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Album Tracklisting
Eberhard Weber, Stages Of A Long Journey, 00602517235182
Stages Of A Long Journey
Eberhard Weber
Format:
CD
Label:
ECM Records
VÖ:
27.04.2007
Bestellnr.:
00602517235182
Produktinformation:

Im März 2005 feierte die Stadt Stuttgart mit Konzerten im Theaterhaus den 65. Geburtstag eines ihrer prominenten Söhne: des Bassisten Eberhard Weber. Ein Sinfonieorchester und exzeptionelle Solisten kamen zusammen, um an zwei ausverkauften Abenden neue Arrangements einiger der bekanntesten Weber-Kompositionen vorzustellen. Dabei entstand Eberhard Webers erster Live-Mitschnitt für ECM, der zugleich auch seine erste neue Aufnahme als Leader seit dem 2000 veröffentlichten Album "Endless Days" (ECM 1748) ist.

Der Titel des Albums, "Stages Of A Long Journey", ist zugleich Programm, da der Bassist und Komponist einige Musiker um sich versammelte, die in seiner Karriere von besonderer Bedeutung waren. Herausgekommen ist dabei ein Werk mit ausgeprägt autobiographischem Anstrich. Natürlich enthält das Album einige nostalgische Momente, aber das auffälligste Charakteristikum dieses Albums ist sicher seine Dynamik. Die Musiker erwecken Stücke, die Eberhard Weber in den 70er Jahren mit seiner Band Colours gespielt hat, live zu neuem Leben. Das Kernensemble, das hier zu hören ist, ist im Prinzip die aktuelle Jan Garbarek Group. Weber stellte seine Tätigkeit als Bandleader 1981 ein, um Mitglied von Garbareks Gruppe zu werden, und er ist es bis heute geblieben. Durch die Hinzunahme des Vibraphonisten Gary Burton zum Nukleus der Band (bestehend aus Garbarek, Weber, Keyboarder Rainer Brüninghaus und Schlagzeugerin/Perkussionistin Marilyn Mazur) erschlossen sich dem Ensemble neue klangliche Horizonte. Und die begeisterte Anfeuerung des Stuttgarter Publikums trieb es zu wahren Bestleistungen an.

Eberhard Weber und Gary Burton spielten erstmals 1974 miteinander, als der Vibraphonist sein Album "Ring" aufnahm. Danach gingen sie gemeinsam auf Tourneen und spielten zusammen weitere Alben ein, darunter Burtons "Passengers" und Webers "Fluid Rustle". Bei Konzerten spielten sie gelegentlich Carla Bleys "Syndrome" (ein Stück, das Burton 1975 auch für sein ECM-Album "Dreams So Real" aufnahm). In der hier zu hörenden Version treiben Weber und Mazur die Solisten mit unglaublichem Drive zu atemberaubenden Höhenflügen an. Es ist ein schieres Vergnügen Burton und Garbarek zusammen zu hören. Beide begeistern das Publkimum mit frei fließenden, erdig swingenden Soli. Burton ist hier übrigens das erste Mal seit 1986, als er mit seinem Quintett "Whiz Kids" vorlegte, wieder auf einem neuen ECM-Album präsent.

Eberhard Weber hat fast das gesamte Programm mit dem eigens für ihn gefertigten elektrischen Kontrabaß bestritten, der sein Markenzeichen ist. Die einzige Ausnahme bildet Jerome Kerns Standard "Yesterdays", für den Weber eine seltene Ausnahme machte und zum akustischen Kontrabaß griff. Das Stück interpretierte er im Duett mit dem ebenfalls aus Stuttgart stammenden Pianisten Wolfgang Dauner (dessen bislang einzige ECM-Aufnahme das 1970 erschienene Album "Output" war, auf dem übrigens auch Weber mitwirkte). Mit Dauner arbeitete Weber erstmals 1964 zusammen, also schon geraume Zeit vor der Gründung des ECM-Labels.

