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12.01.2018

Von blauen Kühen und andere Erinnerungen - Armin-Mueller-Stahl-Album wieder erhältlich

Vor sieben Jahren erschien Armin Mueller-Stahls Liederalbum "Es gibt Tage...". Das vergriffene Werk wurde jetzt neu aufgelegt.

Armin Mueller-Stahl, Von blauen Kühen und andere Erinnerungen - Armin-Mueller-Stahl-Album wieder erhältlich Armin Mueller-Stahl Trio

Bei wenigen Künstlern liegt das Wort "Multitalent" so griffbereit wie bei dem 1930 geborenen Armin Mueller-Stahl, dem als einzigem deutschen Filmschauspieler eine große Karriere in beiden deutschen Staaten sowie in Hollywoods Filmindustrie gelang. Daneben wirkte und wirkt Mueller-Stahl aber auch als Maler, Schriftsteller, Musiker und Sänger.

 

2010 blickte Mueller-Stahl mit dem Album "Es gibt Tage..." auf Lieder zurück, die er Jahrzehnte vorher in der ehemaligen DDR geschrieben und gesungen, aber nicht aufgenommen hatte. Zusammen mit den befreundeten Musikern Günther Fischer und Tobias Morgenstern holte er dies nach und bekam euphorisches Echo dafür, nicht nur bei Fans, die sein Schaffen seit DDR-Zeiten begleiten. "Es gibt Tage..." erschien vor sieben Jahren als CD/DVD-Kombination, die inzwischen vergriffen ist. Da die Lieder des Schauspielers aber weder an Charme noch an Relevanz verloren haben, erscheint jetzt eine reine CD-Variante davon.

 

Mueller-Stahl gibt mit "Es gibt Tage..." unumwunden einen Teil seiner Geschichte preis. Dabei ist das Album keine in Songs gehauene Autobiografie und erst recht nichts, was der Mime schon immer mal loswerden wollte. Diese Lieder sind vor mehr als 50 Jahren in der DDR entstanden. Sie kommen aus einer anderen Zeit, die heute beinahe so fern erscheint wie das Mittelalter und doch noch ganz nah ist. Mueller-Stahl scheute sich lange, diese Songs überhaupt zu veröffentlichen: "Es war ein Wunsch meiner Frau, die Lieder auch mal ins Leben zu bringen. Aber während der Produktion entdeckten wir, dass einige von ihnen immer noch aktuell sind."

 

In seinen Songs entfaltet Armin Mueller-Stahl eine seltsame, geradezu skurrile und doch sehr poetische Welt, die in der DDR von beklemmender Wirklichkeit war. Man kann sich auf ganz unterschiedliche Weise an jenes politische Gebilde zwischen Ostsee und Erzgebirge erinnern. Viele der Lieder bauen auf Metaphern auf. In unseren heutigen Ohren klingen sie wie Fabeln. Geschichten von Tieren oder Gegenständen, hinter denen etwas ganz anderes steckt. Die DDR war sicher keine metaphorische Gesellschaft, aber für kreative Geister gehörte es zum Überleben, für alles und jedes Gleichnisse zu finden.

 

"Als Günther Fischer sich ans Klavier setzte und ich ihm einige Melodien vorsang, setzte so ein merkwürdiger Rückmarsch in die Vergangenheit ein", bestätigte der CD-Debütant. "Plötzlich begann ich noch einmal, die Welt mit den Augen eines 35-Jährigen zu sehen. Dieser Vorgang hat mir Spaß gemacht. Er tut nicht mehr weh. In meinem Alter sieht man Dinge, die einen früher bedrückten, locker und gelassen. Damals hingegen konnte ich alles, was mich bedrückte, in skurrilen Liedern abhandeln."

 

Mit Günther Fischer verbindet den Schauspieler eine lange persönliche Freundschaft. Fischer war nicht nur ein erfolgreicher Jazzmusiker der DDR, der auch Songs für bekannte Sänger und Schauspieler komponierte - darunter Manfred Krug und Veronika Fischer - er ist auch ein international geachteter Filmkomponist, dessen Radius schon vor der Wende weit über Ostdeutschland hinaus bis nach Hollywood reichte. Genannt seien nur Filme wie "Schöner Gigolo, armer Gigolo" mit David Bowie und Marlene Dietrich oder "Solo Sunny".

 

"Es gibt Tage..." ist ein Album, das berührt, eine CD, die auf jeden überflüssigen Ton, jedes redundante Wort verzichtet. Die Lieder gehen unter die Haut, gerade weil sie so nackt, ehrlich und ungeschminkt dargeboten werden.