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21.03.2007

Christian Wallumrød Ensemble - The Zoo Is Far

Christian Wallumrod, Christian Wallumrød Ensemble - The Zoo Is Far

Auf "The Zoo Is Far" führt der Pianist und Komponist Christian Wallumrød die musikalische Linie fort, die er bereits auf seinen letzten beiden ECM-Alben "Sofienberg Variations" und "A Year From Easter" verfolgte. Das Quartett mit Trompeter Arve Henriksen und Schlagzeuger Per Oddvar Johansen wurde durch die Cellistin Tanja Orning und die Barockharfenistin Giovanna Pessi zum Sextett erweitert, Violinist Nils Økland durch Gjermund Larsen ersetzt. In seinen detailreichen Kompositionen schmiedet Wallumrød aus Einflüssen von Barockmusik, Folklore, zeitgenössischer Komposition, asiatischer Musik und Jazz eine hochoriginelle Ensemblemusik.

"Ich bemühe mich eher darum, verschiedene Ensembleklangmöglichkeiten auszuprobieren, als Stücke für 'Solisten mit Begleitung' zu schreiben", meint Christian Wallumrød. "Ich habe mit diesem Sextett viele neue Möglichkeiten gefunden, die überwigend im unteren Klangregister angesiedelt sind, da die Barockharfe und auch das Cello sehr tiefe Lagen erreichen. Und auf dem Klavier kann ich sogar noch tiefer spielen; all diese Elemente bieten der Bass-Drum einige neue Partner..."

Die Entstehung dieses Sextetts ist einer zufälligen Begegnung Wallumrøds mit der Schweizer Harfenistin Giovanna Pessi zu verdanken. Die Kombination von Harfe und Klavier hatte Wallumrød schon im Jahr 2000 bei einigen experimentellen Konzerten mit dem Finnen Iro Haarla ausgelotet. Als er nun 2003 in Zürich Giovanna Pessi kennenlernte, sah er sogleich die Chance, die mit Haarla begonnen Experimente zu vertiefen. "Die Barockharfe hat einen anderen Klang und unterscheidet sich von der modernen Harfe schon durch ihre Bauart. Dies erleichterte mir meine Herangehensweise auch ein wenig. Da ich nach erweiterten Möglichkeiten im Bereich des Tonumfangs und der Klangfarben bei Streichinstrumenten suchte und bereits Tanja Ornings musikalischer Vielseitigkeit kennengelernt hatte, war es ein logischer Schritt, sie auch zu dieser Aufnahmesession einzuladen." Komplettiert wurde die Besetzung durch die Hinzunahme des Violinisten Gjermund Larsen.

Jeder dieser drei Musiker bringt seinen eigenen Erfahrungsschatz in den Ensembleklang ein. Pessi kann schon auf die Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt und Jordi Savall sowie jahrelange Studien bei Rolf Lislevand zurückblicken. Tanja Orning, früher erste Cellistin des Stavanger-Sinfonieorchesters, ist eine Musikerin, die mit Leichtigkeit Genregrenzen überschreitet und neuer Musik immer offen gegenübersteht. Sie hat sogar Erfahrungen im Bereich der Rock- und interdisziplinären Musik und veröffentlichte 2005 - in Kollaboration mit Christian Wallumrød - bei Albedo Records das Album "Cellotronics". Gjermund Larsen ist ein junger Violinist mit einem Background in der norwegischen Folktradition. 1981 als Sohn des Folkmusikers Geir Egil Larsen geboren, gewann Gjermund 2002 in Landskappleiken den nationalen Solo-Fiddle-Wettbewerb - als jüngster Gewinner in der Geschichte dieses traditionsreichen Wettbewerbs.

"Arve Henriksen, Tanja Orning und Gjermund Larsen besitzen die Fähigkeit, perfekt mit einander zu harmonieren und sich ebenso perfekt in das Ensemble einzugliedern..."

Im Radiostudio von DRS Zürich ging das Wallumrød Ensemble mit Produzent Manfred Eicher und dem Klassiktonmeister Markus Heiland (der normalerweise mit Produktionen der ECM New Series assoziiert wird) als Toningenieur die Aufnahmen von "The Zoo Is Far" in derselben Weise an, wie es auch seine vollkommen akustischen Konzerte bestreitet. Der natürliche Klang des Aufnahmestudios wurde als eine Komponente der Musik betrachtet.

"Ich wollte meine Musik schon seit langem in einer Weise aufnehmen, die den akustischen Klang - der Instrumente, des Raums und der ganzen Situation, die unsere Art zu hören und zu spielen beeinflußt - in den Fokus rückt. Das bedeutet, daß wir in derselben Weise interagieren können wie in bei einem Konzert. Während diese Herangehensweise für klassische Musiker eine höchst natürliche Angelegenheit sein mag, ist es in meiner musikalischen Entwicklung ein entscheidender Fortschritt. Wenn ich heute über das Ensemble und seine Performance nachdenke, würde ich beide eher der Welt der Kammermusik zuordnen."

Spezifische musikalische Einflüsse auf die Stücke von "The Zoo Is Far" sind auf Wallumrøds intensive Auseinandersetzung mit den "Fantazias For Strings" von Henry Purcell (1659_95) zurückzuführen. Auszüge aus Purcells Musik wurden in die drei "Backwards Henry"-Stücke transformiert. Die Inspiration zu "Music For One Cat" verdankt Wallumrød wiederum dem pakiastanischen Ghazal-Sänger Mehdi Hassan. Die "Psalm Kvæn"-Stücke schrieb der Pianist ursprünglich, als er eine Kompositionsauftrag für einen Choral erhielt. "Ich glaube, es war für mich einfach natürlich, die Stücke in einer Art norwegischer Psalm-Tradition zu halten. Diese wird durch die idiomatische Vermischung von ursprünglich Lutheranischen Chorälen mit norwegischen Volksliedern charakterisiert."

Soviele Referenzen man auf diesem Album auch entdecken mag - im Gesamteindruck wirkt dieses Werk beeindruckend originell und musikalisch unabhängig. Zurecht schrieb die norwegische Tageszeitung Verdens Gaang über "The Zoo Is Far": "Jazz, Barockmusik, Minimal Music, zeitgenössische Musik sind Genrebezeichnungen, die nur ein kleines Spektrum von Wallumrøds musikalischem Universum abdecken. Er hat einen authentischen Sinn für Klang und Struktur, und einmal mehr wird man von seiner einzigartigen Synthese und den ausbalancierten Kontrasten verzaubert."

Weitere Informationen zu ECM Veröffentlichungen finden Sie auf der ECM Labelsite bei JazzEcho.