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ECM 40 Jahre - 2010
ECM 40 Jahre - 2011
ECM 40 Jahre - 2009
ECM bewegt sich unaufhaltsam auf den 40. Geburtstag zu und dokumentiert weiterhin Musik, die abseits des improvisatorischen und kompositorischen Mainstreams liegt. Die Arbeit geht weiter, Manfred Eicher produziert immer noch fast alle Neuerscheinungen des Labels, und wie es dabei zugeht, zeigt – in Ansätzen – der Film „Sounds and Silence (Unterwegs mit Manfred Eicher)“ der Schweizer Filmemacher Norbert Wiedmer und Peter Guyer, der beim Filmfest Locarno zum ersten Mal gezeigt wird.
Im Herbst bringt der Suhrkamp Verlag „Holozän“, den 1990 von Eicher und Heinz Bütler gedrehten Film, auf DVD heraus. Der Schweizer Lars Müller Verlag publiziert den zweiten Band mit ECM Cover Art (in deutscher und englischer Sprache) und rund um die Welt finden zahlreiche ECM Festivals und Veranstaltungen statt. Das Mannheimer Enjoy Festival widmet ECM beispielsweise gleich vier Tage mit Jazz- und Klassikonzerten.
Neue CDs gibt es natürlich auch – und neue LPs auch (wieder): Nach 15 Jahren Pause kehrt das Vinyl aus der Verbannung zurück, und Keith Jarretts „Yesterdays“ und Enrico Ravas „New York Days“ werden auch als Doppel-LP, gepresst auf 180-Gramm-Vinyl, für Audiophile veröffentlicht. Auf Ravas Produktion ist erstmals der Tenorsaxophonist Mark Turner zu hören, dessen schlanker, an Warne Marsh erinnerender Sound wenig später auch auf „Sky & Country“ des Trios Fly mit Larry Grenadier und Jeff Ballard auftaucht.
2009 ist ein gutes Jahr für Jazz. Steve Kuhn setzt sich auf dem herzerweiternden „Mostly Coltrane“ gemeinsam mit Joe Lovano noch einmal mit der Arbeit seines früheren Chefs auseinander.
Auf „Remembering Weather Report“ erinnert Miroslav Vitous, mit Unterstützung des französischen Meisterklarinettisten Michel Portal, an die stark improvisatorisch geprägte Prä-Funk-Phase der Band, als alle Instrumente gleichberechtigt auftraten.
John Surmans „Brewster’s Rooster“ ist sein „jazzigstes“ Album seit vielen Jahren, mit Jack DeJohnette am Schlagzeug und John Abercrombie als zweitem Solisten.
Auch im Grenzgebiet der Genres ist einiges los. Trompeter Jon Hassell präsentiert auf „Last Night The Moon Came Dropping Its Clothes In The Street“ (der Titel stammt von dem persischen Dichter Rumi) mit dem Maarifa Street Kollektiv die für ihn typische, raumfordernde Vierte-Welt-Dub-Montage-Musik.
Evan Parkers Auftragsprojekt für das Huddersfield Festival, „The Moment’s Energy“, wird mit einem Electro-Acoustic Ensemble realisiert, das auf 14 Spieler gewachsen ist und neben dem üblichen Instrumentarium auch Shô und Shakuhachi elektronisch verarbeitet.
Vorüberziehende Synthesizer-Klangfetzen, im Untergrund operierender Bass, zarte Farbcollagen und plötzliche Eruptionen zeichnen „Kurtágonals“ aus, das erste Album des ungarischen Trios mit György Kurtág Jr.
Mit der Schublade „Weltmusik“ konnte ECM noch nie viel anfangen, doch ranskulturelle Projekte aller Art gehörten immer zum Programm. Cyminology, das in Berlin eheimatete Quartett der deutsch-iranischen Sängerin Cymin Samawatie, nutzt Klang und Struktur der persischen Sprache als Ausgangsbasis. Cymin vertont eigene Texte und klassische Sufi-Dichtung so gekonnt, dass die sanfte Melodik des Farsi wie ein natürliches Medium für Jazzballaden erscheint.
Das kaleidoskopische „Siwan“-Projekt von Jon Balke und Sängerin Amina Alaoui verknüpft die marokkanische Gharnati-Tradition, Barockmusik und Improvisation zu einer farbig-filigranen Mischung, die genügend Raum für Solisten aller drei Idiome bietet.
