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04.08.2011

Auf der Suche nach dem Paradies

Mit “Salvador”, einer Hommage an den Chansonnier Henri Salvador, ist Céline Rudolph eines der poetischsten deutschsprachigen Alben aller Zeiten geglückt.

Céline Rudolph, Auf der Suche nach dem Paradies © Gregor Hohenberg Céline Rudolph c Gregor Hohenberg

"Liebe JazzEcho-Leser,

es ist mir eine besondere Freude, Ihnen heute mein neues Album “Salvador” vorstellen zu dürfen - zum ersten Mal auf Verve/Universal Music!

Seit einiger Zeit irgendwo zwischen Rio, Dakar und St. Malo unterwegs, komme ich mit meinem “roten Boot” nun bald in Berlin an: am 21.
September werde ich im Radialsystem ein Release-Konzert geben, bei dem ich sie auf Deutsch singe, die französischen Chansons von Henri Salvador, die wir in Brasilien mit meiner Band aus São Paulo aufgenommen haben. Ich würde mich freuen, wenn Sie einen Moment lang mit mir reisen würden, durch meine Inselwelt auf der Suche nach dem Paradies. Die Segel sind gesetzt!" -
Céline Rudolph

In Frankreich ist der 2008 verstorbene Sänger, Gitarrist und Songwriter Henri Salvador seit langem eine Legende. In Brasilien verlieh ihm 2005 der damalige Kulturminister Gilberto Gil einen Ehrenorden für seine Verdienste um die Bossa Nova. In Deutschland aber ist Henri Salvador eigentlich nur Insidern bekannt. Daran könnte nun das neue Album der in Berlin lebenden deutsch-französischen Sängerin Céline Rudolph etwas ändern. Für ihre Hommage “Salvador” schrieb die mehrsprachige Künstlerin eigens charmant-gewitzte deutsche Texte, die der Magie der französischen Originale in nichts nachstehen. Die deutsche Sprache klang wahrscheinlich nie zuvor so leicht, sinnlich und melodisch wie auf diesem faszinierenden Album.

Céline Rudolph, die letztes Jahr für ihr Enja-Album “Metamorflores” als beste nationale Sängerin mit dem Echo Jazz ausgezeichnet wurde, zelebriert auf “Salvador” die musikalische Leichtigkeit des Seins. Den Auftakt macht sie mit ”Wintergarten”, ihrer Version des Liedes “Jardin d’hiver”, das Benjamin Biolay und Keren Ann 2000 für das Album “Chambre Avec Vue” schrieben, mit dem Henri Salvador als 80-Jähriger ein strahlendes Comeback feierte und junge Hörergenerationen eroberte.

Bisher textlich eher im Portugiesischen, Englischen und Französischen daheim - und das oft zu ihren eigenen Kompositionen - vertiefte sich Céline Rudolph für dieses Projekt erstmals in ihre “Vatersprache” und kam immer leichter und einsichtsvoller zu ihren wunderschönen, sprachgewandten und poetisch agilen Neuversionen. “Ich brauchte weiche Sounds”, erklärt Céline. “Viele Ns, viele Os, viele As. Es muss einen Fluss haben, Wärme und Intimität. Es ist eine Klanggestaltung, ganz wie in meinen geliebten Vokalisen - Text und Sound in einem.” Und so kommt es, dass die Texte in ihren deutschen Versionen nicht nur von Miles Davis, Leonard Cohen oder Anaïs Nin bevölkert sind, sondern auch von Adonis, Matisse, Pastis, Paradies und Peace. Dabei passt sie die Betonungen manchmal ganz charmant ihren Bedürfnissen an.

Zu sanften brasilianischen Rhythmen und schmeichelnden Gitarren besingt Céline in “Wintergarten” Träume und Sehnsüchte. Auch in “Aussicht” (Originaltitel: “Chambre avec vue”) sehnt sie sich sanft nach dem Woanders, dem Womöglich, der Ferne; ganz so wie in “Syrakus” oder “Meine Insel” (“Dans mon île”), wobei hier das Bild der Insel mit dem eines Mannes poetisch zusammenfließt. Auf Wolke Sieben, überglücklich, ganz high vor Liebe wird der Melodiensegen von “Maladie d’amour”, logisch, zum karibischen “Liebeskrank”. Die Kehrseite ist die “Eifersucht” (“La jalousie”), die sich mit schlimmsten Schmerzen einschleicht, und doch ertragen und ausgehalten wird. Zwischendurch lässt sich Céline Rudolph treiben, etwa in “Das rote Boot”, dem zarten “Liebe mich” oder “Ohne Plan”.

“Es ist authentisch, so, wie ich die Musik jetzt sehe”, sagt Céline Rudolph. “Es ist für mich ganz natürlich, weil es französisch, brasilianisch, afrikanisch und deutsch auf einmal ist. Es ist so gewachsen, völlig organisch. Und auch wenn ich versuche, Bezüge zu Salvador und seiner Zeit, zu diesem Paris herzustellen, in dem Juliette Gréco und Miles Davis ein Traumpaar waren, ist es nie Retro. Es ist eine Poesie, die wir vielleicht heute nicht mehr so leben, aber trotzdem einwandfrei im Hier und Jetzt.”

Den Großteil der Aufnahmen machte die Sängerin in São Paulo mit absolut hochkarätigen  brasilianischen Musikern wie dem Bassisten Rodolfo Stroeter (Gilberto Gil, Edu Lobo, Joyce, Milton Nascimento, Arnaldo Antunes, Badi Assad, Mônica Salmaso), dem Pianisten Hélio Álves (Paquito D’Rivera, Slide Hampton, Claudio Roditi) und Akkordeonist Toninho Ferragutti (Marisa Monte, Gilberto Gil, Chico César, Toninho Horta, Hermeto Pascoal, Maria João). Weitere Einspielungen entstanden in Deutschland mit mit Jazzmusikern wie Bassist Marc Muellbauer (Julia Hülsmann Trio) und Schlagzeuger Wolfgang Haffner.

Am 10. September startet Céline Rudolph mit ihrer brasilianischen Band eine ausgedehnte Deutschland-Tournee. Zur Seite stehen ihr bei den Auftritten mit Gitarrist Rüdiger Caruso Krause, Keyboarder Hélio Áleves, Bassist Rodolfo Stroeter und Schlagzeuger Ricardo Mosca allesamt Musiker, die sie auch bei der Einspielung von “Salvador” begleiteten. Das offizielle Release-Konzert wird am 21. September im Radialsystem in Berlin stattfinden.