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13.12.2012

Unsere Kandidaten für einen Echo Jazz 2013, Teil 1

ECHO Jazz, Unsere Kandidaten für einen Echo Jazz 2013, Teil 1 Stigers, Elling, Jarreau, Malia

Wie die Deutsche Phono-Akademie diese Woche bekanntgab, wird die Verleihung der Echo Jazz Awards in den nächsten drei Jahren in Hamburg über die Bühne gehen. Und die erste Hamburger Echo-Jazz-Gala findet am 23. Mai 2013 - dem Vorabend des Elbjazz-Festivals - in der geschichtsträchtigen Fischauktionshalle statt. “Mit der Verleihung des Echo Jazz entwickelt sich Hamburg immer mehr zur deutschen Hauptstadt des Jazz”, meint die Hamburger Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler nicht zu Unrecht. “Mit dem Elbjazz- und dem Überjazz-Festival konnten sich in Hamburg zwei neue große Festivals erfolgreich etablieren. Die Förderung für den Jazz in Hamburg ist insgesamt intensiviert worden. Die Verleihung des Echo Jazz wird die Jazzstadt Hamburg auch international noch stärker ins Scheinwerferlicht rücken.”

Wer 2013 in Hamburg mit einem Echo Jazz Award ausgezeichnet wird, steht noch in den Sternen, denn die Nominierungsfrist endete erst letzten Freitag. In den kommenden Wochen hat eine zwölfköpfige Fachjury die Aufgabe, aus allen vorgeschlagenen Künstlern und Alben die Preisträger auszuwählen. Unter den Kandidaten befinden sich auch zahlreiche Künstler/innen aus dem Hause Universal Music, die wir in dieser und den kommenden Wochen auf www.jazzecho.de präsentieren werden.

Curtis Stigers: Jazz-Crooner mit Pop-Vergangenheit

Aus seiner musikalischen Vergangenheit hat der Sänger, Saxophonist und Songwriter Curtis Stigers, der sich in seiner Jugend auch für Punk und New Wave begeisterte, nie einen Hehl gemacht. Seine professionelle Karriere startete er 1991 mit geradliniger Popmusik, die ihn prompt in die Top 10 US-amerikanischer und britischer Charts führte. Und auch als er sich ab 2001 auf seinen Alben für Concord Music dem Jazz zuwandte, schimmerte seine Pop-Vergangenheit stets durch. So wie auf dem neuen Album “Let’s Go Out Tonight”, mit dem  Curtis Stigers nun für den Titel “Internationaler Sänger des Jahres” nominiert ist. Seinen ersten Echo Jazz erhielt Stigers 2010 für das Album “Lost In Dreams”.

“Für seine lässigen, samtig-rauen Versionen von Jazzstandards oder Popsongs unterschiedlicher Couleur wurde der Sänger, der auch ein passables Tenorsax zu spielen versteht, vor zwei Jahren mit einem Echo Jazz ausgezeichnet”, konnte man im April im HiFi-Magazin STEREO lesen. “Bei seinem neuen Album greift Curtis Stigers jetzt ausschließlich auf jazzfremdes Material zurück und verwandelt es in jazzige Songs mit gelegentlichem Country-Touch. Er bedient sich bei Songwriter-Legenden (Bob Dylan), R&B-Pionieren (Clyde Otis) und Indie-Rockern (Crowded House), doch durch seine Interpretation wird daraus eine homogene, runde Sache.”

Kurt Elling: Der meistprämierte Jazzsänger des 21. Jahrhunderts

Zehnmal wurde Kurt Elling  schon für einen Grammy nominiert, einmal gewann er die begehrte Trophäe. Seit 2000 entschied er jedes Jahr - also dreizehnmal - die Down Beat Critics Poll in seiner Kategorie für sich und räumt zudem siebenmal den Preis bei der Down Beat Readers Poll ab. Auch die Leser der JazzTimes kürten ihn schon siebenmal zum Sänger des Jahres, während die Jazz Journalists Association ihm diesen Titel achtmal verlieh. Seinen ersten Echo Jazz Award erhielt er dieses Jahr für das Album “The Gate”. Und nun strebt er in Deutschland mit “1619 Broadway: The Brill Building Project” erneut die Auszeichnung als “Internationaler Sänger des Jahres” an.
“Motown? Von wegen: Die größte Hitfabrik Amerikas befand sich am Broadway in New York”, klärt JAZZTHING in seiner Rezension des jüngsten Elling-Meisterwerks auf. “Im Brill Building teilten sich in den 1960er Jahren bis zu 165 Musikverlage und Komponistenteams die Räumlichkeiten. Dementsprechend groß war die Auswahl der Lieder, auf die Kurt Elling für seine Hommage an das Gebäude, in dem unter anderen Burt Bacharach, Leiber und Stoller, Carole King oder Paul Simon Arbeit fanden, zurückgreifen konnte. Das Ergebnis ist dem großen Brill-Output entsprechend recht vielfältig: Während sich Elling bei den feinen Arrangements von jazzaffinen Stücken wie ‘On Broadway’, ‘Come Fly With Me’ oder ‘I Only Have Eyes For You’ ein Scatverbot verordnet, lässt er bei den Nummern mit Rock’n’Roll-Hintergrund gerne den Crooner und Doo-Wopper heraus. Immerhin: Dass das Brill Building auch ein eher düsterer Ort war, in dem eine rebellische Jugendkultur zur Massenkonfektionsware wurde, deutet Elling in dem dämonischen ‘Pleasant Valley Sunday’ zumindest auch mal an.”

