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28.09.2017

Charles Pasi, der freche Franzose

Mit einer fast schon jugendlichen Unbedarftheit hat der französische Sänger und Blues-Harp-Virtuose Charles Pasi sein fantastisches Blue-Note-Debüt "Bricks" eingespielt.

Wer heute bei dem Schlagwort "Der frische Franzose" noch an Frischkäse denkt, hat offenbar den rasanten Aufstieg des Sängers, Songwriters und Blues-Harp-Virtuosen Charles Pasi verschlafen. Aber vielleicht sollte man den 33-Jährigen, um nicht gegen Markenschutzgesetze zu verstoßen, auch besser als den frechen Franzosen bezeichnen. Denn eine gute Portion Frechheit besitzt Pasi neben der Frischheit auch. Die zeigte sich etwa, als er in einem Rolling-Stone-Interview über sein großes Vorbild Bob Dylan sagte: "Dylans Harmonikaspiel ist furchtbar. Er hat seinen eigenen Stil, aber trifft wirklich keinen Ton."  Dabei war Pasi durch Dylans "Mr. Tambourine Man" einst dazu gekommen, Mundharmonika zu lernen. Reichlich vorwitzig war Pasi auch, als er vor einigen Jahren Archie Shepps Managerin sein erstes Album "Mainly Blue" zuschickte und anfragte, ob der Tenorsaxophonist vielleicht auf seinem nächsten Album mitspielen würde. Zu seiner eigenen Verblüffung sagte der alte Free-Jazz-Recke tatsächlich zu. Das Resultat waren auf "Uncaged" spannende Duelle zwischen Shepps kieksendem Tenorsax und Pasis fauchender Blues-Harp. Und da Frechheit bekanntlich siegt, hat Pasi jetzt als erster französischer Sänger einen Plattenvertrag bei dem renommierten Jazzlabel Blue Note erhalten. Mit dem Album "Bricks" legt er dort nun den Grundstein für seine neue, internationale Karriere. Musikalisch passt Pasi hervorragend in den Blue-Note-Stall, fügt sich da irgendwo zwischen Norah Jones’ eingängigem Blue-Eyed Soul, Dr. Lonnie Smiths urwüchsigem Jazz-Funk und Mose Allisons jazz- und bluesgetränkten Songs ein.

"Bricks" ist ein Album von eleganter Intensität und sich ständig verändernden Klangfarben (stilistisch changierend zwischen Jazz, Blues, Pop und Soul), das zugleich sehr ausgefeilt arrangiert und sehr auf das Wesentliche reduziert ist. "Ich denke, die Songs sprechen für sich selbst", meint Pasi. "Das erklärt auch, weshalb ich sie nicht überladen wollte. Sie sollten geradlinig sein. Ich finde, das Album entfaltet so mehr Wirkung, es ist direkter, rauer. Es ist auch moderner, weil der Rhythmus - Bass und Schlagzeug - eine zentrale Rolle spielt. Dass es auf das Wesentliche reduziert ist, hat nichts mit Faulheit zu tun. Ich arbeitete sehr hart daran, dieses Resultat zu erzielen."

Seit 2014 pendelt Pasi zwischen Paris und Nizza hin und her. Die Tragödien, die diese beiden Städte in der jüngeren Vergangenheit heimsuchten, hat er hautnah miterlebt und natürlich nicht vergessen. Das Leben ging danach für ihn nicht einfach weiter, als wäre nichts passiert. Der Song "Shoot Somebody" (den man auf dem Album auch in einer umwerfenden akustischen Version findet) reflektiert die Erlebnisse in gewisser Weise: "Diese Ereignisse haben mich umgekrempelt und beinahe gelähmt", gesteht Pasi. "In derselben Stadt gibt es einen Jugendlichen, der ausgehen und singen und tanzen möchte, und einen anderen, der rausgehen und um sich schießen will. Ein solches Paradox können nur große Städte hervorbringen. Eine Stadt befindet sich in einem konstanten Umbruchprozess."

Die schonungslos offenen und ehrlichen Songs von Charles Pasi täuschen einem nichts vor und wachsen, während man sie hört. Und sie zeugen zugleich von einer unbestreitbaren Klasse und Kraft. In Frankreich ist man sich schon seit längerem darüber einig, dass Charles Pasi ein "irrsinniges musikalisches Talent" besitzt. Auf "Bricks" stellt er es nun eindrucksvoll auch der ganzen Welt vor.