Das in Stuttgart beheimatete Radiosinfonieorchester des Südwestrundfunk (SWR) hat bislang schon an zwei Einspielungen für ECM mitgewirkt. Zuletzt nahm es unter der Leitung von Andrey Boreyko im Jahr 2005 Valentin Silvestrovs "Symphony Nº 6" (ECM New Series 1935) auf. Auf "Stages Of A Long Journey" betritt dieses Orchester indes ungewohnten musikalischen Boden, da es hier erstmals in einem Jazzkontext spielt. Unter der Leitung von Roland Kluttig meistert das Orchester die neuen Arrangements von Webers Stücken allerdings mit Brillanz. "Weber entschied sich dafür, eine übermäßige Verwendung der ihm zur Verfügung gestellten Ressourcen zu vermeiden", heißt es im CD-Begleittext von Michael Tucker. "Er wollte jedwede potentiell effekthascherische Üppigkeit vermeiden und ermunterte die Mitglieder des Stuttgarter RSO deshalb zu einer rhythmischen Phrasierung, die sie - wenn überhaupt - höchst selten bei ihrem eigentlichen Repertoire verwenden können. Allerdings war sich Weber zugleich auch vollkommen des chromatischen Potentials bewußt, das ihm dieses Orchester bieten würde. Wer mit den früheren ECM-Aufnahmen der in Stuttgart dargebotenen Stücke vertraut ist, wird nicht wenige Übergangs- und Entwicklungspassagen von frisch und anspruchsvoll verwandter Farbe, Textur und Dynamik erkennen."

Ob in der Eröffnungsnummer "Silent Feet", in der "Geburtstagssuite" - die unter anderem die Klassiker "The Colours Of Chloë", "Maurizius" und "Yellow Fields" vereint - oder in "The Last Stage Of A Long Journey" - das Orchester etabliert sich, neben Burton, Garbarek, Weber, Brüninghaus und Mazur, als ungemein schwungvoller Protagonist.

Erstaunlicher Elan steckt aber selbst noch in den Stücken, die Weber im Duett präsentierte, etwa in dem wunderschönen "Seven Moments", in dem Jan Garbarek mit seinem Sopransax der Partner des Bassisten ist. "Das blinde Verständnis zwischen Weber und Garbarek ist nirgends evidenter als in 'Seven Moments'", schreibt Tucker. "Das Stück, das die beiden gewöhnlich in den späten 80ern bei ihren gelegentlichen Duo-Auftritten spielten, war 1988 die Eröffnungsnummer von Webers Album 'Orchestra'. In einer raumschaffenden Umkehrung der Logik, die den Großteil der beiden Stuttgarter Konzerte bestimmte, wird die Musik des Originals, das durch ruhig, aber entschlossen aufgebaute Blechbläsereinwürfen und klimatische Perkussion charakterisiert war, hier verschlankt, um Garbarek die Freiheit zu lassen, auf die von Weber vorgegebenen rhythmisch starken, aber zugleich auch empfindsamen Motivketten zu reagieren."

Ihr ECM-Debüt geben in dem Track "Hang Around" zwei Schweizer Künstler: der Perkussionist Reto Weber und die "menschliche Beatbox" Nino G mit seinen vokalisierten Beats. Gemeinsam mit Weber erfreuen sie das Publikum mit einem äußerst humorigen Zwischenspiel, das Elemente der afrikanischen Musik, des Jazz, Funk und HipHop miteinander vermischt.

Das Album beendet Weber mit einer - wie stets - melodisch eleganten Solonummer auf seinem Elektrobaß. "Ich habe Eberhard Weber eigentlich nie als Bassisten betrachtet", sagte Jan Garbarek einst, "zumindest nicht im konventionellen Sinn des Wortes. Es ist vielmehr so, daß er ein wirklich erstaunlicher Musiker ist, der zufälligerweise Baß spielt. Und dies tut er auf wunderbare, erfrischende und inspirierende Weise."

"Stages Of A Long Journey" enthält jede Menge erfrischender und inspirierender Momente, die wir nicht nur Webers einzigartigem Baßspiel und seinen Kompositionen verdanken, sondern auch der engagierten Kooperation seiner alten Freunde. So wurde die musikalische Geburtstagsfeier in Stuttgart zu einem festlichen, aber nie steifen Vergnügen für alle beteiligten Musiker und das anwesende Publikum.