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Claudia Acuna - Biografie - Biographie, Bio, Vita, Biografie - JazzEcho

Claudia Acuna © by Universal Music

10.06.2010
Claudia Acuna
Claudia Acuña - Aus der Not mit den Noten eine Tugend gemacht
Nachdem man sie an der Universität in Santiago de Chile rausgeworfen hatte, ging die Sängerin Claudia Acuña nach New York, von wo aus sie nun die ganze Jazzwelt erobert

Wie ein Märchen kommt Claudia Acuña ihr kometenhafter Aufstieg zu einer der am meisten gefeierten Jazzsängerin der Gegenwart vor. Denn eigentlich begann alles vor etwas mehr als sieben Jahren mit einem hochkantigen Rauswurf. Zwei Jahre lang hatte die heute 30jährige an Universität von Santiago de Chile lyrischen Gesang studiert. Dann entdeckte einer ihrer Professoren zufällig, daß sie überhaupt keine Noten lesen konnte, und sorgte dafür, daß man die überaus talentierte Vokalistin von der Uni verwies.

In der heimischen Jazzszene hatte Claudia Acuña sich da zwar schon längst einen respektablen Namen gemacht, doch weil die Möglichkeiten, in Chile eine Jazzkarriere einzuschlagen, allzu begrenzt sind, beschloss sie damals tollkühn, ihr Glück in “La Gran Manzana” (spanisch für “The Big Apple”) zu versuchen. Als sie 1995 in New York ankam, sprach sie kaum Englisch. Die Adaption fiel ihr nicht leicht und um über die Runden zu kommen, mußte sie sich erst einmal mit den üblichen Gelegenheitsjobs durchschlagen: als Tellerwäscherin, Kellnerin und Babysitter.

“Wenn ich dann um 3 Uhr in der Früh meine Arbeit beendet hatte”, erinnert sie sich, “zog ich, in der Hoffnung, bei einer Jamsession einsteigen zu können, durch die Jazzclubs. Die Sessions gingen oft bis 7 Uhr. Danach mußte ich noch warten, bis die U-Bahnen etwas leerer waren, um endlich nach Hause fahren zu können.” Auf diese Weise versuchte die junge Chilenin, die scheinbar kaum schlief, sich in die Jazzszene der Stadt, die angeblich nie schläft, zu integrieren. Allerdings stieß sie dort zunächst auf unerwarteten Widerstand. “Abgesehen davon, dass die New Yorker Szene ohnehin von großem Konkurrenzdenken geprägt ist, gab es noch vier Punkte, die gegen mich sprachen”, erzählt Claudia. “Ich war weiß, Latina, Frau und Sängerin. Man schaute mich teilweisean, als wollte man sagen: ‘Was hast du denn hier verloren?’”

Doch so leicht ließ sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Mit Beharrlichkeit, natürlichem Charme und ihrem immensen Talent eroberte sie die Szene nach und nach und erhielt immer mehr Einladungen zu Sessions. Dann bekam sie die Chance, eine Woche lang in dem renommierten Jazzclub Sweet Basil aufzutreten. Im Publikum saß Verve-Produzent Richard Seidel, der von ihrer Performance so begeistert war, daß er sie nach dem Auftritt ansprach und ihr einen Plattenvertrag in Aussicht stellte. Eine Angebot, daß Claudia Acuña zuerst viel zu märchenhaft erschien um wahr sein zu können.

Seidel ließ den verlockenden Worten indes auch Taten folgen. Und so konnte Claudia Acuña, die - wie sie kleinlaut gesteht - bis zu ihrem 15. Lebensjahr nicht einmal wußte, daß es einen Musikstilnamens Jazz gab, nicht nur ihr Debütalbum für das Label solch legendärer Jazzsängerinnen wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Sarah Vaughan und Dinah Washington aufnehmen, sondern erhielt von Verve auch noch jegliche Unterstützung, von der eine Debütantin nur träumen kann.

Die Reaktion der Presse war überwältigend: Der “New York Newsday” schwärmte, sie habe “die Stimme eines Engels”, und “Billboard” meinte, sie wäre “genau das, was der Jazz gerade braucht - eine selbstsichere junge Stimme mit der Fähigkeit, den traditionellen Jazz mit ihrer eigenen unverwechselbaren lateinamerikanischen Identität aufzupeppen”.

Dabei ist das Rezept, mit dem Claudia Acuña derzeit so überraschende Erfolge feiert, eigentlich kein neues: Es besteht aus einer ausgewogenen Mischung von Jazzstandards und lateinamerikanischen Klassikern. Was sie jedoch von vielen einfach nur interpretierenden Kolleginnen unterscheidet, ist, daß sie sich (mit Hilfe ihrer Mitmusiker) größte Mühe gibt, den altbekannten Songs mit aufregenden, eigenen Arrangements eine völlig neue Gestalt zu geben.

Aktuelles CD-Album von Claudia Acuna

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