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02.05.2018

Sorry, nur noch Stehplätze - Sinatras neueste Live-Box

Rechtzeitig zu Frank Sinatras 20. Todestag am 14. Mai erscheint eine Sammlung größtenteils unveröffentlichter Konzertmitschnitte aus den 1960er-, '70er- und '80er-Jahren.

Frank Sinatra, Sorry, nur noch Stehplätze - Sinatras neueste Live-Box Frank Sinatra - Standing Room Only

Er war der erste Popstar, ein Publikumsmagnet, der geborene Entertainer. Seine Konzerte waren stets ausverkauft, und die Fans standen Schlange vor Clubs und Konzerthallen, in der Hoffnung, wenigstens noch einen Stehplatz zu ergattern, um ihn auf der Bühne mit Klassikern wie "Come Fly With Me", "My Way", "You Make Me Feel So Young", "The Lady Is A Tramp", "New York, New York" und so vielen anderen zu erleben. Wie kein anderer konnte Frank Sinatra auf seinen Konzerten das Publikum mitreißen, bezaubern, um den Finger wickeln, erreichen, dass es sich in den Geschichten seiner Songs verlor. Er schaffte das, weil er sich selbst zu 100% in seine Songs einfühle und involviere, kommentierte er einmal. Er könne gar nicht anders.

 

Die neue 3-CD-Box "Standing Room Only" hat jetzt drei bemerkenswerte Konzerte des "Chairman of the Board" aus den Archiven geholt und klanglich aufgearbeitet, beginnend mit einer Show vom 28. Januar 1966 mit Count Basie im berühmten Casino-Hotel The Sands in Las Vegas (es ist die von Sammlern gesuchte zweite Show des Abends). Diese Aufnahme wird für die Fans sicherlich das Highlight der Box sein. Sie entstand auf dem Gipfel seiner Popularität, einige Jahre nach dem epochalen "Sinatra-Basie"-Album und seinem Follow-Up "It Might As Well Be Spring". 1966 rüttelten zwar schon die Beatles an seinem Thron, er war längst kein Teenie-Idol mehr, aber noch war Sinatras Status ungebrochen. Die Top-Besetzung (am Dirigentenpult stand der noch junge Quincy Jones) passte perfekt zum stilvollen Auftrittsort. Der Mitschnitt fängt die magischen Momente in unübertroffener Klangqualität ein.

 

 

Bis zum Ende seiner schillernden Karriere blieb Sinatra eine US-amerikanische Institution. CD 2 enthält sein bisher unveröffentlichtes Konzert vom 7. Oktober 1974 in Philadelphias Spectrum Arena, wo Sinatra vor 17.000 Menschen sang. In der Ära Ronald Reagans hatte er ein weiteres Comeback. Sein letztes Solo-Album "L.A. Is My Lady" bekam glänzende Kritiken. Sinatra tourte ein weiteres Mal mit seinen Ratpack-Kollegen Dean Martin und Sammy Davis Jr.; Millionen sahen seinen Gastauftritt in der TV-Serie "Magnum". Ein bisher nur in Auszügen erschienener Mitschnitt seines Auftritts von 1987 in der Reunion Arena von Dallas fängt ihn in dieser vorletzten Karrierephase ein (erst in den 1990ern setzte Sinatra mit seinen beiden "Duets"-Alben den Paukenschlag zum großen Finale).

 

Auch heute noch scheuen selbst die erfolgreichsten Stars den direkten Vergleich mit Sinatra. Er spielte 1400 Aufnahmen ein, verkaufte 'zig Millionen Alben, wirkte in über 60 Filmen mit, gewann Oscars und alle denkbaren anderen Preise. Sinatra erfand sich mehrmals neu und blieb dabei immer er selbst. Wie er so subtil im Laufe der Jahrzehnte changierte, kann man vortrefflich auf den neu aufgelegten Konzertaufnahmen von "Standing Room Only" nachhören. Keiner hat es bisher geschafft, ihn zu kopieren. Dieser schmale Grat zwischen Gesang und Gespräch, dieser New Yorker-Akzent, diese Intimität gehören bis heute "Ol´ Blue Eyes" allein. He did it his way!

 

"Standing Room Only" wurden vom kalifornischen Post-Production-Profi Larry Walsh in den NBC-Universal-Audio-Studios remixt und von Seth Foster (Ella Fitzgerald, Johnny Cash, Eric Clapton) remastert. Die 3-CD-Box enthält ein 30-seitiges Booklet mit Liner-Notes und seltenen Fotos.