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27.06.2019
JazzEcho-Plattenteller

"Tone Poet"-LPs - eine Soul-Jazz-Rarität und ein später Bebop-Klassiker

Mit "Face To Face" des vergessenen Organisten Baby Face Willette und "Clubhouse" von Tenorist Dexter Gorden setzt Blue Note seine exquisite "Tone Poet Audiophile Vinyl Series" fort.

Blue Note, Tone Poet-LPs - eine Soul-Jazz-Rarität und ein später Bebop-Klassiker Blue Note Tone Poet LPs - Dexter Gordon "Clubhouse" // Baby Face Willette "Face To Face"

Joe Harley ist Mitbegründer und Koproduzent des renommierten amerikanischen Vinyl-Labels Music Matters. Sein außerordentliches Gespür für die Klangästhetik des LP-Formats inspirierte den Saxophonisten Charles Lloyd vor einigen Jahren dazu, ihm den Titel "Tone Poet" zu verleihen. Anlässlich des 80. Label-Jubiläums beauftragte Blue-Note-Präsident Don Was den "Klangpoeten" damit, seine persönlichen Favoriten für die exklusive "Tone Poet"-Vinyl-Edition zusammenstellen. Die rein analogen, d.h. ohne digitale Zwischenschritte gefertigten Reissues werden von Kevin Gray (Cohearent Audio) von den originalen Masterbändern neu gemastert und bei Record Technology Incorporated (RTI) auf hochwertiges 180g-Vinyl gepresst. Die Originalcover werden als schwere, laminierte Gatefold-Sleeves faksimiliert. Zwei neue Folgen können jetzt die Plattenteller audiophiler Blue-Note-Fans krönen.  


Baby Face Willette - Face To Face

Dass der Name Baby Face Willette selbst vielen eingefleischten Jazzfans kaum etwas sagt, hat seine Gründe. Denn so plötzlich wie der Hammond-Organist 1961 auf der Jazzszene aufgetaucht war, so schnell verschwand er kaum drei Jahre später auch wieder in die Obskurität. In dieser kurzen Zeitspanne war er an der Aufnahme von lediglich sechs Alben beteiligt, von denen vier unter seinem Namen erschienen und drei binnen einer einzigen Woche im Januar 1961 entstanden. Seinen Spitznamen "Baby Face" verdankte der Roosevelt Willette (1933-1971) seinem jugendlichen Aussehen. Schon in jungen Jahren war der Prediger-Sohn als Pianist professionell mit Gospel-Gruppen aufgetreten. Danach tourte er als Begleiter von Rhythm'n'Blues-Größen wie King Kolax, Johnny Otis, Guitar Slim, Big Jay McNeely und Joe Houston über viele Jahre hinweg kreuz und quer durch die USA. Ende der 1950er Jahre ließ sich Willette kurz in Chicago nieder, wo er nach dem Hören einer Platte von Charlie Parker zum Jazz konvertierte. Zur selben Zeit wechselte er - inspiriert von den schwarzen Gospel-Organisten Mayfield Woods und Herman Stevens - auch vom Klavier zur Hammond-Orgel.

Im Alter von 27 Jahren wagte Willette im Herbst 1960 den Sprung in die Jazzhauptstadt New York. Bei einer Jam-Session erhielt er die Gelegenheit mit dem Altsaxophonisten Lou Donaldson zusammenzuspielen, der seinerzeit auch als inoffizieller Talentscout für Blue Note tätig war. Nur vier Monate nach seiner Ankunft im Big Apple, am 23. Januar 1961, begleitete Willette Donaldson bei der Einspielung des Blue-Note-Album "Here 'Tis". Mit von der Partie war auch der Gitarrist Grant Green, selbst ein Newcomer in New York. Fünf Tage später nahm Willette an der Session teil, bei der Greens Blue-Note-Debüt "Grant's First Stand" entstand. Produzent Alfred Lion war von dem jungen Organisten, der sein Instrument mit inbrünstiger Leidenschaft spielte, so begeistert, dass er für ihn am 30. Januar 1961 eine eigene Aufnahmesession in Rudy Van Gelders Studio anberaumte.

Im All Music Guide schrieb Thom Jurek über das Debütalbum: "'Face To Face' trumpft mit einer äußerst kraftvollen Soul-Jazz-Besetzung auf: Grant Green an der Gitarre, Fred Jackson am Tenorsax und Schlagzeuger Ben Dixon. Von den sechs Nummern sind fünf Originale aus Willettes Feder. Die raue und unbändige Seite von Willettes Spiel offenbart sich gleich im Opener 'Swinging At Sugar Ray's'. Sein Ansatz auf der B-3 ist weitaus perkussiver als der von Jimmy Smith, jede Note wirkt wie ein pointierter Faustschlag; nicht nur in seinen Soli, sondern auch bei seinem Umgang mit Akkorden und Themen... Höchst empfehlenswert!"

Dexter Gordon - Clubhouse

Die 1950er Jahre waren für den Tenorsaxophonisten Dexter Gordon ein verlorenes Jahrzehnt gewesen. Seine Karriere, die er in den frühen 40ern als Bebopper so glänzend gestartet hatte, war durch seine Heroinabhängigkeit und zahlreiche Gefängnisaufenthalte fast vollkommen zum Stillstand gekommen. Das Blatt wendete sich für ihn erst, als er Anfang 1960 auf Bewährung freikam und nach New York ging, wo er von dem Produzenten Alfred Lion bei Blue Note Records eine neue Chance erhielt. Die wusste Gordon zu nutzen. Innerhalb kurzer Zeit nahm er für das Label die Alben "Doin' Allright", "Dexter Calling", "Landslide", "Go!" und "A Swingin' Affair" auf, die seinen Ruf wiederherstellten. Dann zog er nach Europa um, von wo er aber immer wieder nach New York zurückkehrte, um weitere Platten für Blue Note einzuspielen.

So wie im Mai 1965, als er an drei intensiven Tagen in Rudy Van Gelders Tonstudio in  Englewood Cliffs in New Jersey die beiden Alben "Clubhouse" und "Gettin' Around" aufnahm. Bei der "Clubhouse"-Session präsentierte sich Gordon mit einer exzellenten beboppigen Band: mit dem aus Indianapolis stammenden Trompeter Freddie Hubbard, der Dexter bereits 1961 bei seinem Blue Note-Debüt begleitet hatte, dem Detroiter Pianisten Barry Harris, dem Chicagoer Bassisten Bob Cranshaw (einem langjährigen Partner von Sonny Rollins) und dem aus Los Angeles kommenden Schlagzeuger Billy Higgins (mit dem der Saxophonist zuvor schon "Go!" eingespielt hatte). Village-Voice-Kritiker Robert Christgau bezeichnete das Album als "superb" und die Musik als "gereiften späten Bebop".