Auf „Fasil“ entwickelt der deutsch-türkische Gitarrist Marc Sinan mit Pianistin/Komponistin Julia Hülsmann und Librettist Marc Schiffer einen Liedzyklus über das Leben von Aisha, der jüngsten Ehefrau des Propheten Mohammed.
Die New Series startet mit wichtigen Veröffentlichungen in das neue Jahr, allen voran Arvo Pärts „In Principio“ mit neuer Musik von monumentaler Wucht.
Alfred Schnittkes letztes, bisher unveröffentlichtes Werk, die Symphonie Nr. 9, wird von der Dresdner Philharmonie unter Dennis Russell Davies eingespielt.
Zu Heinz Holligers 70. Geburtstag kommt „Romancendres“ heraus, das Schumann-inspirierte Kompositionen neben Clara Schumanns Romanzen für Violoncello und Klavier stellt. In Holligers mehrschichtigem Werk „Gesänge der Frühe“ für Chor, Orchester und Tape gibt es einen Gastauftritt von Schauspieler Bruno Ganz.
Till Fellners ungeduldig erwartetes zweites Album widmet sich Bachs Inventionen, Sinfonien und französischen Suiten. ... Mehr makellosen Bach gibt es im Herbst – András Schiff wendet sich den sechs Partiten zu.
Streicheroffenbarungen: Thomas Zehetmair spielt Niccolò Paganinis teuflisch schwere Capricci, während Kim Kashkashian die dunklen Farben in Betty Oliveros „Neharót“ und Tigran Mansurians „Three Arias“ zum Leuchten bringt.
Das Rosamunde Quartett nimmt mit Sänger Christian Gerhaher Othmar Schoecks „Notturno“ für Bassbariton und Streicher auf, das an die frühen Werke Bergs und Schönbergs erinnert.
Demnächst auf ECM: Neue Alben von einigen der bekanntesten ECM-Künstler aus der Abteilung „Jazz & Improvised“. Zum Beispiel „Dresden“, das erste Live-Album der Jan Garbarek Group, das die Band des norwegischen Saxophonisten in bestechender Form zeigt.
Oder Stefano Bollani mit seinem „dänischen“ Trio (mit Jesper Bodilsen und Morten Lund) und neuen Ideen für das klassische Klavier-Trio auf „Stone In The Water“.
Anouar Brahem stellt auf „The Astounding Eyes Of Rita“, das dem palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish gewidmet ist, ein neues tunesisch/schwedisch/deutsch/libanesisch besetztes Quartett vor.
Auch Tomasz Stanko arbeitet auf „Dark Eyes“ mit neuer Quintettbesetzung und dem jungen finnischen Pianisten Alex Tuomarila.
Keith Jarretts „Testament“ dokumentiert auf drei CDs zwei Solokonzerte in Paris und London aus dem Jahre 2008.
Manfred Eicher
Der Gründer und Präsident von ECM Records Manfred Eicher versteht sich seit je her als recording producer, der das künstlerische Geschehen im Studio aktiv mitgestaltet. Seine Aufnahmen mit Musikern wie Keith Jarrett, Jan Garbarek, Chick Corea, Dave Holland, Egberto Gismonti, Paul Bley, Pat Metheny, Dino Saluzzi, John Surman, Ralph Towner, Terje Rypdal, Bobo Stenson, dem Art Ensemble of Chicago und anderen setzten auch klangästhetisch Maßstäbe. Schon in den siebziger Jahren avancierte ECM zu einem der wichtigsten Schallplattenverlage im Jazz.
1984 erschien mit Arvo Pärts Tabula Rasa die erste Veröffentlichung der Reihe ECM New Series, die sich der notierten Musik widmet. Seither entstanden Aufnahmen mit Kompositionen von György Kurtág, Alfred Schnittke, Heinz Holliger, Steve Reich, Meredith Monk, Erkki-Sven Tüür, Heiner Goebbels, Eleni Karaindrou, Giya Kancheli, Tigran Mansurian, Valentin Silvestrov und anderen. Unter den Interpreten und Autoren der New Series sind insbesondere zu nennen: Kim Kashkashian, Thomas Zehetmair, das Hilliard Ensemble, Gidon Kremer, Thomas Demenga, András Schiff, Heinz Holliger, das Keller Quartett, das Rosamunde Quartett, Herbert Henck, Leonidas Kavakos, Dennis Russell Davies, Christoph Poppen, Bruno Ganz und Jean-Luc Godard.
