Artikel

28.06.2018

Jazz als Heiler - Charles Lloyd & Lucinda Williams

Das Werk von Saxophonist Charles Lloyd ist von vielen traumhaften Alben gesäumt. Mit Roots-Rockerin Lucinda Williams gelang ihm jetzt ein weiteres Meisterwerk.

Charles Lloyd, Jazz als Heiler - Charles Lloyd & Lucinda Williams Charles Lloyd And The Marvels Feat. Lucinda Williams

Auch mit 80 darf man durchaus noch Träume haben. So wie Charles Lloyd, der seinen runden Geburtstag am 15. März dieses Jahres feierte. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist der Saxophonist von der Hoffnung beseelt, dass der Jazz in der heutigen zynischen Welt eine heilende Kraft sein kann. Deshalb, so sagt er, habe er geradezu die Pflicht weiterzuspielen. Und um ein eindeutiges Zeichen zu setzen, veröffentlichte Lloyd am 20. Januar 2017 - just am Tag von Donald J. Trumps Amtseinführung - mit seiner Band The Marvels und der Sängerin Lucinda Williams eine Single mit Bob Dylans nach wie vor aktuellem Protestsong "Masters Of War". Jetzt hat er mit demselben Ensemble unter dem Titel "Vanished Gardens" ein komplettes Album eingespielt, das man ohne Wenn und Aber zu den besten seiner langen Karriere zählen muss.

 

The Marvels - bestehend aus den beiden Ausnahmegitarristen Bill Frisell und Greg Leisz, Bassist Reuben Rogers und Schlagzeuger Eric Harland - machen ihrem Namen auf dem Album alle Ehre. "Wir kennen uns jetzt besser und können daher gewisse Pfade befreiter einschlagen", sagt Lloyd über die Entwicklung, die die Marvels seit ihrem ersten Album "I Long To See Her" durchlaufen haben. Doch die enge Zusammenarbeit mit der Roots-Rockerin Lucinda Williams hat die Band nun in vollkommen neue Höhen katapultiert.

 

"Eine wunderbare, rootsige Mischung aus Blues, Americana und jazziger Freiheit à la Ornette Coleman." (The Times, UK)

 

"Ein Freund hatte mich auf Lucinda aufmerksam gemacht, als 'Car Wheels On A Gravel Road' herauskam", erinnert sich Lloyd. "Lu hat viel mit Bill Frisell und Greg Leisz gearbeitet. Deshalb besuchte sie vor ein paar Jahren eines meiner Marvels-Konzerte im Lobero Theater in Santa Barbara. Es war unser erstes Treffen und ich spürte sofort eine tiefe Verbindung zwischen uns, da wir beide aus dem Südosten der USA stammen. Nicht lange danach lud sie mich als Gastmusiker zu einem ihrer Auftritte an der UCLA ein und im Gegenzug präsentierte ich sie dann etwa ein Jahr später als Gastsängerin bei einem meiner Konzerte... Danach war klar, dass es etwas gab, das wir gemeinsam erkunden wollten."

 

Herausgekommen ist dabei das Album "Vanished Gardens", auf dem sich fünf Instrumentalnummern mit fünf Stücken abwechseln, bei denen Lucinda Williams zu Charles Lloyd und den Marvels stößt. Vier der fünf Gesangsnummern - "Dust", "Ventura", "Unsuffer Me" und das neue gospelige "We've Come Too Far To Turn Around" - schrieb Lucinda Williams selbst, die fünfte ist eine wahrlich himmlische Interpretation von Jimi Hendrix' "Angel".

 

"...eine schillernde Melange aus Jazzmelodien, die wie heiße Kohlen glühen, und Williams' vielschichtigen poetischen Liedern." (Washington Post, US)

 

"Ich habe mit vielen Textern und Dichtern gearbeitet", sagt Lloyd, "besonders während meiner Tage in Big Sur; Lawrence Ferlinghetti, Charles Bukowski, Gary Snyder, Diane di Prima, Schyleen Qualls, Michael McClure, Bob Kaufman, James Dalessandro... wir fügten Worte und Musik zusammen. Lu ist auch eine Dichterin. Eine authentische, amerikanische Stimme, deren Klang wie ein emotionales Barometer ist. Eine Wetterfahne. Manchmal wirbelt sie im Sturmwind herum und manchmal ist sie süß und rein wie eine südliche Brise, die einem den Duft von Magnolien zuträgt. Ihre poetische Bildsprache haut mich um. Sie ist eine Reporterin der conditio humana, des Lebens auf dem Planeten Erde."

 

"Dass Lucinda bei fünf Tracks als Sängerin dabei ist, verleiht dem Ganzen sowohl für meine als auch für ihre Hörer eine neue Dimension", meint Charles Lloyd abschließend, "Ich denke, bei der neuen Aufnahme haben wir es geschafft, alle Fesseln abzustreifen und tief in den Klang einzutauchen."