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06.06.2019
JazzEcho-Plattenteller

"Tone-Poet"-LPs - zwei Meister ihres Faches

Die exzellente "Tone Poet Audiophile Vinyl Series" wird mit zwei brillanten Alben von Tenorsaxophonist Joe Henderson und Meisterarrangeur Gil Evans fortgesetzt.

JazzEcho-Plattenteller, Tone-Poet-LPs - zwei Meister ihres Faches Tone-Poet LPs: Joe Henderson "The State Of The Tenor, Vol. 2" // Gil Evans "New Bottle Old Wine"

Die "Tone Poet"-LP-Serie mit all ihren Vorzügen haben wir hier auf der Seite ja bereits vorgestellt. Selbst die gemeinhin äußerst anspruchsvollen Fans von audiophilen LPs sind diesmal voll des Lobes, auf Amazon.com liest sich das beispielsweise so: 

 

"Quality of pressing and thick laminated covers are excellent, especially for this price range. Jazz lovers: pay attention to Tone Poet series, high quality real audiophile pressings with reasonable prices…" Amazon.com  review

"I had high hopes for the Tone Poet Series and I'm not disappointed. Great job by Blue Note. This vinyl pressing is fantastic. The sound quality is wonderfully dynamic, and the artwork/gatefold packaging is equally top-notch… Amazon.com  review

"Music/performance, mastering (Kevin Gray), packaging and pressing (RTI) all outstanding. Quietest vinyl surfaces I've heard." Amazon.com  review

 

Jetzt dürfen sich die Sammler auf zwei weitere Folgen freuen.

 

Joe Henderson - The State Of The Tenor, Vol. 2

 

Als Joe Henderson 1985 seine beiden "The State Of The Tenor"-Alben für Blue Note einspielte, hatte der 42-Jährige bereits einen Platz im Pantheon der großen Jazzsaxophonisten sicher. Der Tenorist, der seinen rauchigen, knurrigen Ton auf einzigartige Weise mit gefühlvoller Sophistication verband, hatte seine Solokarriere 1963 mit dem Album "Page One" bei eben diesem Label gestartet, für das er bis 1966 noch vier weitere Platten unter eigenem Namen aufnehmen sollte. Darüber hinaus war er in den 60ern an rund zwei Dutzend wichtigen Blue-Note-Einspielungen von u.a. Kenny Dorham, Freddie Hubbard, Lee Morgan, Horace Silver und Herbie Hancock beteiligt. Dann wechselte er zu dem von Orrin Keepnews und Dick Katz neugegründeten Label Milestone Records, bevor er Ende der 1970er als Freelancer für verschiedene Labels aufnahm. Mit den beiden Live-Alben "The State Of The Tenor", die an drei Abenden im November 1985 im Village Vanguard aufgezeichnet wurden, feierte Henderson eine triumphale, wenngleich nur kurzzeitige Rückkehr zu Blue Note.

 

"In einem Set, das den Vergleich zu Sonny Rollins' berühmten Village-Vanguard-Aufnahmen von 1957 nicht zu scheuen braucht, bildete der Tenor-Meister Joe Henderson mit Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Al Foster ein klavierloses Trio, das dem von Rollins ähnelte", schrieb Scott Yanow im All Music Guide. "Auf der zweiten der beiden LPs erkundet Henderson weniger bekannte Songs von Thelonious Monk, Horace Silver und Charles Mingus, einen Blues von Charlie Parker ('Cheryl') und zwei seiner eigenen Originale. Blue-Note-Gründer Alfred Lion sagte damals, dass er glaubte, dass das erste dieser Alben eines der besten sei, die je für Blue Note gemacht wurden. Das zweite Album befindet sich auf dem gleichen Niveau, ist genauso explorativ und spannend."

 

Gil Evans - New Bottle Old Wine

 

Schon bevor er mit Miles Davis 1949/50 mit den Aufnahmen für "Birth Of The Cool" die Geburt des Cool-Jazz einleitete, waren die ebenso anspruchsvollen wie ungewöhnlichen Arrangements von Gil Evans unter Musikern gefürchtet. Der Bandleader Claude Thornhill, für den der gebürtige Kanadier zwischen 1941 und 1948 tätig gewesen war, soll laut dem Bassisten Bill Crow stets dann auf Evans' Arrangements zurückgegriffen haben, "wenn er die Band bestrafen wollte".  In Evans' New Yorker Kellerapartment gaben sich in dieser Zeit Größen wie Charlie Parker, Gerry Mulligan und eben Miles die Klinke in die Hand, um sich von Evans zu neuen Ideen inspirieren zu lassen. Die Arrangements von Evans prägten ein Jahrzehnt später auch drei Alben des Trompeters, die als absolute Meilensteine des Jazz gelten: "Miles Ahead" (1957), "Porgy And Bess" (1958) und "Sketches Of Spain" (1960).

 

Dass der Anteil, den Gil Evans an diesen Einspielungen hatte, nicht zu unterschätzen war, machten schon die ersten Alben deutlich, die er im gleichen Zeitraum unter eigenem Namen veröffentlichte und auf denen ihm Miles nicht als namhafter Solist zur Seite stand. Auf "New Bottle Old Wine", seinem zweiten Soloalbum, füllte Evans wie der Titel signalisierte wirklich alten, oder besser: gut gereiften Wein in neue Flaschen ab. Das heißt, er kleidete bekannte Kompositionen aus der frühen Jazzära in moderne, innovative Arrangements: von  W.C. Handys "St. Louis Blues", Jelly Roll Mortons "King Porter Stomp" und Lil Hardin Armstrongs "Struttin' With Some Barbeque" über Fats Wallers "Willow Tree", Lester Youngs "Lester Leaps In" und Thelonious Monks "Round Midnight" bis hin zu Dizzy Gillespies "Manteca" und Charlie Parkers "Bird Feathers". Die solistischen Akzente setzte hier vor allem der Altsaxophonist Cannonball Adderley, aber gelegentlich auch Evans selbst am Klavier, Trompeter Johnny Coles oder Gitarrist Chuck Wayne. Im All Muic Guide meinte Scott Yanow zu der Aufnahme: "Das ist nahezu klassische Musik, die zeigte, dass Gil Evans nicht Miles Davis als Solisten brauchte, um sich zu Großem inspirieren zu lassen."