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06.06.2019
Various Artists

Ron Carter & Danny Simmons - zwei schwarze Beatniks

"The Brown Beatnik Tomes" ist das Dokument eines nicht alltäglichen Treffens zwischen Jazzbassist Ron Carter und Spoken-Word-Künstler Danny Simmons.

Ron Carter, Ron Carter & Danny Simmons - zwei schwarze Beatniks Ron Carter & Danny Simmons - The Brown Beatnik Tomes

Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Jack Kerouac - wer kennt sie nicht? Die Namen der ikonischen Autoren der Beat Generation sind heute noch so klangvoll wie in den 1950er Jahren, als sie mit ihren kühnen Wortwerken erstmals Staub aufwirbelten. Auffallend ist, dass diese eng mit dem Bebop verknüpfte Literaturbewegung aber kaum prominente schwarze Stimmen hervorgebracht hat. Große Ausnahmen waren LeRoi Jones (der sich später in Amiri Baraka umbenannte) und Bob Kaufman. In ihre Fußstapfen treten auf "The Brown Beatnik Tomes - Live At BRIC House" nun der Dichter und Spoken-Word-Künstler Danny Simmons und der unvergleichliche Jazzbassist Ron Carter.

 

Ron Carter, der gerade erst seinen 82. Geburtstag feierte, war nicht nur Mitglied von Miles Davis' zweitem legendären Quintett, sondern an weit über 2.200 Aufnahmesessions beteiligt (das Guiness Book of Records führt ihn offiziell als den meistaufgenommenen Jazzbassisten der Geschichte). Danny Simmons ist der ältere Bruder von Hip-Hop-Mogul Russell Simmons und Rapper Joseph Simmons von Run-D.M.C. sowie der Vater des Horrorcore-Rappers Jamel Simmons (Flatlinerz). Der Schriftsteller, Dichter, Galerist und neoafrikanische abstrakte Expressionist, dessen Gemälde u.a. im Smithsonian und im Hauptquartier der Vereinten Nationen ausgestellt wurden, ist außerdem einer der Mitbegründer der populären HBO-Sendung "Def Poetry Jam", deren Broadway-Bühnenfassung 2003 mit einem Tony Award prämiert wurde.

 

Bei ihrem Live-Auftritt im BRIC House in Brooklyn trug Simmons zu Projektionen seiner abstrakten expressionistischen Gemälde Texte aus seiner Prosa-Sammlung "The Brown Beatnik Tomes" vor, die Carter mit unkonventionellen Walking-Bass-Linien unterlegte. Nicht immer sind Simmons und Carter auf "The Brown Beatnik Tomes" ganz unter sich. Für ein paar Instrumentalnummern - darunter eine Hommage an den bahnbrechenden Bebop-Bassisten Oscar Pettiford - holte Ron Carter seine derzeitigen Trio-Partner zu sich auf die Bühne: den Pianisten Donald Vega und den Gitarristen Russell Malone. Ein weiterer Gast ist die Dramatikerin und Schauspielerin Liza Jessie Peterson, die sich einen Namen im New Yorker "Slam Poetry"-Underground gemacht hat.

 

"Ich habe versucht, mich in die Haut eines Dichters der Beat Generation der 50er Jahre hineinzuversetzen", sagt Simmons, "und dabei wollte ich zeigen, dass sich meine Perspektive ein wenig von der Lawrence Ferlinghettis oder Allen Ginsbergs unterschieden hätte. In gewisser Weise romantisierten die Beatniks schwarze Menschen. Sie waren hip, aber sie erkannten unsere Notlage nicht wirklich. In dieser Szene ging es hauptsächlich um die Erfahrungen der 'Negroes', aber nicht aus der Perspektive des 'Negro'." Diesen Blickwinkel hat Simmons hier um 180 Grad gewendet. Weg vom Voyeur und hin zur Quelle.