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14.10.2009

Stilsynthese ohne synthetische Sounds

Raul Midón, Stilsynthese ohne synthetische Sounds © Mac Brown / Emarcy Records Raul Midón © Mac Brown / Emarcy Records

Wenn man beim Video-Portal YouTube nach "Raul Midón" sucht, stößt man auf einen 2006 entstandenen Clip, der den in New York lebenden Sänger, Gitarristen und Songwriter bei einem Auftritt in der "Late Show With David Letterman" zeigt. Zu hören ist er mit "State Of Mind", dem Titelstück seines dritten Albums, mit dem ihm 2005 der Durchbruch gelang. Nachdem man den Clip gesehen hat, weiß man nicht, was beeindruckender ist: Midóns elegante, soulige Tenorstimme, sein betont perkussives Gitarrenspiel oder die originellen, beboppigen "Trompeten"improvisationen, die er mit seinem Mund nachahmt und die sein Markenzeichen geworden sind. Das Publikum bedenkt ihn jedenfalls schon vor Ende des Stücks mit begeistertem Applaus. Seine virtuose und doch schlichte Performance lässt einen erahnen, weshalb Raul Midón schon seit ein paar Jahren unter Musikerkollegen einen so exzellenten Ruf genießt. Und jetzt wird er mit seinem neuen Album "Synthesis" dafür sorgen, dass auch der Rest der Welt seine vielen Talente kennen lernt.

Auf "Synthesis" kanalisierte der aus New Mexico stammende Raul Midón all seine Kreativität und Leidenschaft. Das Album nahm er im Juni 2009 in Los Angeles mit dem legendären Produzenten und Bassisten Larry Klein auf, der in seiner langen Karriere schon mit Koryphäen wie Joni Mitchell, Herbie Hancock und Peter Gabriel zusammengearbeitet hat. Mit seiner brillanten Mixtur aus Soul-, Pop-, Jazz-, Folk- und Latin-Elementen, die es einem unmöglich macht, Raul Midón in eine Schublade zu stecken, beweist "Synthesis" die Evolution des Künstlers. Anders als auf seinen vorausgegangenen Alben spricht Midón hier Themen wie Enttäuschung, Angst, Verlust und den amerikanischen Traum mit einem gewissen Biss an, den er wiederum raffiniert mit lebhaften swingenden und groovenden Rhythmen sowie umwerfend ohrwurmigen Melodien kaschiert. Während er in den Texten von "Never Really Gave", "Don't Take It That Way" und "Invisible Chains" mit scharfen Beobachtungen aufwartet, schlägt er in Songs wie "Next Generation", "Call My Name" und "Moment To Moment" optimistischere Töne an.

Midón und Klein einigten sich darauf, die Sessions mit weitestgehend akustischen Instrumenten abzuhalten. "Ich wollte wieder eine organische Aufnahme machen", sagt Midón. "Beim letzten Album verwendeten wir mehr programmierte Sounds und diesmal wollte ich wirkliche Musiker spielen lassen und nur wenige Effekte verwenden." Unter Midóns Mispielern befinden sich gestandene Session-Cracks wie Schlagzeuger Vinnie Colaiuta, Perkussionist Paulinho da Costa, Gitarrist Dean Parks und Keyboarder Jamie Muhoberac. Produzent Larry Klein kommt auch als Bassist zum Einsatz.

"Ich war immer daran interessiert, verschiedene Elemente miteinander zu kombinieren", sagt Raul Midón abschließend. "Dieses Album enthält Soul- und Popelemente und auch einige Improvisationen. Es gibt ein paar Songs, die musikalisch für manche Hörer vielleicht eine kleine Herausforderung sind, aber ich hoffe, dass das Album trotzdem auch beim breiten Publikum ankommt. Ich denke, es enthält etwas für jeden."

Erfahren Sie mehr über Raul Midon auf seiner Homepage und der Künstlerportraitseite bei JazzEcho.