Al Jarreau: Der ewig junge Stimmbandakrobat

Stilistische Grenzen haben Al Jarreau nie sonderlich interessiert. Seit 1975 hat der vielseitige Sänger mit seinen unverkennbaren Gesangsstil in einem breiten Spektrum musikalischer Genres brilliert. Mit seinem eklektischen Ansatz fuhr er Erfolge über Erfolge ein und schaffte es, als einziger Vokalist in der Musikgeschichte Grammys in den Kategorien Jazz, Pop und Rhythm’n’Blues zu gewinnen. Und obwohl er mittlerweile 72 Jahre alt ist, ist Jarreaus Experimentierfreude ungebrochen und führt ihn immer wieder mit neuen musikalischen Partnern zusammen. So wie auf dem Album “Al Jarreau And The Metropole Orkest - Live”, mit dem er für einen Echo Jazz als “Internationaler Sänger des Jahres” nominiert wurde.

“Er gehört zu den beliebtesten Live-Künstlern zwischen Jazz und R&B, doch seine Live-Alben sind rar gesät. Nach dem Klassiker ‘Look To The Rainbow’ (1977) und und dem All-Star-Treffen ‘Tenderness’ (1994) kommt Al Jarreau jetzt mit dem Metropole Orkest, das aus Bigband plus Streichorchester besteht und über Top-Solisten verfügt”, hieß es im HiFi-Magazin FONO FORUM. “Dessen Leiter Vince Mendoza hat eine Auswahl von Songs aus verschiedenen Etappen von Jarreaus Karriere arrangiert und lässt Altbekanntes klingen wie neu, von Ellingtons ‘I’m Beginning To See The Light’ über Jarreaus erste Hit-Single ‘We’re In This Love Together’ bis zu seiner Version von Chick Coreas ‘Spain’.”

Malia: Schwarzes Gold in der Kehle

Schwarzblütige Orchideen sind eine wirkliche Rarität. So selten und faszinierend schön wie die samtig schimmernde Stimme von Malia. Mit ihrem von dem Pianisten Alexandre Saada geleiteten französischen Trio hat die aus dem südostafrikanischen Malawi stammende Sängerin mit “Black Orchid” eine traumhaft gelungene Hommage an die große Nina Simone aufgenommen. Um den ikonischen Songs einen unverwechselbar eigenen Duktus zu geben, verwandelte Malia sie in sanfte, moderne Jazzballaden mit emotionalem Tiefgang. Nachdem sie 2004 mit ihrem Debütalbum “Yellow Daffodils” schon einmal für einen Echo-Musikpreis in der Sparte Jazz nominiert war, konkurriert sie 2013 um den Titel “Nationale Sängerin des Jahres”.

Im STERN wurden die Künstlerin und ihr Album folgendermaßen vorgestellt: “Sie wuchs in Malawi auf, als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters. Die in der Schweiz lebende Jazzsängerin Malia trägt beide Welten in sich - die des afrikanischen Kontinents und die Europas. Ihre Heldin ist Nina Simone, diese Ikone des schwarzen Blues, Jazz und Souls, deren Leben von bitteren Erfahrungen mit Rassismus und Zurückweisung bis hin zu größten Triumphen auf der Bühne alle Schattierungen bereithielt. Dieser Frau fühlt sich Malia so sehr verbunden, dass ihr neues Album ‘Black Orchid’ ausschließlich Songs enthält, die auch Nina Simone am Herzen lagen, etwa ‘Don’t Explain’, ‘I Love You, Porgy’ und natürlich ‘My Baby Just Cares For Me’. Malia singt leise und reduziert, mitunter fast schleppend, aber mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Und man spürt: So muss sich Seelenverwandtschaft anhören.”