1990 drehte Eicher zusammen mit Heinz Bütler den Film Holozän nach einer Erzählung von Max Frisch, der beim Filmfestival Locarno mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Manfred Eichers weitere Filmarbeit umfasst die musikalische Produktion bzw. Konzeption für Filme von Jean-Luc Godard (Nouvelle Vague, Allemagne Neuf Zéro, Hélas Pour Moi, JLG, Forever Mozart, Histoire(s) du Cinéma, The Old Place, Eloge de l'Amour, Notre musique), Theo Angelopoulos (Der Bienenzüchter, Landschaft im Nebel, Der schwebende Schritt des Storches, Der Blick des Odysseus, Die Ewigkeit und ein Tag, The Weeping Meadow), für Xavier Kollers Oscar-prämierten Film Reise der Hoffnung, für Bella Martha von Sandra Nettelbeck und für den Dokumentarfilm War Photographer von Christian Frei mit James Nachtwey. Aus der Zusammenarbeit mit Jean-Luc Godard ging die mehrbändige Dokumentation der kompletten Tonspur sowie des gesamten Textes der Histoire(s) du Cinéma hervor, die mit dem "Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik" ausgezeichnet wurde.
Herausragende ECM-Produktionen wurden unter anderem mit dem "Grand Prix du Disque" (Frankreich), dem "Edison Award" (Niederlande), dem "Grammy Award" (USA), dem "Academy Award" (Japan) und dem "Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik" gewürdigt. 1999 ehrten die amerikanischen Musikzeitschriften Down Beat, High Fidelity Magazine und Musician Magazine Manfred Eicher als "Producer of the Year".
Manfred Eicher wurden zahlreiche Auszeichnungen zuteil. So erhielt er 1986 den "Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik", 1998 den "Musikpreis der Landeshauptstadt München". Die Universität Brighton verlieh ihm im Jahre 2000 ein Ehrendotktorat "in recognition of his outstanding contribution to the development of contemporary music". 2002 wurde Eicher als "Best Classical Producer of the Year" mit einem Grammy ausgezeichnet. Im Januar 2005 wurde Eicher der "Kulturelle Ehrenpreis der Stadt München" verliehen.
ECM 40 Jahre - 2008
Das Jahr 2008 bringt eine Fülle von Trio-Aufnahmen. Das „Comeback“ von Sängerin Norma Winstone auf ECM zählt zu den Jazz-Highlights des Jahres, nicht zuletzt wegen des interessanten Stilgemischs, das ihr Trio mit Glauco Venier und Klarinettist/
Saxophonist Klaus Gesing auf „Distances“ serviert. Bald darauf erhält Norma den Skoda Jazz Award, verliehen von der Académie du Jazz in Paris.
Arild Andersen stellt auf „Live At Belleville“ sein neues Trio mit dem schottischen Tenoristen Tommy Smith und dem italienischen Schlagzeuger Paolo Vinaccia vor. Das Publikum ist aus dem Häuschen und Kritiker ziehen Vergleiche mit Garbareks „Triptykon“ und dem Sam Rivers Trio. Auch diese Leistung ist der Académie du Jazz eine Auszeichnung wert.
Bobo Stensons „Cantando“, jetzt mit dem jungen Drummer Jon Fält in der Stammbesetzung, interagiert mit noch mehr Liebe fürs Detail.
Das Simple Acoustic Trio bleibt zwar ein demokratisches Gebilde, firmiert aber auf „January“ – mit Eigenkompositionen und Coverversionen von Carla Bley bis Prince – als Marcin Wasilewski Trio.
Deutschen Jazz, sonst nicht allzu häufig auf ECM anzutreffen, spielt Julia Hülsmanns Trio auf „The End Of Summer“ und findet ein wohlgesonnenes Publikum für seine ausgeprägt melodische Musik.
Auf Misha Alperins „Her First Dance“ sind Misha, Arkady Shilkloper und Anja Lechner in wechselnden Kombinationen zu hören. Die sich ständig verändernden Klanglandschaften in Alperins Kompositionen sind Ausdruck eines regen und ungeduldigen Geistes.
