Jazz Newsletter

Wir versenden wöchentlich den aktuellen Jazzecho Newsletter. Um keine Neuigkeit zu verpassen, können Sie sich gern hier mit Ihrer eMail-Adresse registrieren. Der Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden.

OK

Labels

Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

17.06.2009

Charlie Mariano 1923 - 2009

Charlie Mariano, Charlie Mariano 1923 - 2009 2003 © Klaus Brückner Charlie Mariano bei "Jazz an der Donau" in Straubing, 2003 © Klaus Brückner

Charlie Mariano war in vieler Hinsicht die Ausnahme der Regel. Geboren in Boston und nur drei Jahre jünger als Charlie Parker, ließ er sich zwar vom Bebop für den Jazz begeistern, löste sich aber bald von seinem Vorbild, um mit weit lyrischerem Ton eine Brücke zwischen Vorstellungen genialischer Solistik und emotionaler Intensität zu schlagen. Er arbeitete in den Fünfzigern ebenso mit den Gruppen Dizzy Gillespies, Erroll Garners, wie auch mit Shelly Manne und gehörte im folgenden Jahrzehnt zu Musikerkreisen um Charles Mingus oder auch McCoy Tyner.

Neugierig auf die Klänge der Welt, war Charlie Mariano viel unterwegs, lebte eine Zeitlang in Japan und Malaysia und lernte von einem indischen Meister die Doppelblattflöte Nagaswaram. Seine Aufnahmen dieser Jahre gelten als Pionieralben der improvisierenden Weltmusik. Mit der 1967 gegründeten Combo „Osmosis“ erforschte er außerdem bereits frühzeitig das jazzrockige Terrain.

Von 1971 an lebte Charlie Mariano überwiegend in Europa und wurde zu einem Impulsgeber für die kontinentale Szene. Bands wie „Pork Pie“ oder „Colours“ (mit Eberhard Weber) experimentierten im Fusion-Bereich, „Ambush“ näherte sich zeitgenössischem Terrain, so wie der umtriebige Saxofonist überhaupt in vielen Lagern von „Embryo“ bis „Steely Dan“ und vor allem mit dem von ihm mit gegründeten „United Rock & Jazz Ensemble“ unterwegs war.

Sein kantabler, eleganter Ton, seine Fähigkeit, Abstraktion und Tradition musikalisch zu verknüpfen, seine Neugier auf alles, was ungewöhnlich klang, prägten einen Künstler, der für viele Kollegen zum Vorbild wurde. Seit langem bereits kämpfte Charlie Mariano gegen ein Krebsleiden, das er über mehrere Jahre hinweg in Schach halten konnte. Am Dienstag Morgen jedoch starb er im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Köln.