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05.10.2018

ECM im November - neue Alben von Andrew Cyrille und Florian Weber

Am zweiten November erscheinen bei ECM das Trio-Album "Lebroba" von Andrew Cyrille, Wadada Leo Smith und Bill Frisell sowie Pianist Florian Webers Solodebüt "Lucent Waters".

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Nach einer von der Kritik gefeierten Duo-Einspielung mit dem Trompeter Markus Stockhausen ("Alba", 2016), präsentiert der Pianist Florian Weber nun sein erstes ECM-Album unter eigenem Namen. Auf "Lucent Waters" führt der gebürtige Detmolder ein exzellent besetztes amerikanisches Quartett durch ein Programm mit Eigenkompositionen und Skizzen. In "Honestlee" zollt er seinem Mentor Lee Konitz Tribut, schlägt dann im glitzernden "Melody Of A Waterfall" impressionistische Töne an oder erschafft in "Butterfly Effect" aus Klangfragmenten ein effektvolles dramatisches Stück. Dabei gelingt es Weber stets, seine Mitmusiker zu erfrischenden Reaktionen anzuspornen. "Ich wollte dieses Projekt so offen wie möglich gestalten", sagt er. "Wichtig sind hier vor allem die Idee der Erkundung und die Unterschiede zwischen den Musikern." Der kräftige, geerdete Bass von Linda May Han Oh kontrastiert eindrucksvoll mit Nasheet Waits flinken, flüssigen Schlagzeug-Rhythmen. Gemeinsam entwerfen sie immer wieder neue Rahmen für Ralph Alessis elegant-erfinderische Trompete und das höchst kreative Klavierspiel des Leaders. Einen ersten Höreindruck von dem Album, das am 18. November erscheint, vermittelt die Nummer "From Cousteau’s Point Of View", die schon jetzt auf allen Streaming-Plattformen verfügbar ist.
"Lebroba", der Titel von Andrew Cyrilles neuem Trio-Album mit Wadada Leo Smith und Bill Frisell, ist eine Wortkreation aus den Anfangsbuchstaben der Geburtsorte der drei Protagonisten: Leland, Brooklyn und Baltimore. Das Album bringt drei Freigeister der kreativen Musik zusammen, deren ECM-Geschichte weit in die Vergangenheit zurückreicht: Schlagzeuger Andrew Cyrille begleitete Marion Brown schon 1970 bei der Einspielung von "Afternoon Of A Georgia Faun", Trompeter Wadada Leo Smith debütierte für das Label 1978 mit "Divine Love" und Gitarrist Bill Frisell war erstmals 1979 auf Eberhard Webers "Fluid Rustle" zu hören. Alle drei Alben gelten als echte ECM-Klassiker! Und Cyrille, Smith und Frisell sind natürlich längst als Musiker von nachhaltigem Einfluss bekannt. Während Frisell 2016 schon auf Andrew Cyrilles vorausgegangenem ECM-Album "The Declaration Of Musical Independence" mitgewirkt hat, kommt es auf "Lebroba" zum ersten Aufeinandertreffen zwischen dem Gitarristen und Wadada Leo Smith. Als großzügiger Leader gewährt Cyrille seinen Kollegen viel Freiraum. Zum Repertoire steuern alle drei Musiker eigene Kompositionen bei, wobei "Turiya", Wadadas elegante Hommage an Alice Coltrane, sich langsam über 17 Minuten hinweg entfalten darf. In seinen eigenen Stücken, "Lebroba" und "Pretty Beauty", spielt Cyrille sein Schlagzeug selten auf herkömmliche Weise, sondern bevorzugt melodisch und interaktiv, mit Gespür für Tonlagen und Raum. Obwohl es gelegentliche Anklänge an westafrikanische Musik, den Blues und die Geschichte des Jazzschlagzeugspiels gibt, ist Cyrilles Priorität heute ein elliptischer Stil, bei dem der Takt eher angedeutet als ausformuliert wird. Auf Streaming-Plattformen kann man sich schon jetzt das Titelstück "Lebroba" anhören. Das Album selbst erscheint erst am zweiten November, kann aber - so wie auch Florian Webers "Lucent Waters" - ab sofort vorbestellt werden.