Das Duo Vassilis Tsabropoulos und Anja Lechner wächst durch den italienischen Schlagzeuger U.T. Gandhi auf Trioformat, bleibt seinem Repertoire im Kern jedoch treu: Stücke von Tsabropoulos und Kompositionen von G.I. Gurdjieff, die ein Fenster Richtung Osten öffnen.
Ketil Bjørnstad kehrt in Begleitung von Sängerin Randi Stene und Bratschist Lars Anders Tomter mit dem Liederzyklus „The Light: Songs Of Love And Fear“ zurück, der auf Gedichten von John Donne und Bjørnstad selbst basiert.
Bjørnstad spielt auch im Duo mit Terje Rypdal; die unorthodoxe Kombination aus Bösendorfer-Flügel und verstärkermordender Fender Stratocaster bringt Schwung in „Life in Leipzig“.
John Surman begann seine musikalische Karriere als jugendlicher Sopran in den Kirchen von Devon, mitunter von einer Orgel begleitet. Auf „Rain On The Window“ bildet eine Kirche in Oslo die Kulisse, Howard Moody ist der Organist und Surman „singt“ auf dem Sopransax (neben Bariton und Bassklarinette) ein Programm aus eigenen Kompositionen, Improvisationen, traditionellen Volksliedern und Spirituals.
Aus der Abteilung „Angesagte nordische Trompeten“: Mathias Eick und Arve Henriksen avancieren 2008 beide zu Bandleadern. Eicks „The Door“ erinnert leise an Kenny Wheeler und Clifford Brown und wird abwechselnd von Jon Balkes kantigem Piano und dem unaufdringlichen Schimmer der Steelgitarre von Stian Carstensen konturiert. Henriksens „Cartography“ mischt aus unterschiedlichsten Quellen – vom Trio Mediæval bis zu David Sylvian – eine Klanglandschaft, in der sich die Trompete auf Entdeckungsreise begibt.
Auf „Profumo di Violetta“ frönt Gianluigi Trovesi seiner Liebe für die Oper und zigeunert in Begleitung der 50-köpfigen Filarmonica Mousiké unbefangen und liebevoll durch die Werke von Verdi, Puccini, Monteverdi, Pergolesi und Anderen.
Jan Garbarek gastiert mit Saxophonen und Flöte auf „Elixir“, dem Album seiner früheren Perkussionistin Marilyn Mazur.
Pianist Jason Moran verstärkt Charles Lloyds Band auf dem Live-Album „Rabo de Nube“, Album des Jahres in Jazz Times. ... ECM ist Label des Jahres und Manfred Eicher Produzent des Jahres im DownBeat Critics Poll.
„Touchstones“ heißt die Serie, in der ECM klassische „Jazz“alben der 70er und 80er Jahre in Sonderausstattung preisgünstig wieder auf den Markt bringt. ... Auf New Series beendet András Schiff seinen Beethoven-Zyklus.
Monika Mauch und Lautenist Nigel North servieren „A Musical Banquet“ nach dem Songbook von Robert Dowland.
Violinistin Carolin Widmann und Pianist Dénes Varjon debütieren höchst erfolgreich mit unkonventionellen Interpretationen der Schumann-Sonaten.
„Little Imber“ ist Giya Kanchelis Hommage an die englische Geisterstadt, die vom US-Militär im Zweiten Weltkrieg für Kriegsspiele genutzt wurde.
Mit ihrem ersten Album „Lijnen“ zeigt die junge estnische Komponistin Helena Tulve eine erfrischend neue, experimentelle Herangehensweise an Ton und Klang.
Heinz Holliger, Thomas Zehetmair und Thomas Demenga liefern mit „Canto di Speranza“ eine überragende Ausdeutung der Musik Bernd Alois Zimmermanns – und „eine sinnliche Überraschung“, wie Newsweek feststellt.
Unter seinem neuen Dirigenten Alexander Liebreich spielt das Münchener Kammerorchester Kompositionen von Haydn und Isang Yun („Farewell“), während Christoph Poppen zur Deutschen Radio Philharmonie und der Musik von Frank Martin („Triptychon“) wechselt.
Dass sich alles im Wandel befindet, hat auch Meredith Monk erkannt, die die Macht der Veränderung auf „Impermanence“ sogar zum Thema macht.


























