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29.10.2004

Peter Cincotti - On The Moon

Peter Cincotti, Peter Cincotti - On The Moon

"On The Moon, that's where you'll find me", singt Peter Cincotti im selbst geschriebenen Titelsong seines neuen, zweiten Albums. Eine mutige, aber wahrscheinlich zutreffende Prophezeiung, zumindest was die kometenhafte Karriere des erst 21jährigen Jazzpianisten, Sängers und Songwriters angeht. Allein in den knapp zwölf Monaten seit der Veröffentlichung seines Debütalbums mauserte sich der smarte New Yorker vom "Boy Wonder", wie ihn Vanity Fair betitelte, zur "werdenden Legende" (New York Times). Mit "On The Moon", wieder mit Starproduzent Phil Ramone und seiner eigenen Band aufgenommen, präsentiert sich Peter Cincotti nicht nur erneut als fabelhafter Pianist und charmanter, jugendlich unprätentiöser Sänger, sondern mehr denn je auch als Songwriter.

"Meine Hoffnungen für dieses Album haben sich erfüllt, weil darauf alles so zum Leben erweckt wurde, wie ich es mir gewünscht hatte", freut sich Cincotti. "Die vier Songs, die ich selbst geschrieben habe, sind hier genau so wiedergegeben, wie sie mir vorschwebten, bis zum letzten gefühlten Moment. Und außerdem war ich immer dabei, von den ersten Ideen bis zum Mix, und konnte so sicherstellen, daß alles den genau richtigen Touch bekam. Natürlich hoffe ich, daß das Album auch dem Publikum gefällt und die Hörer mit mir auf diese Reise gehen, wenn sie es hören. Darum geht es schließich. Aber eigentlich habe ich mein Ziel in vielerlei Hinsicht schon erreicht, indem ich ein Album gemacht habe, mit dem ich selbst glücklich bin und das exakt das wiedergibt, was ich in diesem Moment meines Lebens fühle."

 

"Peterchens Mondfahrt" begann, wenn man so will, am 11. Juli 1983. Denn seit seiner Geburt im Wohnzimmer des Park-Avenue-Apartments seiner Eltern, ging es diesem Wunderkind immer hauptsächlich um Musik. Er war drei Jahre alt, als ihm seine Großmutter ein Spielzeugklavier schenkte, auf dem er so viel und engagiert herumklimperte, daß er bereits im Jahr darauf seine ersten Klavierstunden bekam. "Meine Mutter bat die Lehrerin, mich einfach nur spielen zu lassen, was ich wollte", erinnert sich Peter heute. "Sie wollte mich nicht mit klassischer Technik belasten oder sogar demotivieren. Also brachte ich zu meinen Stunden alles mögliche mit, was mich selbst interessierte, von Filmsongs über Musik aus dem 'Phantom der Oper' bis zu TV-Titelmusiken, die ich liebte." Der erste Musiker, der ihn wirklich begeisterte, war Jerry Lee Lewis. "Ich liebte dieses Boogie-Woogie-Piano. Aber gleichzeitig fand ich es auch toll, wenn wir Sinatra und Ella im Autoradio hörten, mit unseren Eltern zu einem Rockkonzert im Madison Square Garden oder in einen Jazzclub gingen."

 

Peter Cincottis Talent sprach sich schon bald herum, sicherlich auch durch seine immer besseren Klavierlehrer, unter ihnen auch Ellis Marsalis. Peter war sieben Jahre alt, als ihn Harry Connick Jr., mit dem er heute wegen seines jugendlich attraktiven Swing-Charmes oft verglichen wird, bei einem Konzert ans Klavier holte. "Ich wußte einfach, daß er das gewisse Etwas hatte", meinte Connick Jr. nach dem umjubelten Auftritt. Erst mit fünfzehn Jahren fing Peter an, zu seinem Pianospiel auch noch zu singen. Schon wenige Jahre später, und eigentlich recht unpassend zu seinen Studien an der Columbia University, trat er mit seinem eigenen Trio in den Jazzclubs von New York auf, tourte mit Freund Harry Connick Jr. durch die USA, spielte die Hauptrolle in der Off-Broadway-Produktion "Our Sinatra" und nahm sein Debütalbum "Peter Cincotti" unter der Ägide des legendären Produzenten Phil Ramone auf.

