zur Anfangsstimmung zurückzukehren. "Obgleich Keith Jarrett nominell der Kopf und zugleich der hauptsächliche Komponist der Gruppe war, herrschte dort eine an Ornette Coleman erinnernde Demokratie", merkt Ashley Kahn an. "Frei und bisweilen ausgeflippt wurde improvisiert, ohne dass Jarrett dabei die Führung beansprucht hätte."

Hier geht's zur kompletten Übersicht der Impulse 2-On-1-Serie.