 

Dieses Album, mittlerweile fast überall auf der Welt vergoldet und mit allen möglichen Preisen ausgezeichnet, etablierte Peter Cincotti auf einen Schlag. Wer ihn bisher nicht ernst nehmen wollte, mußte jetzt eingestehen, daß dieses "Wunderkind" wohl doch mehr konnte, als nur jung zu sein und gut auszusehen. Sein überwältigendes Klavierspiel in Verbindung mit seinem charismatischen Auftreten und seinem charmanten Gesang, machten ihn buchstäblich über Nacht zum Star. Auftritte in allen möglichen TV-Shows, bei Festivals von Newport bis Montreux und sogar vor "präsidentschaftlichem" Publikum im Weißen Haus folgten, ebenso wie ein kurzer Gastauftritt mit seiner Band in "Spiderman 2".

 

Noch bevor Cincotti im Dezember mit einer Hauptrolle in Kevin Spaceys Film über den legendären Crooner Bobby Darin in die Kinos kommt, erscheint jetzt sein zweites Album "On The Moon" (das eigentlich das dritte ist, wenn man sein nur in den USA erschienenes Weihnachtsalbum mitzählt). "Ich hatte diesmal so viele verschiedene Ideen und Konzepte, was die Musik angeht", erzählt er. "Aber ich sehe ohnehin jeden Song als eine eigene Geschichte, oder zumindest als Gefühl oder Emotion, die ich vermitteln will." Das Album beginnt mit einer funky Souljazz-Version von W.C. Handys "St. Louis Blues", in der Intro nur mit Gesang zur treibenden Bassline von Barak Mori, später auch mit Mark McLeans Schlagzeug, Saxophonlicks von Scott Kreitzer, dazu scharfen Bläsersäzen und natürlich Peters eigenem Piano. "Es war mir sehr wichtig diese Songs mit den Musikern aufzunehmen, mit denen ich das letzte Jahr lang auf Tour war", erzählt er. "Ich habe eine echte Beziehung mit ihnen aufgebaut, und außerdem lerne ich sehr viel von ihnen. Für mich gibt es keine besseren Musiker, mit denen ich eine Platte machen könte."

 

Das zeigt sich immer wieder, egal ob in dem groovenden Cole-Porter-Song "I Love Paris", dem Exotika-getränkten "Bai i Ha'i", der flinkfingrigen Version von Ray Nobles "Cherokee" oder der entspannt verführerischen Ballade "Some Kind Of Wonderful". Die Band paßt perfekt zusammen, die Musiker ergänzen sich und spielen einander immer wieder die Bälle zu. Die Arrangeure Rob Mounsey und Rob Mathes schrieben außerdem ebenso schöne wie dezente Streichersätze, besonders für die Cincotti-Originale "The Girl For Me Tonight", "On The Moon" und das melancholische "He's Watching", das Peter seinem Vater gewidmet hat, der tragischerweise kurz vor einem Konzert seines 13jährigen Sohns an einem Herzinfarkt starb. "Es war wunderbar, weil ich so eng mit den Arrangeuren zusammengearbeitet habe", meint Cincotti. "Es ist einfach, einem Arrangeur einen Song zu geben und ihn etwas dazu schreiben zu lassen. Ihm seine eigenen Gedanken und Gefühle zu diesem Song zu vermitteln, ist schwieriger und letztendlich befriedigender."

 

Neben Eigenkompositionen und Jazzstandards singt und spielt Peter Cincotti natürlich auch wieder herrliche Pop-Klassiker, vom Drifters-Hit "Up On The Roof" bis zu "You Don't Know Me", einer Hommage an den kürzlich verstorbenen Ray Charles. "Er war für mich immer einer der größten, sowohl am Klavier als natürlich auch mit seiner Stimme", gesteht Peter, der noch im letzten Jahr im Vorprogramm einiger Ray-Charles-Konzerte auftrat. "Er hat mich auf so vielen verschiedenen Ebenen beeinflußt. Man muß sich nur anhören, was er für Melodien zwischen seinen Gesangseinlagen spielt und welche Akkorde er darunter setzt. Es ist, als wären es zwei verschiedene Pianisten. Und diese enge Verbindung von Gesang und Klavierspiel, von Begleitung und Solo, macht seine ganz besondere Kunst aus."

 

Peter Cincotti mag zwar in punkto Karriere "On The Moon" sein, abgehoben ist er nicht. Aber er hat ja auch noch jede Menge vor.